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Start › Foren › Surfer Geschichten › zeitreisende Surfer Teil III

  • Dieses Thema hat 61 Antworten sowie 1 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 20 Jahren, 3 Monaten von trevira2000 aktualisiert.
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  • 14. Dezember 2005 um 0:58 Uhr #58144
    trevira2000
    Gast

    Biarritz

    „Ich hab genug“, ruft Marek zu Marc rüber, der ruhig im Line up sitzt und die ankommende Dünung beobachtet. Marc nickt nur kurz um sich dann wieder konzentriert abzuwenden. Die Schultern schmerzen, als Marek einer Welle entgegenpaddelt. Die vielleicht? Nein, das wird nix. Die Wellen sind heute schwer zu bekommen, sie bauen sich langsam auf und häufig brechen sie erst sehr spät direkt auf der flachen Sandbank. Die Kulisse ist hier in Biarritz einmalig. Heute ist es besonders klar und Marek kann die Pyrenäen erkennen, als er sein Board zum Strand hin dreht und sich von den letzten Paddelaktionen erholt.
    Das ist nicht sein Tag, die Knochen schmerzen, die Gelenke sind müde und der Magen knurrt. Jetzt ein schönes Rührei und ein Baguette und dazu einen schönen Cafe au lait!!
    Nur noch eine Welle, die ihn zurück zum Strand trägt.
    Eine Weile passiert gar nichts, einfach nur warten, auf die vorbeifahrenden Autos schauen oben auf der Promenade, mal den Himmel betrachten, und die felsige Kulisse drum herum. Er dreht sich zu Marc um, der auch still auf seinem Board sitzt und seine Gedanken treiben lässt. Dann merkt er dass Marek ihn beobachtet und grinst. Marc legt sich aufs Board und paddelt zu ihm hin. „Na, irgendwie kommt hier nix mehr heute was? Wie schauts aus, einen heißen Kaffee?“ fragt er. „Von mir aus ja, du hast jetzt auch genug?“ „Naja würde ja gerne noch, aber wo nichts ist, lass uns für heute Schluss machen hier, wird eh gleich Dunkel,“ meint Marc und schaut sich um, als er Mareks funkelnden Augen sieht. „Ein Set!“ „Ja, das sieht ja nach was aus. Dann wollen wir mal, wir treffen uns am Strand!“ Beide paddeln in Richtung Set um sich richtig zu positionieren.
    Nachdem Marek die erste Welle durchgelassen hat, paddelt er die zweite mit aller Kraft an, die muss es jetzt sein. Dass die Welle sich allerdings zu einem 3m Geschoß entwickeln würde, wird ihm erst so richtig klar, als sie ihn hoch katapultiert. Schnelle Paddelschläge und es geht ab. Unter sich sieht er jede Menge dunkles kaltes Wasser. Die Schmerzen in den Schultern sind vergessen. Perfektes Timing beim Take off. Die Welle hat viel Power. Er macht ordentlich Speed als er die Face hinabsurft, mit einem fließenden Bottom-turn fährt er die Welle wieder hinauf, wird dann langsamer um nun mit einem weiteren Turn ins Wellental zurück zu fahren, erneut Geschwindigkeit aufnehmend.
    Ein angenehmes Ziehen in der Bauchgegend und nicht wirklich zu definierende weitere Gefühle an den verschiedensten Körperteilen entlocken ihm ein lautes Lachen als er mit viel Geschwindigkeit auf die Wellewand schaut, wie geil! Ganz entspannt fährt er nun an dem flacher werdenden Teil der Welle entlang und genießt es, auf seinem Board entlang zu wandern, sogar noch zum krönenden Abschluss einen Hang Five riskierend.
    Neben ihm taucht Marc auf, auch er ist auf der Welle, Marek hat ihn bis eben nicht bemerkt. „Ahoi Digger!“ ruft Marc und beide grinsen über beide Ohren.
    Am Ende brauchen sie nur noch vom Board abspringen und einige Meter durch das flache Wasser an den Strand waten.
    Marc schaut sogleich auf den Line up zurück, „Meinst du da kommt noch so ein Set?“
    Beide blicken abwartend auf das nun wieder ruhige Wasser, es tut sich nichts.
    „Das war das Tagesset, ich habe Hunger und so schön wird’s heut nimmer mehr,“ meint Marek und schaut Marc Freude strahlend an, der nun auch lacht, „man du guckst selten dämlich gerade!“
    Beide halten ihre Boards unterm Arm und schauen noch mal raus, jetzt bloß keinen Fehler machen, vielleicht kommt ja doch noch mal was?
    Marc schüttelt nach einer Weile den Kopf, „okay überzeugt, essen und ein großes Bier!“
    Gemeinsam watscheln sie in ihren Booties zurück zum Bus.

    „Das hat gut getan. Das schwere Magengefühl ist verschwunden!“, meint Marc euphorisch während sie sich umziehen, es ist eng im Bus und überall liegen nasse und trockene Klamotten herum. Marek öffnet zwei Bier und mit „Lying from you“ von Linkin Park bringen sich die beiden in die richtige Stimmung, um sich für einen Partyabend mit ungewissen Ausgang zu entscheiden.

