Der Diebstahl von hochwertigem Equipment ist ein Problem, das wohl jeden Surfer schon einmal beschäftigt hat. Ob beim schnellen Stopp am Supermarkt oder während der kurzen Abwesenheit vom Fahrzeug – ein ungesichertes Board stellt oft ein unnötiges Risiko dar. Die Redaktion von Soul-Surfers.de hat die Entwicklung von verschiedenster Sicherheitslösungen über die Jahre aufmerksam verfolgt. Eine Lösung, die in den letzten Jahren besonders durch ihre technische Konsequenz und lokale Fertigung aufgefallen ist, kommt aus München: Surfinlock.
Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2018 von dem Ingenieur Florian Lohmann. Was als privates Projekt während eines Roadtrips an der französischen Atlantikküste begann, hat sich mittlerweile zu einem patentierten System für den Diebstahlschutz von Surfboards entwickelt. Dabei setzt das Startup bewusst auf „Made in Germany“ und hochwertige Materialien, um den anspruchsvollen Bedingungen von Salzwasser und Sand langfristig standzuhalten.
In unserem Interview gibt Gründer Flo Einblicke in die Herausforderungen der Produktentwicklung, erläutert die technische Belastbarkeit von Finnen-Systemen und erklärt, warum das Konzept inzwischen auch im Wintersport Anwendung findet. Zudem teilt er seine Einschätzung zur aktuellen Diebstahlsituation an europäischen Spots und gibt praktische Tipps für mehr Sicherheit auf Reisen.

Flo, auf eurer Website erzählst du die Story von deinem Trip 2018 im Octavia – neues Board, kein Platz im Auto, Freundin musste drin warten. War das der exakte Moment, in dem dir klar wurde: „Ich muss da selbst was bauen“?
Vorweg, meine Freundin kommt aus Bordeaux. Als ich ihr von den Plänen erzählt habe, mit dem Octavia Kombi einen längeren Roadtrip entlang der Atlantikküste zu machen, fand sie die Idee super. Aber sie hat mich auch direkt ausgelacht, als ich ihr erzählt habe, dass ich die Bretter einfach unter dem Auto lassen will. Das würde kein Mensch in Frankreich so machen. Die französischen Surfer lachen eher über die „naiven“ Deutschen, die ihr Zeug einfach so liegen lassen, gefundenes Fressen für jeden Dieb. Ich wollte also nicht als dummer Deutscher dastehen, sondern mit guter Ingenieurskunst kontern. Ich wusste, ich brauche da eine Lösung und die werde ich finden. Das Beste daran: Die französischen Surfer lieben das System – heute kommen die meisten unserer europäischen Bestellungen tatsächlich aus Frankreich.
Als Ingenieur geht man Dinge ja oft sehr methodisch an. Wie viele Prototypen mussten „sterben“, bis der erste Surfinlock wirklich marktreif war?
Sehr viele. Die Produktentwicklung ist insgesamt wesentlich aufwendiger, als man sich das vorstellt. Die größte Herausforderung ist es, eine Lösung zu finden, die am Ende super simpel scheint. Kompliziert zu konstruieren ist dagegen viel einfacher. Die hohe Kunst ist es, alles auf das Wesentliche herunterzubrechen und trotzdem eine perfekte Funktion zu garantieren.
Bei den Fin Locks war eine zusätzliche Herausforderung, dass der Fin Plug nicht 100% genormt ist. Eine Finne verzeiht mehr, aber bei einem Sicherheitssystem und der perfekten Lösung wird es dann anspruchsvoll. Ich habe also unzählige Prototypen 3D-gedruckt und bin damit in diverse Surfshops gerannt, um sie an allen möglichen Brettern auszuprobieren.
Danach ging es ans Eingemachte, die Vorserie aus Edelstahl. Hier kommen viele Lieferanten ins Spiel und man muss sicherstellen, dass alles exakt so geliefert wird, wie geplant. Man braucht auf jeden Fall einen langen Atem, bis ein Produkt endlich serienreif ist.



Die größte Sorge vieler Surfer ist: „Reißt mir das nicht den Finnen-Plug aus dem Board, wenn einer fest zieht?“ Was entgegnest du diesen Bedenken aus technischer Sicht?
