Portugal Kurztrip

Jeder kennt das Drama: man hat nur 5 Tage frei und ein knappes Budget und muss trotzdem dringend ins Wasser. Dank der Billigflieger wie Ryan Air oder Easy Jet kann man relativ schnell und kurzfristig in die Nähe von beinahe jedem bekannten europäischen Surfspot kommen. Dank meines gerade gestarteten Studiums in Amsterdam muss ich mich plötzlich auch an diese Ferienzeiten halten, die gleich null gehen und ich habe wenig Erfahrungen mit begrenzten Kurztrips…wie auch immer, ich brauchte ganz dringend eine Dosis Wellen und so fand ich mich plötzlich in solch einem Urlaubs Bomber gen Lissabon. Mein Travel Buddy Jason sprang als Fotograf an Board, um ein paar Bilder für den 07er Faith21 Katalog zu schiessen. So konnten wir die Reise als Business Trip durchgehen lassen.

Die Idee war simple: in 5 Tagen so viel zu surfen wie es nur geht und ein paar Bilder schiessen. Die Vorhersage sah unglaublich gut aus, es sollte nur ein wenig regnen, was Jason als Fotograf mehr Sorgen machte als mir, da ich eh plante nass zu werden. Als wir ankamen regnete es Schweine und Schafe, die Autobahnen waren geflutet und halbe Bäume und andere sperrige Gegenstände versperrten den Weg. Daher dauerte ie Fahrt vom Airport nach Ericeira 3 Stunden. 3 Stunden ist verdammt viel Zeit, wenn du nur 5 Tage hast! In Ericeira bliess es side onshore und vor Regen konnten wir die Wellen kaum erkenne. Einen Blick auf die Karte und wir stellten fest, dass es eine Stunde nördlich in Peniche bei Baleal offshore sein müßte. Schnell die Karre gequält und nach Peniche geflogen. Gerade noch eine Stunde vor Sonnenuntergang angekommen hört es auf zu regnen. Ein Blick über die Dünen bringt mich zum Ausflippen: perfekte kopfhohe Beach Break Wellen im offshore Wind mit einer Hand voll Surfern. Der Anreise Stress wird weggesurft und schon diese Session ware den Flug wert gewesen. Aber es sollte besser werden.

Die Nacht verbrachten wir netterweise im Freitil Camp um die Ecke, was sehr angenehm war, wenn man bedenkt, dass es immer noch regnete ohne Ende und mein Lidl Zelt den Wassermassen nicht wirklich gewachsen war. Wir futterten Lasagne für das Fettpolster der nächten 4 Tage und legten uns schnell ab. Jason entpuppte sich als strenger Sergeant, der mich eine Stunde vor Sonnenaufgang weckte um rechtzeitig beim ersten Tageslicht mit seinem Tele am Strand zu stehen. Es war immer noch offshore, nur die Wellen wurden im Laufe des Tages größer und größer. Baleal war immer noch DER Spot und mit besserer Tide surfte ich einige der besten Wellen, die ich je in Europa hatte. Mitten in der Bucht versuchten 2 Schlepper ein halb ausgebautes Transport Schiff vor dem Swell zu schützen und ihn auf Position zu halten. Am Morgen des dritten Tages sahen wir das Ergebnis, des Versuchs: Schiff am Strand geparkt und die Schlepper daumendrehend und peinlich berührt draussen in der Bucht cruisend. Wenn das Ding Öl getankt hätte ware da jemand auf offener See aufgeknüpft worden! So wurde das Boot Attraktion für Locals und Touristen und bat uns einen seltsamen Blick zurück an den Strand. Die kommenden Tage wurde der Swell einfach nur noch höher, bis es annähernd doppelt kopfhoch war und der Wind blies weiter offshore in Baleal. Coxos und Ribeira wurden noch am Morgen des Abflugtages ausgecheckt als der Wind auf Ost drehte und zeigte Perfektion wie aus dem Buche. Ohne Studium oder Job hätte jeder halbwegs vernünftige Mensch seinen Flug gecancelt, aber so ist das nun mal. Das Leben ist kein Ponyhof! So musste ich nach 5 Tagen mit einer Träne im Knopfloch und nassen Haaren erneut einchecken mit Ziel Amsterdam und der Hoffnung auf den ersten Winterswell in Wijk oder Scheveningen. Kurztrips sind gut für Leib und Seele!

Text von: Rik Fiddicke/Faith-21.com, Fotos von: Jason

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