    16. Dezember 2005 um 0:45 Uhr #58191
    trevira2000
    Gast

    In der Pampa

    Ein heftiges Klopfen an der Scheibe holt Malte zurück aus einem traumlosen Schlaf. Er muss irgendwie vorne über dem Steuer eingeschlafen sein, beim Warten auf Tomasz, der zum Gehöft gegangen ist. Es ist eiskalt im Wagen. Malte bewegt vorsichtig seine halb eingefrorenen Gliedmaßen und dreht seinen Kopf langsam zur Fahrertür, von wo das Klopfen kam. Ein Gesicht drückt sich dort an der Scheibe die Nase platt. Erschreckt zuckt Malte zusammen. Die Fahrertür geht auf und vor ihm steht eine eingeschneite junge Frau, fast vollkommen vermummt ist sie kaum zu erkennen, nur die schönen braunen Augen und einige schwarze lange lockige Haarsträhnen und natürlich die schmale kleine rote Nase. Ihr schwarzer Poncho ist bedeckt mit dicken Schneeflocken.
    Die Zeit scheint still zu stehen.
    Beide starren sich an, Minuten, Stunden, Tage …. keiner weiß es so genau.
    Malte hat es jedenfalls voll erwischt, die Kälte spürt er nicht mehr, die Müdigkeit ist auch verflogen. Schmetterlinge fliegen plötzlich im Bauch, schlagen Purzelbäume, räumen den Magen auf. Scheiß auf Tomasz und den Transporter, das ist jetzt alles nebensächlich. Wie das Mädel wohl heißt?
    Dann spricht sie plötzlich und Maltes Gesicht färbt sich rot. Er versteht kein Wort, wie schade. Er versucht es auf Englisch, „Hi, ich bin Malte. Und du?“ O Gott, wie peinlich, er kommt sich vor wie Tarzan, als er mit dem Zeigfinger auf sich zeigt und dann auf sie. „Agnieszka, …“ antwortet sie freundlich, dann fragt sie ihn wieder etwas auf polnisch. Aha, also Englisch klappt schon mal nicht, vielleicht französisch?
    Er versucht es auf französisch. Fragt wie es ihr geht. Sie lächelt nur und sagt wieder etwas auf polnisch und zeigt irgendwo nach vorne. Er schaut sie verständnislos an, sie wiederholt es noch mal, immerhin kann er den Satz jetzt schon nachsprechen und sie nickt eifrig, aber was heißt das Ganze? Sie merkt, dass er wohl immer noch nicht verstanden hat und zeigt jetzt wieder mit dem Finger nach vorne und winkt ihm dann zu, raus zu kommen. „Ach ich soll mitkommen?“ fragt er und bewegt sich in ihre Richtung. Sie nickt bestätigend, während er aus dem Auto steigt. Dann setzt sie sich sofort in Bewegung. Er macht schnell die Wagentür zu und folgt ihr.
    Inzwischen ist die Straße zugeschneit und auch die Felder und Bäume sind dick mit Schnee bedeckt.
    Sie gehen auf der einsamen Landstraße entlang, biegen dann plötzlich rechts ab auf das zugedeckte Ackerfeld. Malte folgt ihr aufgeregt. Sie ist klein, bestimmt zwei Köpfe kleiner als ich, denkt er und beobachtet ihren schnellen Gang. Sie geht sicher auf dem zum Teil unebenen und glatten Boden.
    Erst spät registriert Malte, dass sie auf das Gehöft zugeht, dass er von weitem vorhin schon gesehen hat und zu dem Tomasz gehen wollte. „Tomasz?“ fragt er Agnieszka und zeigt auf das Gehöft. Sie nickt und wiederholt den Namen. Jetzt bellt ein Hund und schon kommt er auf die beiden zu gerannt. Ein schwarzer Mischling, der freundlich bellend und Schwanz wedelnd erst Agnieszka begrüßt und dann schon etwas verhaltener Malte beschnuppert und seine kalte Hand leckt. „Na, was bist du denn für ein Hübscher?“ Malte streichelt das kurze weiche Fell, Agnieszka beobachtet dabei den blonden großen Malte interessiert von der Seite. Ja, schon ein hübscher junger Mann denkt sie aufgeregt und blickt schnell wieder weg, als er sie anschaut. Er findet sie bestimmt wie ein Bauerntrampel, so ihre Befürchtung.
    Sie erreichen den Hof und gehen auf das von Außen schon sehr marode wirkende Gebäude zu. Die Fassade blättert ab und die Fensterbalken sehen alt und spröde aus. Agnieszka geht ins Haus und winkt dem zögernden Malte zu, es ihr nach zu tun.
    Drinnen im Haus erwartet sie wohlige nach Holz riechende Wärme und zwei Männer vor einem großen Kamin, die im Gespräch vertieft davor sitzen.
    „Tomasz“ ruft Malte erfreut. Tomasz dreht sich grinsend zu ihm um. „Ich dachte mir, dass du auch in den Genuss von polnischer Gastlichkeit kommen solltest.“
    „Dann bleiben wir hier noch ein bisschen?“ „Auf jeden Fall so lange, bis der Bruder von Agnieszka mit dem Wagen wieder da ist und uns mit Öl versorgen wird.“
    Agnieszka stupst Malte vorsichtig an und deutet auf seine Jacke. „Oh, ja Entschuldigung,“ hastig zieht er sie aus und auch die Schuhe. Die Füße brauchen dringend ein bisschen Wärme. Sie nimmt ihm die Sachen ab und zeigt auf einen großen alten Ohrensessel neben dem Kamin.
    „Na, die meint es aber gut mit dir, mir hat sie den Sessel nicht angeboten,“ meint Tomasz und lacht. Als sie ihm dann auch noch Puschen anbietet wird Malte rot.
    Agnieszka hat inzwischen ihren Mantel abgelegt und auch das Tuch, dass ihren Kopf bedeckte. Die langen Haare fallen offen auf das dicke schwarze Wollträgerkleid. Der rote Rollkragenpullover ist der effektvolle Farbtupfer in dem strengen Schwarz, dass ihr aber gut steht, findet Malte, sie bewundernd von oben bis unten betrachtend. „Man mach den Mund zu, du sabberst ja schon!“ hört er Tomaszs Stimme aus weiter Ferne und schnell wendet er sich ab von ihr und schaut irritiert in die Flammen.
    Was für ein Tag in Polen, mitten im Schnee in der Pampa!

    18. Dezember 2005 um 21:01 Uhr #58286
    trevira2000
    Gast

    Warschau

    Während Maike gerade durch die automatisch sich öffnende Glastür zu einem Taxistand vor dem Warschauer Flughafen geht, stößt Handke mit dem Fuß die Tür auf, hinter der er Struppi knurren und bellen hört.
    Ohne viel Widerstand schwingt die Holztür zur Seite und Furby und er schauen auf eine unerwartete Szenerie. Vor ihnen sitzt ein junger Mann gefesselt auf einem alten Schreibtischstuhl. Mit großen entsetzten Augen schaut er erst auf die beiden neuen Eindringlinge danach geht sein Blick entsetzt nach links. Handkes Blick geht daraufhin geistesgegenwärtig nach rechts, sieht dort einen in schwarz gekleideten großen Mann mit einer Waffe in der Hand, „Furby hau ab, los lauf!“ ruft er, aber es ist schon zu spät, hinter Furby steht ein zweiter finsterer Geselle, der auch aus einem 007 Film stammen könnte, mit seinen Goldzähnen im Maul und dem fiesen Grinsen, Furby seine dicke Knarre in den Rücken drückend.

    Während die beiden ihrem Unglück entgegensehen, versucht Maike vom Taxi aus Handke auf seinem Handy zu erreichen.
    In Handkes Hosentasche vibriert es dementsprechend.
    Enttäuscht wartet sie vergebens darauf, dass Handke abhebt, also erst einmal zum Hotel, entscheidet Maike.

    Furby stellt derweil entsetzt fest, dass die beiden finsteren Geiselnehmer Struppi in einen großen Mülleimer eingesperrt haben, aus dem jetzt ein hilfloses Quieken kommt. Der halbwegs zivilisiert Aussehende von den beiden Kerlen bedeutet Handke, sich auf einen Stuhl zu setzten, auf dem vor kurzem noch Malte gesessen hat und seine Kohlsuppe verspachtelte, was Handke natürlich nicht ahnen kann. Auch Furby wird mit Nachdruck gebeten, Platz zu nehmen.
    „Gidje Tomasz?“ fragt der Geiselnehmer dann, Handke dabei intensiv mit eiskalter Mine anschauend „Sagt ihnen das nicht!“ ruft da der Gefesselte auf englisch zu ihnen rüber, worauf der Goldbezahnte ihm mit seiner Pistole bewusstlos schlägt.
    „Was sagt er?“ fragt Furby. „Ja ne cnaju,“ antwortet Handke auf russisch dem Mann, und schaut ihm dabei starr in die Augen, bloß keine Angst zeigen, denkt er.

    Maike betritt währenddessen müde und etwas ausgehungert die Empfangshalle des Hotels und geht zur Rezeption. Der Angestellte dort überreicht ihr einen Briefumschlag den sie aufgeregt aufreißt.

    In Frankreich ist Marc zu dieser Zeit dagegen im Auto auf dem Weg nach Bordeaux, er hat einen ziemlichen Kater, aber sein Kumpel Marek neben ihm geht es noch schlechter. Die Party war ein voller Erfolg.

    In der Pampa sehen wir Malte wie er den Schlaf des Verliebten schläft, tief in Morpheus Armen versunken, träumt er gerade einen Pornofilm, mit platten Dialogen, einer hanebüchenen Story aber einer perfekt besetzten Hauptdarstellerin namens Agnieszka.