Der Fin-Plug ist mit Abstand der stabilste Fixpunkt am Brett. Gerade die neueren Plugs sind tief einlaminiert und halten extrem viel aus, viel mehr als zum Beispiel der Leash-Plug. Klar, mit roher Gewalt wäre ein Rausreißen möglich, aber dann wäre das Board massiv demoliert und müsste erst einmal aufwändig gefixt werden.
Stell dir einfach die Frage: Welcher Dieb würde sich diesen Stress machen, wenn überall unabgeschlossene Bretter quasi auf dem Silbertablett serviert werden? Ein Diebstahl muss schnell gehen und möglichst wenig Aufwand machen. Abschließen ist da die beste Abschreckung.
Ich frage natürlich auch gezielt bei den Kunden nach: Bisher habe ich noch nie von einem Fall gehört, bei dem ein abgeschlossenes Brett mit Surfinlock geklaut wurde. Von Diebstählen ungesicherter Boards höre ich dagegen ständig.
Ihr deckt mit dem System FCS I/ II, Futures und US-Box ab. Welches System war für dich in der Entwicklung die größte Herausforderung?
Ganz klar: das erste Fin Lock für FCS I und II. Wie schon gesagt, sind die Plugs oft leicht unterschiedlich und vor allem in verschiedenen Winkeln im Brett einlaminiert. Bei Futures ist der Finnenkasten immer gerade eingebracht und die Finne selbst ist in einem bestimmten Winkel zur Seite gekrümmt – das macht es einfacher.
Bei FCS muss ich deshalb extrem genau mit den Toleranzen spielen, damit das Fin Lock bei jedem Board passt und trotzdem die maximale Sicherheit bietet. Das erfordert ein sehr cleveres Design und eine sehr präzise Fertigung. Aber genau das war der Anspruch, und das ist mir am Ende auch gelungen.



„Made in Germany“ ist ein Kernaspekt eurer Marke. Warum war es dir wichtig, die Produktion in der Heimat zu behalten, anstatt (wie viele in der Branche) nach Asien auszuweichen?
Alles, was möglich ist, lasse ich so nah wie möglich fertigen, am besten direkt hier im Münchner Umland. Da ich schon lange als Ingenieur für Wakeboardanlagen arbeite, kenne ich viele Betriebe hier persönlich. Das ist ein riesiger Vorteil, weil ich so den direkten Draht zur Fertigung habe und genau weiß, worauf es ankommt.
Mir ist es wichtig, dass ich Produkte nicht einfach um die Welt schiffe, wenn es auch anders geht. Aber es geht mir noch um mehr: Die lokale Fertigung gibt dem Ganzen eine Seele. Ich habe so viel Herzblut in die Entwicklung gesteckt und das lässt sich am besten transportieren, wenn ich nah dran bin. Ich bin kein Fan von anonymer Massenproduktion und will damit auch nicht konkurrieren.
Der finale Feinschliff passiert sowieso händisch direkt bei uns. Je nach Teil wird hier noch gebohrt, entgratet und poliert. Jedes Lock wird bei uns einzeln getestet und zusammengebaut, bevor es verpackt und verschickt wird.
Vom Line-up auf die Piste: Ihr habt euer System jetzt auf Ski und Snowboards ausgeweitet. Kam der Impuls dazu aus der Community oder war das die logische Fortführung deiner eigenen Outdoor-Leidenschaft?
Definitiv beides. Ich habe als Student mein Geld als Skilehrer verdient und war viel in den Alpen unterwegs. Es gab eigentlich keine Woche, in der nicht irgendwo Skier abhandengekommen sind, meistens auf den Hütten beim Après-Ski.
Daher war es für mich die logische Konsequenz, auch für den Wintersport eine Lösung anzubieten. Dazu kamen auch immer wieder Anfragen aus der Community. Da sich unser Looplock-Cable dafür perfekt anbietet, war es kein großer Schritt mehr, den Aggregatzustand von Wasser zu ändern und es auch im Schnee anzubieten.