    Svenja steht zeitgleich gerade auf der Probebühne und beobachtet, wie ihr Mitspieler seine Tasse auf dem Tisch abstellt, zur Waffe greift, um sie gleich mal wieder zu erschießen.

    Der Schwenk wieder nach Warschau in die Fabrik. Das üble Gegenüber hält gerade seine Waffe Handke zwischen die Augen, während der Andere Furby beobachtet, den die Szenerie nur allzu gut an das böse Ende in Bleckede erinnert. Beunruhigt denkt er an den Verlust seiner Milz damals. „Nein, nicht noch einmal!“ ruft er und steht empört auf. Alle schauen ihn erstaunt an, auch er selbst ist überrascht, er hat wohl laut gedacht. Ein harter Schlag auf die rechte Schulter mit dem Knauf der Pistole macht seinem kleinen Widerstand ein jähes Ende. Der heftige Schmerz lässt ihn wieder auf den Stuhl zurück fallen und aufstöhnen.
    Handke fragt etwas auf Russisch, Furby bekommt dies aber nur peripher in seinem Schmerzschleier mit. Außerdem nimmt ihm das dumme Grinsen des vor ihm sitzenden Kerls voll in Anspruch, der nur darauf zu warten scheint, ihm wieder etwas überzubraten.
    Handke und der andere Mann reden eine Weile hin und her.
    Inzwischen wacht Mateusz langsam wieder aus seiner Bewusstlosigkeit auf, Blut läuft über seine Wange und tropft auf sein weißes T-shirt. Die letzten Worte des Ganoven dringen bis zu ihm vor, es wird über ein gestohlenes Gemälde geredet. „Das kann nicht sein, das muss ein Missverständnis sein, Tomasz würde niemals ein Gemälde von euch klauen!“ ruft er verzweifelt in einem holprigen Kauderwelsch aus russisch und polnisch. Dafür bekommt er diesmal einen Schlag in den Nacken, der ihn mal wieder eine Weile ins Nichts befördert.

    Maike ist hingegen voller Tatendrang, eifrig steigt sie in das Taxi und lässt sich zu der Adresse bringen, die Handke ihr im Briefumschlag hat zukommen lassen. Die Adresse, die unsere Helden gerade vor eine große Herausforderung stellt.

    21. Dezember 2005 um 10:38 Uhr #58396
    trevira2000
    Gast

    Bordeaux

    „Sitzt du bequem?“ fragt Marc besorgt seinen Freund Matt, während Marek damit beschäftigt ist, die Reisetasche im Kofferraum zu verstauen. „Ja, man. Alles ist schöner als dieses Krankenhausbett!“ antwortet Matt und lehnt sich entspannt auf dem Beifahrersitz zurück, den Marc weit nach hinten geschoben hat. „Wir wollten dich eigentlich würdevoll im Woody nach Hause chauffieren, aber das Teil hat uns im Stich gelassen,“ sagt Marc, Marek beobachtend, der sich schmerzvoll den Kopf hält als er den Kofferraum zuklappt und sich auf den Rücksitz des Citroens setzt.
    „Marek du siehst ja fast noch käsiger aus als ich, was ist los. Und irgendwie kommt es mir so vor, als würde es hier nach Restalkohol stinken oder sind die Sitze schon so voll gesogen?“ fragt Matt grinsend und beobachtet im Rückspiegel den leidenden Marek. „Ach hör auf. Seh ich echt so scheiße aus? Ich weiß auch nicht, das letzte Bier muss schlecht gewesen sein,“ antwortet Marek stöhnend und breitet sich auf dem Rücksitz aus. Marc lacht hämisch, während er den Motor
    anlässt und den Wagen in den Bordeauxer Feierabendverkehr einreiht, „du hättest ihn sehen sollen, wir sind in eine Schwullesbische Party rein geraten, da war was los.“ Matt schaut ihn neugierig an, “raus mit der Sprache, und?“ „Halts Maul Marc!“ kommt da stöhnend von hinten. Marek hat sich inzwischen auf den Rücken gelegt und kämpft wieder gegen aufkommende Übelkeit an. „Ich finde Matt hat ein Recht zu erfahren, warum du so indisponiert bist,“ meint Marc lachend. Er fährt auf den großen Ring, der um Bordeaux herumführt. „Los, spann mich nicht auf die Folter, hatte Marek sein coming out, wurde er vergewaltigt?“ fragt Matt noch mal nachhakend, er schließt die Augen, er ist ein bisschen müde und genießt es mit seinen beiden Kumpels zusammen zu sein. Endlich wieder normale Gespräche. „Alles o.k. Matt? Hast du Schmerzen?“ fragt Marc besorgt als er sieht, wie Matt die Augen schließt. „Nein nein, ich bin nur ein bisschen müde, bitte erzählt endlich eure Story!“ „Also, Marek und ich hatten ehrlich gesagt ein bisschen Schiss vorm Klo. Aber nach, ich weiß nicht wieviel Bieren, war es dann doch fällig. Also Marek und ich gingen nach unten zu den Klos. Naja, ich dachte ich warte erst mal, wie es so Marek geht und bin draußen geblieben als er rein ging..“ „Ja du alte Sau hast mich da alleine reingehen lassen und ich Bekloppter habe es nicht mitbekommen!“ unterbricht da die Stimme vom Rücksitz. „… Also Marek ging dann zum Pinkelbecken und wunderte sich das da jemand mit Rock und langen Haaren neben ihm stand, vollkommen desorientiert verließ Marek daraufhin das Herrenklo und stand betroffen wieder bei mir und erzählte mir dass dort die Frauenklos sind, und das die Lesben im Stehen pinkeln,“ „Das stimmt gar nicht, so war das nicht!“ empört sich wieder die Stimme vom Rücksitz. „Doch so wars, ich kam gar nicht dazu etwas zu erwidern …“ „Ach komm gibs zu, du hast dich köstlich amüsiert und mich ins Unglück laufen lassen!“ unterbricht ihn Marek wieder und setzt sich auf. „War schon lustig, als Marek dann im Frauenklo verschwand und kurz darauf von einer empörten Frauengruppe hochkant wieder raus befördert wurde, weil er das Waschbecken als Stehklo nutzen wollte…“ Marc hat alles wieder gut vor Augen und muss herzlich lachen, Matt stimmt ein und hält sich dabei Schmerz verzerrt den Oberkörper, „scheiße man, lachen tut verdammt weh …“ „Ach verdammt sollt ihr sein! Das schlimmste kommt ja noch. Ich bin dann raus gegangen zum pinkeln und was passiert als ich ins Unterholz strullere? So ein scheiß Köter fällt mich an, vor Schreck habe ich dem erst mal aufs Fell gekotzt. Der ist dann wimmernd abgedüst,“ erzählt Marek und kommt langsam in Fahrt. „Vergiss aber nicht zu sagen, dass er vorher noch deine Hose traktiert hat,“ sagt Marc und sein Lachen wird noch lauter. „Dann vergiss aber auch nicht zu erwähnen, wie der eine Typ dir den ganzen Abend hinterhergelaufen ist und dir dann an der Theke zwischen die Beine gegriffen hat und der gesamte Laden gekreischt hat vor Vergnügen, nur du bist fast in Ohnmacht gefallen,“ stimmt Marek jetzt lachend ein. „Das schlimme war daran, dass ich glaube ich so besoffen war, dass ich das auch noch geil fand,“ antwortet Marc und schüttelt den Kopf. „Danach waren die beiden ein Herz und eine Seele,“ nickt Marek. „Also doch eine coming out Geschichte,“ fragt Matt gespannt auf Marc schauend, der jetzt rot wird. „Naja, ich wollte mal wissen, was an der gleichgeschlechtlichen Sache so dran ist, dass Maike da immer wieder drauf reinfällt,“ antwortet der ernst und fährt die Ausfahrt Richtung Montalivet ab. „Was ist dann passiert?“ fragt Matt weiter und betrachtet nebenbei die etwas lieblos weihnachtlich geschmückte Straße. Auch das hat so etwas heimeliges, denkt er. Als der Weihnachtsbaum im Krankenhaus aufgestellt wurde und es immer leerer wurde die letzten Tage, hatte er ein furchtbares trauriges Gefühl von Alleinsein. Das war jetzt erst einmal vorbei. „Reicht das nicht an Schilderung? Alles andere war eher peinlich,“ antwortet Marc
    und konzentriert sich darauf, mal wieder einen der vielen Kreisel zu umzirkeln. „Noch peinlicher?“ lacht Matt. Marc schaut ihn wütend an, „du hast gut lachen, ich kam mir vor wie eine keusche Nonne. Er machte sich wohl Hoffnungen als ich mich nicht wehrte, tja und dann forderte er mich auf, mit ihm zum Klo zu gehen. Sprach ja eigentlich auch nichts gegen, ich musste ja schon die ganze Zeit. Wir sind dann zusammen runter gegangen, ich habe mir die erste Klozelle gegriffen und ganz schnell hinter mir abgeschlossen.“ „Das wars?“ fragt Matt enttäuscht. „Ja, das wars, als ich raus kam, war der Typ weg, oben an der Theke hat er mich dann verständlicherweise geschnitten. Wir sollten noch kurz bei Leclerc einkaufen, Zuzette braucht noch eine Zutat für die Ente in Orangensauce.“ „Ente in Orangensauce? Lecker!“ Matt läuft das Wasser im Munde zusammen, sein Lieblingsessen.
    Endlich wieder mit Zuzette zusammen sein! Er freut sich auf sein bequemes Bett, den Garten, das Haus, den Ozean!

    23. Dezember 2005 um 0:08 Uhr #58448
    trevira2000
    Gast

    In der Pampa

    Weihnachten naht und wir schauen mal wieder in die polnische Pampa, wird Malte tatsächlich auch Weihnachten verschollen bleiben? Es sieht fast so aus.

    Malte hatte vielleicht eine halbe Stunde im Ohrensessel seines polnischen Gastgebers geschlafen, als er unsanft von Tomasz geweckt wird.
    „Ente in Orangensauce….,“ murmelt Malte noch im Halbschlaf „Aufwachen Malte, los komm schon! Sonst bekommt du die Tracht Prügel ohne zu wissen warum,“ sagt Tomasz laut und schüttelt Malte. Malte öffnet erschreckt die Augen, so verärgert hat er Tomasz noch nie erlebt. „Was ist denn?“ fragt er, in ein sehr grimmiges Gesicht blickend. Tomasz hat ebenso wie Malte die letzte Tage kaum geschlafen und wenn, dann nie in einem Bett, dementsprechend angespannt ist er jetzt. „Das will ich dich gerade fragen. Was ist das da draußen in dem Transporter?“ „Was meinst du?“ Malte versucht es erst einmal auf die „Blondinen-tour“. „Weißt du was das hier ist?“ Tomasz zeigt ihm seine Faust. „Naja das ist eine angespannte Hand, die hoffentlich nicht gleich ausfährt um meine gerade verheilten Wunden wieder zu öffnen,“ nur die Ruhe bewahren, denkt Malte nervös. Tomasz schaut ihn sehr ernst an, „gib mir jetzt gleich eine plausible Erklärung für dieses verdammte Gemälde da im Transporterraum!“
    Inzwischen hat sich eine kleine Traube um die beiden gebildet. Agnieszka, ihr Alter Vater, sich auf seinen Stock stützend, und ein großer schlanker Mann schauen entsetzt und neugierig auf die Szene. Der große Mann, wahrscheinlich der Bruder von Agnieszka, nimmt Malte an, spricht jetzt auf Tomasz ein, versucht ihn zu beruhigen oder aufzustacheln. Malte kann nur Ersteres hoffen, verstehen tut er nichts. Dann erwidert Tomasz etwas auf polnisch und steigert sich wieder in die wütende Grundstimmung hinein, die Worte werden immer lauter, jetzt zeigt er Malte einen Vogel dreht sich wütend um und setzt sich auf das Sofa, schüttelt wieder den Kopf und redet immer weiter. „Tomasz ich hab gedacht ich nehme das Gemälde mal mit, du verstehst doch auch was von Kunst, das ist ein Meisterwerk der Renaissance!“ „Na und? Das Gemälde hatte aber bereits einen Besitzer, weißt du, wie man so etwas nennt?“ brüllt Tomasz jetzt wütend, steht wieder aus dem Sofa auf und wandert hin und her. Der alte Mann setzt sich auf das freiwerdende Sofa und beobachtet die Szenerie, sich auf seinem Stock abstützend.
    Der Bruder von Agnieszka fragt Tomasz etwas, der antwortet wild gestikulierend und setzt sich dann verzweifelt auf einen Stuhl.
    „Oh man, ich dachte du freust dich, das hing doch da vollkommen desolat, voll geräuchert und unbeachtet in einer russischen Absteige!“ meint Malte dann zaghaft.
    „Das ist doch egal, du kannst doch nicht jedem etwas wegnehmen, wenn der die Sachen nicht so behandelt, wie du es gerne hättest.“ „Aber die haben das auch geklaut!“ „Aha, immerhin gibst du jetzt zu, dass du es gestohlen hast,“ meint Tomasz grimmig und starrt wütend in das Kaminfeuer, in dem gerade ein Holzscheit in einer großen Flamme das Zeitliche segnet.
    „Ja, das stimmt. Das Bild ist sehr wertvoll. Es handelt sich um ein Gemälde eines bekannten holländischen Malers, der Pinselduktus spricht absolut dafür,“ lamentiert er fachmännisch auf Englisch und Tomasz versteht nur noch die Hälfte. „Jetzt hör auf, mich voll zu texten. Das kann ja sein Malte, dass du edle Hintergründe hast, aber verdammt, dieses Gemälde gehört russischen Kriminellen, die keinen Spaß verstehen!“ verzweifelt schaut Tomasz Malte an, „ich brauche dich gar nicht zu verprügeln Malte, dass werden die tun, mit dir, mit mir und …. verdammt,“ Tomasz springt entsetzt auf, „sie werden Mateusz etwas antun!“ Jetzt ist Tomasz nicht mehr zu halten, er geht zu Malte, der auch aufgesprungen ist. Ihn am Hals würgend sagt Tomasz dann flüsternd aber mit scharfer drohender Stimme, „wenn Mateusz was passiert, mache ich dich einen Kopf kürzer!“
    Der Bruder schaltet sich gott sei dank wieder ein und zieht Tomasz von Malte weg, sagt etwas, versucht augenscheinlich beruhigend zu wirken. Malte schnappt nach Luft, auch er ist verzweifelt, was hat er nur wieder für eine Scheiße angerichtet! „Ich bringe das Bild zurück okay, vielleicht haben sie es noch gar nicht gemerkt?“ sagt er. Ja das ist der einzige Weg, denkt er. Tomasz schaut Malte nachdenklich an, „du bist wirklich naiv, jetzt gibt es kein zurück mehr, die machen uns fertig, wenn sie uns erwischen!“ Er dreht sich um und geht aus dem Raum, Malte entsetzt zurücklassend. Der spürt einen dicken Kloß im Hals, jetzt bloß nicht weinen, was kann er nur tun? Traurig schaut er zu Agnieszka die sich peinlich berührt abwendet. Der alte Vater schaut ihn die ganze Zeit neugierig an, lächelt und nickt ihm zu. Da ist nichts zu holen, keine Hilfe und kein Trost. Der Bruder klopft auf Maltes Schulter mit dem Kopf schüttelnd setzt er sich nachdenklich auf den Sessel. Malte steht unschlüssig da und entscheidet sich, raus zu gehen.
    Irgendetwas muss er doch tun können, geht es ihm durch den Kopf als er draußen durch den Schnee stapft, die kalte Luft gierig einatmend. Der Hund folgt ihm neugierig, vollkommen unberührt von dem Drama, dass sich gerade abgespielt.