Gibt es beim Sichern von Ski/Boards im Vergleich zum Wellenreiten spezifische Unterschiede, auf die ihr technisch reagieren musstet (z.B. Kältebeständigkeit des Materials)?
Technisch gesehen ist das Meer die härteste Prüfung. Deshalb verwenden wir für die Locks grundsätzlich Premium-Edelstahl, der extrem widerstandsfähig und absolut salzwasserbeständig ist. Wenn ein Material im Salzwasser besteht, ist der Einsatz im Schnee für die Hardware kein Problem mehr.



Mal abgesehen vom Abschließen: Was ist dein ultimativer Tipp für die Soul-Surfers Community, um das Diebstahlrisiko am Spot (egal ob Van-Life oder Scooter-Trip) zu minimieren?
Ein Tipp von meiner französischen Freundin: Sei auf Reisen nicht zu “deutsch”. Präsentiere deine Wertsachen nicht einfach auf dem Beifahrersitz. In anderen Ländern wird oft schon für einen 10-Euro-Schein die Scheibe eingeschlagen. Schließ dein Brett ab oder packe es, wenn möglich, direkt ins Auto oder den Van.
Es geht mir gar nicht darum, hier den Teufel an die Wand zu malen, aber Diebstahl kann dir den kompletten Trip vermiesen. Es gibt nichts Ärgerlicheres, als wenn dir in der besten Zeit des Jahres etwas geklaut wird. Stell dir vor, der Ozean feuert und dein Brett ist weg – der Super-GAU. Wenn man mit gesundem Menschenverstand Vorsorge betreibt, ist das nicht viel Aufwand, aber einer, der sich definitiv lohnt.
Hand aufs Herz: Was kommt als Nächstes bei Surfinlock? Dürfen wir uns auf weitere Innovationen für andere Sportarten oder neues Zubehör freuen?
Wir entwickeln ständig weiter, auch wenn es nicht jedes Projekt bis zur Serienreife schafft. Eine Sache, die wir aktuell angehen, ist das Thema Neo-Diebstahl. Das passiert leider immer öfter, die Anzüge werden teurer und Diebe wissen das. Gleichzeitig lassen viele ihren Neo nachts zum Trocknen draußen hängen, eine Einladung für Langfinger.
Außerdem arbeiten wir an unserem Micro Lock: Es ist super kompakt und passt in jede Boardshorts. Wird die perfekte Mini-Ergänzung zu unseren Premium Fin Locks. Aber mehr verrate ich noch nicht, schaut einfach ab und zu im Shop oder auf unseren Social-Media-Kanälen vorbei!
Das Gespräch mit Florian Lohmann verdeutlicht, dass effektiver Diebstahlschutz am Spot weniger mit Misstrauen als vielmehr mit pragmatischer Vorsorge zu tun hat. Die technische Herangehensweise, den stabilsten Punkt des Boards – den Finnen-Plug – als Ankerpunkt zu nutzen, bietet eine mechanisch solide Lösung für ein altbekanntes Problem.
Dass dieses Konzept mittlerweile auch erfolgreich auf den Wintersport übertragen wurde, zeigt, dass das Bedürfnis nach Sicherheit für hochwertiges Sportequipment saisonübergreifend besteht. Ob am Strand oder auf der Hütte: Eine einfache mechanische Barriere ist oft der entscheidende Faktor, um Gelegenheitsdiebstähle effektiv zu verhindern und die Konzentration auf den Sport selbst zu ermöglichen.
Wir bedanken uns bei Flo für die detaillierten Einblicke in seine Arbeit und die technische Entwicklung hinter Surfinlock.
Wer mehr über die technischen Details erfahren oder sich die verschiedenen Systeme für FCS, Futures oder Ski ansehen möchte, findet alle Informationen direkt unter www.surfinlock.com oder bei Instagram @surfinlock.
Eure Meinung ist gefragt: Wie sichert ihr euer Equipment auf Reisen? Habt ihr bereits Erfahrungen mit mechanischen Sicherungssystemen gemacht oder vertraut ihr auf klassische Methoden? Diskutiert mit uns in den Kommentaren oder wie gewohnt bei uns im Soul-Surfers Forum.