    *

    Das sieht nicht gut aus.
    Wie es weitergeht, erfahrt ihr dann im neuen Jahr. Ich bin jetzt erst einmal ein paar Tage offline, werde aber die Geschichte schon mal weiterspinnen. Ich hoffe, ihr haltet mir bis dahin die Stange.
    Lieben Gruß
    und bleibt schön munter!
    Trevira 2000

    4. Januar 2006 um 0:21 Uhr #58711
    trevira2000
    Gast

    Wünsche euch ein schönes neues Jahr!
    Wie angekündigt geht es weiter.
    lieben Gruß
    Trevira 2000

    Warschau und Montalivet

    Als Maike die Fabrik betritt, in der gerade das Schicksal von Furby, Mateusz und Handke entschieden wird, ist sie sehr angespannt. Sie hasst dunkle Treppenhäuser. Und wo sind sie hier nur zu finden, fragt sie sich aufgeregt. An sein Handy geht Handke auch nicht mehr. Verzweifelt wählt sie die Nummer von Marcs Handy in Frankreich, während sie die riesige Werkhalle betritt, die vor kurzem noch von Furby, Struppi und Handke durchquert wurde. „Maike?“ „Hallo Marc, ich bin in Warschau …,“ beginnt sie. „In Warschau? Ich denke du bist in Hamburg? Warte, wir sitzen hier alle gerade zusammen, ich geh kurz in den Flur, ich verstehe dich kaum…“ „Ich trau mich auch nicht laut zu sprechen, das gibt ein riesiges Echo, mein Gott ….!“ Marc hört sie entsetzt rufen, „Was ist? Wo bist du?“ „Da war eben ein Schuss! Marc hier wird geschossen.“ „Scheiße, Maike, bleib ganz ruhig und sag mir jetzt verdammt wo du bist?“ schreit Marc ins Handy. Marek und Zuzette stürzen daraufhin auch in den Flur und wollen erfahren was passiert ist. Chou Chou springt fauchend zur Seite, als einer ihr in dem Gewirr auf den Schwanz tritt.
    Dann hört Marc wieder die verzweifelte Stimme seiner Frau, „Marc, da war ein Schuss, was soll ich nur machen? Bin ich Lara Croft? Ich stehe hier in einer riesigen Werkhalle, es dämmert und ich habe die Befürchtung, dass ich gleich gar nichts mehr sehe!“ flüstert sie entsetzt und schaut sich ängstlich um, jederzeit jemanden mit Waffe hinter einer der monströsen Maschinen erwartend. Warum schreibt sie auch nicht Abenteuerromane? Dann wären ihr solche Situationen nicht ganz so unbekannt, denkt sie fluchend. „Was machst du da verdammt!“ ruft Marc besorgt ins Handy. „Handke und Furby sind hier irgendwo, weil Malte hier irgendwo ist,“ antwortet Maike und schleicht dabei in Richtung der Flügeltür, durch die vorhin auch die Drei den Unbekannten verfolgt haben.
    „Jetzt bleib mal ganz ruhig…“ „…tolle Idee,“ unterbricht sie ihn hysterisch lachend während sie die Tür öffnet und in den langen jetzt schon fast dunklen Gang sieht. „Gib mir die Adresse bitte!“ sagt Marc, das schlimmste befürchtend, „du gehst keinen Schritt weiter, bleib wo du bist und versteck dich dort irgendwo!“ befiehlt er ihr dann. Aber er bekommt keine Antwort mehr, der Akku von Maikes Handy hat gerade seinen Geist aufgegeben. Entsetzt starrt Marc auf sein Handy und dann zu Marek und Zuzette.
    Maike rennt hastig weiter, sich langsam an die brenzlige Situation gewöhnend. Ja, ganz ruhig bleiben, das war bestimmt nur irgendein banaler Schuss aus einer kleinen Schreckschusspistole oder irgendein Silvesterknaller. Sie hört ein entferntes Bellen.
    Langsam verabschiedet sich die Sonne mit für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Farben im Westen Warschaus und für einen Moment erstrahlt der Boden durch ein Fenster am Flurende glutrot. Kein gutes Omen, denkt sie noch in einem Nebengedanken, während sie unsicher durch die abgehenden Flure schaut und auf die vielen Türen. Plötzlich gehen in einem der dunklen Flure Deckenfluter an und das gleißende Licht der Neonröhren lässt einen Schatten erkennen, der in schneller Geschwindigkeit auf sie zuläuft. Panisch dreht sie sich um und läuft zurück. Furby oder Handke ist das nicht, der da mit immer näher kommenden Schritten hinter ihr herläuft denkt sie. Jetzt macht sich die schlechte Kondition bemerkbar und sie verflucht sich, dass sie das Fitnessstudio von Marc nicht für eigene Zwecke genutzt hat. Sie ist gerade durch die Flügeltür durch, in der Halle angelangt, da hat der Schatten sie auch schon fast erreicht. Mit aller Kraft versucht sie die Flügeltür zuzuhalten und eine Stimmt ruft auf der anderen Seite etwas auf Polnisch.
    „Bitte lassen sie mich durch, ich tue ihnen nichts!“ hört sie ihn dann auf Englisch schreien, aber ihre Kräfte reichen eh nicht mehr aus und sie lässt los. Mit voller Wucht fällt ihr Mateusz entgegen und beide stürzen auf den nackten Betonboden.

    4. Januar 2006 um 23:48 Uhr #58750
    trevira2000
    Gast

    In der Pampa

    Schauen wir wieder ins Irgendwo, in die polnische Pampa, nur 20 Kilometer von der Ostsee entfernt, wo gerade ein starker Ostwind Wellen zubereitet. Davon bekommt der arme Malte aber gar nichts mit, er hat ganz andere Probleme. Neben dem schweigsamen Tomasz im Transporter sitzend, fahren sie nun endlich, nachdem sie die Ware abgeliefert haben, Richtung Warschau. Hinter ihnen das wertvollen Gemälde und noch weitere wertvolle Fracht: Agnieszka und ihr Bruder Christoph.
    Christoph hat sich bereit erklärt, Tomasz Beistand zu leisten, im Kampf gegen die russischen Kleinkriminellen, die in Warschau schon ungeduldig auf sie warten. Agnieszkas offizielle Version für ihren Beweggrund, diese riskante Reise auf sich zu nehmen: sie reist nie ohne ihren Bruder; die Inoffizielle: sie reist nie mehr ohne Malte. Wie man sich denken kann ist Christoph nicht sehr angetan davon, seine Schwester bei diesem riskanten Teil der Geschichte dabei zu haben, aber er konnte sie einfach nicht abschütteln. Sie hat ein sehr starkes Durchsetzungsvermögen, auch wenn sie nach Außen wie ein zartes Lämmchen aussieht, denkt er und schüttelt zweifelnd den Kopf. Christoph allerdings hat schon einige Dinger gedreht mit Tomasz und sieht der Aufgabe gelassen entgegen, ja, er freut sich direkt ein bisschen, der alltäglichen Tristesse zu entkommen und Warschau mal wieder guten Tag zu sagen. In seiner linken Hand, fühlt er das kalte Metall des Revolvers, den er schnell noch eingesteckt hat, nur für den Fall der Fälle. Das er den noch mal irgendwann nach der Militärzeit aus der Kommode holen würde hätte er auch nicht für möglich gehalten, denkt er und schüttet bedenklich den Kopf.
    Christoph kennt die Russen und ihre Mentalität ganz gut, lange hat er in ihrer Armee freiwillig gedient. Er spricht ihre Sprache und weiß was man ihnen anbieten muss.

    Malte fühlt sich nicht wohl in seiner Haut, er sieht mit Bangen Warschau entgegen. Vor allem wenn er nach hinten schaut und Christophs linke Hand betrachtet, die bedenklich nah die Finger am Abzug hält. Hinter sich fühlt er die Atemzüge Agnieszkas. Sie ist ganz still aber atmet aufgeregt. Er möchte ihr gerne die Hand halten, sie trösten, traut sich aber nicht. Er hatte sie enttäuscht. Sie wird ihn nie mehr mögen können, denkt er traurig.
    Im Gesicht von Tomasz sieht er nichts außer grimmiger Gelassenheit. Die Stunden ohne Schlaf sind wie weggewischt. Mit großer Geschwindigkeit rast der Transporter über die verschneiten Pisten mit zum Teil spiegelglatten Flächen. Vielleicht ist ja auch bald alles vorbei, der Transporter rutscht aus, dreht sich, Tomasz verliert die Kontrolle über den Wagen, sie rutschen über das Eis, auf die Gegenfahrbahn, von dort kommt ein russischer Lastwagen, der nicht mehr ausweichen kann, entsetzt schaut Malte in das Gesicht des Lastwagenfahrers, das zu einer schreienden Maske erstarrt ist, als sie mit voller Wucht frontal auffahren, zertrümmert werden und alles zuende ist. Der Transporter wird noch eine Weile mitgeschleift bis der LKW endlich stehen bleibt. Danach absolute Stille. Nichts ist zu hören, nur das Zischen des auslaufenden Benzinkanisters dessen Flüssigkeit auf dem weißen Schnee tropft.
    Auf dem kleinen Friedhof in Montalivet möchte Malte liegen, neben Matt und seinem alten Struppi … „Malte! Wach auf! Schau mal auf die Karte, ich brauche die schnellste Verbindung zur Autobahn. Die Straßen werden immer dichter, hier komme ich bald nicht mehr vorwärts,“ weckt ihn Tomasz aus seinen Gedanken auf. Noch etwas verwirrt sucht er die Karte ab. Es dauert eine Weile, bis er sich zurecht findet. Da schaut Agnieszka plötzlich über seine Schulter und zeigt mit ihrem Zeigefinger auf eine bestimmte Stelle auf der Karte. Malte kann ihren Duft neben sich spüren, sie riecht so gut, denkt er und nur zu gern würde er sich jetzt weiter ihrem Nacken widmen. Schnell wendet er sich wieder der Karte zu, ihrem Finger folgend, mit dem sie jetzt den Weg andeutet, den sie gefahren sind. Er lächelt sie dankbar an und sie erwidert zaghaft seinen Blick. Dann hat sie vielleicht doch nichts gegen ihn? Hoffnung steigt in Malte hoch. „Und? Was gefunden ihr Turteltäubchen?“ unterbricht Tomasz den Bann. „Ja, es ist ein Umweg, aber dafür hoffentlich schneller,“ antwortet Malte schnell, jetzt bloß nicht mehr falsch machen. Er beschreibt Tomasz den Weg.
    Draußen ist es inzwischen mal wieder dunkel geworden, schon wieder geht ein Tag zuende und nur noch wenige Stunden bis Weihnacht. Wehmütig schaut Malte auf einige beleuchtete Weihnachtsbäume am Straßenrand.

    7. Januar 2006 um 0:40 Uhr #58801
    trevira2000
    Gast

    Montalivet

    „Irgendwie bekomme ich nichts runter, sorry,“ sagt Marc und legt die Serviette zur Seite. Er schaut entschuldigend über die lange Tafel zu seinem Freund Matt hinüber. Der bekommt auch nicht wirklich etwas hinunter. Zuzette nickt seufzend, „bevor wir alle das gute Essen nur anknabbern schlage ich vor, wir packen es zusammen und ich hebe es für später auf.“ Madeleine, die neben Marek sitzt und unruhig seine Hand hält, ist vollkommen in Gedanken versunken und starrt auf die „Soupe de poisson“ in ihrem Teller, als würde sie darin in die Zukunft schauen können. Marek drückt ermutigend ihre Hand, „wir haben die Polizei verständigt, so viele leer stehende Fabriken gibt es nicht in Warschau, alles wird bestimmt gut enden.“ Chou chou streicht um die Beine von Zuzette, auch sie scheint die bedrückende Stimmung im Haus zu spüren. Matt sitzt abwesend am Tisch und seine Hände wandern unruhig immer den gleichen Weg über die Gabel, dann um das Messer herum und zum Schluss um den kleinen Löffel, schon bereitgelegt für die Creme Brulee. Marc beobachtet ihn eine Weile, „Matt du siehst sehr müde aus, leg dich ein bisschen hin. Warten kannst du auch auf dem Sofa,“ sagt er dann, besorgt um seinen Freund. Matt schaut ihn einen Moment an, als würde er ihn gar nicht erkennen, „was? Achso, ja du hast recht, ich könnte schon wieder schlafen.“ Müde steht er auf und legt sich auf das Sofa vorm Kamin, in dem ein prächtiges Feuer brennt. Marc bringt ihm eine Decke, setzt sich auf einen Sessel und schaut auf die züngelnden Flammen. Die haben so etwas Beruhigendes. Zuzette und Madeleine räumen ab. Chou Chou gefällt die Unruhe gar nicht, sie gesellt sich lieber zu Matt und legt sich auf seine Beine. Marek sitzt immer noch unschlüssig am Tisch und dreht das leere Weingleis hin und her, „ich muss gerade daran denken, wie ich mit Maike zusammen im Bus nach Frankreich gefahren bin, das war eine verrückte Fahrt,“ sagt er dann in die Stille hinein. „Davon hast du mir nie erzählt,“ meint Marc und schaut währenddessen weiterhin konzentriert ins

    Feuer. „Möchtet ihr auch einen heißen Punsch?“ unterbricht Zuzette das Gespräch. „Eine gute Idee!“ murmelt Matt, schon im Halbschlaf. Zuzette schaut ihn zärtlich an und gibt ihm einen Kuss auf die Stirn, „schön dass du wieder bei mir bist,“ flüstert sie und schaut ihn liebevoll in die müden Augen, die zärtlich zurück schauen. „Ich bin auch sehr froh Zuzette, setz dich zu mir meine Kleine,“ sagt er und streichelt ihr über die Wange. Sie nickt, „ich hole den Punsch und dann setze ich mich zu dir!“
    „Naja, damals ward ihr ja auch im Klinsch und ich wollte da nicht noch Öl aufs Feuer gießen,“ antwortet Marek dann etwas zeitversetzt auf Marcs Kommentar. „Wieso, hast du mir da noch was zu beichten?“ erkundigt sich Marc nun etwas interessierter an der Geschichte. „Nein, nicht wirklich, aber immerhin habe ich einiges mit ihr durchgestanden, wir haben das Hotelbett in einer Absteige irgendwo in Frankreich geteilt und wir haben uns bei einem Überfall am Bahnhof von Bordeaux bewährt.“ „Überfall?“ fragt Marc immer erstaunter. „Ja, ich erinnere mich,“ nickt Madeleine, „du sahst ganz schlimm aus, total verprügelt und wir haben uns um dich gekümmert.“ „Das hört sich ja nach einem schlimmen Groschenroman an!“ meint Marc und lacht, einen Moment die derzeitige angespannte Situation vergessend.
    „Ach, Groschenroman? Dann finde ich unsere Story auf dem Meer aber noch abgeschmackter, als wir uns furchtbar gestritten hatten und du abgezischt bist, bei schwerer See in riesige 5 Meter Wellen gesurft, ich hinter dir her, damit du mich dann rausziehen kannst, weil ich mir das Kniegelenk ausgekugelt hatte,“ erwidert Matt und er sieht die Situation wieder vor sich. „Wollt ihr damit sagen, euer Leben ist ein einziger Groschenroman?“ fragt Madeleine lachend. „Naja, manchmal kommt es mir schon so vor,“ antwortet Marek nachdenklich und trinkt schlürfend den heißen Punsch, den Zuzette gerade gebracht hat. „Obwohl ich schon sagen muss, dass Malte dafür sorgt, dass die ganze Geschichte immer mehr zum Krimi ausartet,“ meint Zuzette dann und setzt sich neben Matt auf den Teppich. „Ist dir nicht zu kalt da unten?“ fragt Matt sie besorgt.“ „Nein, alles in bester Ordnung,“ antwortet Zuzette, sich entspannt an das Sofa anlehnend. „Naja, der schlimmste Krimi war bisher ja die story in Bleckede,“ sagt dann Marc, sich nur ungern an die Situation in der Scheune erinnernd und an den armen Furby, der blutend auf seinem Schoß lag. „Hoffentlich bleibt es auch dabei!“ meint dann Marek, sie wieder ins Jetzt zurückholend. Einen Moment ist es still, dann klingelt das Telefon. Aufgeregt springt Marc auf und rennt zum Hörer, „ja?“ „Hallo! Dad? Bist du es?“ Maltes Stimme hört sich leise und gehetzt an. „Malte? Ja, ich bin es, dein Dad.“ „Ich hab nur kurz Zeit, wir sind an einer Raststätte. Dad, ich habe Angst, hier läuft alles aus dem Ruder!“ „Wo bist du, dann kann ich dir helfen!“ ruft Marc aufgeregt ins Telefon. „Ich habe Mist gebaut, mir kann keiner mehr helfen! Bitte verzeih mir und grüße Matt von mir! Wie geht’s ihm?“ fragt Malte verzweifelt. „Matt geht’s viel besser! Warte ich gebe ihn dir,“ schnell reicht Marc Matt den Hörer. „Malte, hier ist Matt dein alter Kumpel. Ich bin auf dem Weg der Besserung! Wir machen uns Sorgen um dich Kleiner!“ sagt er und wartet auf Antwort. „Malte?“ fragt Matt unsicher, als er nichts hört. „Ja, ich bin noch da,“ schluchzt Malte und kann die Tränen nicht mehr halten, „ich muss auflegen, ich komme so schnell ich kann, mach dir keine Sorgen, ich schaffe das schon!“ „Malte, nicht auflegen, sag uns wo …,“ versucht Matt es noch mal, aber das Tuten des Telefons spricht eine eindeutige Sprache. Erschüttert schaut Matt auf das Telefon. Marc lässt sich verzweifelt wieder in den Sessel sinken und ihm kommen Tränen. Alle schauen betreten nach unten. Wie soll es nur weitergehen?

    9. Januar 2006 um 1:32 Uhr #58844
    trevira2000
    Gast

    Warschau 23.12. um 24 Uhr

    „Ich spüre meine Füße nicht mehr,“ flüstert Furby und versucht Handke im dunklen Raum auszumachen. „Sie müssen die Zehen hin und her bewegen, nicht aufhören,“ kommt es leise von Handke aus der anderen Ecke des Raumes zurück. Alle Drei sind in einer misslichen Situation. Struppi sitzt immer noch in der Mülltonne gefangen. Furby haben die Geiselnehmer an einen Stuhl gefesselt und Handke am Bettgestell.
    „Es ist arschkalt, wenn wir nicht erschossen werden, erfrieren wir hier!“ jammert Furby und versucht seine Zehen zu reanimieren. Die Hände fühlen sich auch schon ganz abgestorben an. „Warum kann Malte mich nicht mal anrufen, wenn er mit mir surfen oder mit mir durch die Kneipen ziehen will, nein, ich werde immer nur gerufen, wenn die Kacke am Dampfen ist,“ schimpft er in den dunklen Raum. „Sie hören sich an wie meine Mutter,“ murrt Handke im Hintergrund. „Warum duzen wir uns eigentlich nicht? Ich finde siezen in so einer Situation absolut unpassend. Struppi, komm her! Komm Struppi, spring!“ animiert Furby dann zum wiederholten Mal den kleinen Terrier, der daraufhin immer wieder wie wild versucht, aus der Tonne heraus zu kommen. „Meinetwegen duzen wir uns halt. Und wie darf ich dich jetzt nennen?“ fragt Handke in sich hinein grinsend. „Ach hören Sie doch auf, sie machen sich lustig, ich kann mir auch gar nicht vorstellen dich anders zu nennen als Handke. Haben sie überhaupt einen Vornamen, ich meine hast du überhaupt einen Vornamen?“
    Währenddessen windet sich Furby verzweifelt in seinem Stuhl, aber das Gafferband hat ihn und den Stuhl eins werden lassen, keine Chance. Froh ist er, dass sie ihn wenigstens nicht geknebelt haben. „Kannst mich weiter Handke nennen. Was macht deine Schulter?“ fragt Handke, besorgt über den Zustand von Furby. „Schultern? Habe ich Schultern? Keine Ahnung, ich fühle verdammt immer weniger.“ „Ich habe mich hier gleich befreit, versuch dich irgendwie in Bewegung zu halten!“ spricht Handke beruhigend auf ihn ein, während er sich mit seinem Ring langsam durch das Gafferband durcharbeitet. Er wusste doch, dass dieser Ehering noch für irgendetwas gut ist, denkt er grimmig in sich hinein.
    „Prima und draußen stehen die Beiden und verarbeiten uns zu Krakauer Würstchen,“ antwortet Furby entsetzt. „Hilfe müsste bald eintreffen!“
    „Wieso bist du dir da so sicher? Außerdem sind wir Geiseln, dann erschießen die uns!“ „Eben, und deswegen müssen wir ein bisschen beweglich bleiben,“ antwortet Handke und reibt sich die befreiten Hand- und Fußgelenke. Vorsichtig wankt er leise durch den dunklen Raum Richtung Fenster, er kann Furbys Silhouette erkennen. Alles ist noch etwas gefühllos und steif.
    „Handke, da kommt was auf mich zu! Scheiße man, einer von denen muss die ganze Zeit hier drin gewesen sein!“ flüstert Furby und starrt entsetzt auf die näher kommende schwarze Gestalt. „Jetzt sei nicht so hysterisch, ich bin’s man,“ antwortet Handke. Schwungvoll entfernt er das Gafferband um Furbys Arme, Handgelenke, Füße und Bauch. „Lass dir Zeit mit dem Aufstehen. Die Durchblutung muss erst wieder in Gang kommen,“ rät er Furby fachmännisch.
    Ängstlich bewegt Furby seine Arme nach vorne, der stechende Schmerz in der Schulter ist noch da, wie beruhigend, noch nicht abgestorben. Handke reibt Furbys Füße und Beine und so langsam fängt alles an zu kribbeln. Jetzt noch die Hände. Vorsichtig lässt Furby die Finger rauf und runter kreisen, immer zwischendurch auf die Tür schauend, wer weiß vielleicht kommen die Beiden Ekelpakete ja gleich plötzlich rein.

    14. Januar 2006 um 21:58 Uhr #59066
    trevira2000
    Gast

    Warschau 24.12. um 0:15

    Der Alte brachte einen guten Eintopf zustande und zum Abschluss holt er auch noch eine gefüllte Phiole mit dunklem Wein aus einem Regal zum Vorschein.
    Maike trinkt begierig die rote warme Flüssigkeit, die jetzt die Speiseröhre hinunter rinnt und im Magen ein leichtes, aber nicht unangenehmes Brennen verursacht. Am liebsten würde sie sich betrinken. Der Alte nickt ihr freundlich zu und schüttet noch einmal das Glas voll. Dankbar nimmt sie wieder einen tiefen Schluck. Jetzt breitet sich die Wärme langsam über ihren ganzen Körper aus. Sie schaut zu Mateusz, der neben ihr sitzt und seinen Kopf in beiden Händen hält. Die Betäubungsspritze und die Schmerzmittel haben zwar die furchtbaren Kopfschmerzen genommen, aber dafür ein starkes nebliges Wattegefühl hinterlassen. Er ist kaum in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen.
    Nachdem sie eine ewige Zeit durch Warschau gefahren waren, einige Zeit in einem kleinen Hospital verbracht hatten, um Mateuszs Kopfwunden zu versorgen, sind sie nun seit kurzer Zeit bei seinem Vater. „Lebt dein Vater hier alleine?“ fragt sie ihn in Englisch. Mateusz schaut sie eine Weile verständnislos an, seinen Übersetzungsapparat anschaltend, kommt dann nach einer Weile die holprige Antwort, „ja alleine. Mutter ist schon lange tot.“ Er lehnt sich müde in dem Sofa zurück. Jetzt hat er auch noch diese Mutter von Malte am Hacken, als wäre nicht alles kompliziert genug.
    Maike lässt ihre Blicke über die Einrichtung des Zimmers wandern. Es ist karg eingerichtet und die braune Sesselgarnitur durchgesessen. Im Fernsehen läuft irgendeine Quizsendung. Während sich Mateuszs Vater wieder interessiert seiner Sendung widmet, und sich nicht weiter für seinen Sohn zu interessieren scheint, nippt Maike noch mal an dem Wein und überlegt wie es weitergehen soll. Eines ist klar, sie müssen jetzt die Initiative ergreifen. Die Geiselnehmer gaben Mateusz zwei Stunden, um das Bild wieder zu beschaffen. Die Polizei können sie nicht rufen, wenn das nicht schon Marc getan hatte. Oh je! Da fällt ihr ein, dass sie dringend Marc anrufen muss, die werden sich furchtbare Sorgen machen. In der ganzen Aufregung hat sie das vollkommen vergessen. Voller Gewissenbisse ruft sie die Nummer in Montalivet an.

    Gegen 0:30 fährt der Transporter von Tomasz mit der kostbaren Fracht in die Hauptstadt. Immer wieder hat Malte versucht, Mateusz mit dem Handy von Christoph telefonisch zu erreichen. „Das Handy ist nicht eingeschaltet,“ flucht Malte, „nur die blöde Stimme vom Band rattert wieder ihr Programm ab.“
    „Scheiße,“ antwortet Tomasz nervös und drückt noch mal kräftig aufs Gaspedal. Endlich sind die Straßen mal geräumt von Schnee und Eis und er kann voll aufdrehen. Der Motor röhrt und mit quietschenden Reifen fahren sie um die Kurven. Agnieszka hält sich krampfhaft an Maltes Schultern fest.

    0:35, die beiden Geiselnehmer sitzen in ihrem schon etwas abgehalfterten, Mercedes der Superklasse aus vergangenen Tagen im Westen, essen Krakauer und trinken Nestcafe vom Kiosk. Sie haben sich vor der Fabrik postiert, etwas Abseits, so dass sie nicht gleich auszumachen sind in der Dunkelheit. Die Straßenlaternen sind schon lange nicht mehr intakt in dieser Straße, wofür auch, für die paar Bewohner einer Fabrik?
    Es fällt leicht Schnee. Eine Katze bewegt sich vorsichtig über die spiegelglatte Straße an ihrem Wagen vorbei. Ab und zu lugt der Vollmond zwischen Wolken hervor und wirft dann die Fabrik als einen großen Schatten über die Straße hin zu den beiden Wartenden. Goldzahn zündet sich gerade nach der fettigen Kost eine Zigarette an, als sein Kumpan Blaulicht im Rückspiegel wahrnimmt. Er flucht laut. Ohne das Licht anzuschalten startet er den Motor und fährt um die Ecke des Gebäudes, raus aus dem Blickfeld der drohenden Gefahr. Hatten die das dunkle Auto schon gesehen? Kaum sind sie um die Ecke, strahlt der Schotterweg vor ihnen im Scheinwerferlicht des alten Mercedes und mit rasender Geschwindigkeit flüchten die Beiden in die nahe Siedlung.

    0:40
    Ein Polizeiwagen hält vor dem Eingang der Fabrik. „Dem Wagen hinter her oder die Fabrik kontrollieren?“ fragt ein junger Polizeibeamter seinen erfahren Kollegen zögernd. Natürlich hatten sie den dunklen davonfahrenden Schatten gesehen. „Macht keinen Sinn, die sind längst über alle Berge,“ antwortet der Ältere missmutig. Er hatte gehofft die kalte Nacht friedlich im Revier verbringen zu können, immerhin war fast Weihnachten! Sie sind nur zu Zweit und er möchte heute Abend gesund bei seiner Familie zur Weihnachtsgans eintreffen. Wie konnten sie ihn nur mit diesem ambitionierten jungen Schnösel losschicken, der noch nicht mal an Weihnachten Skrupel hat und ehrgeizig nach vorne prescht? Die Fabrik kontrollieren, so ein Quatsch, wenn hier was los ist, dann braucht man dazu mehrere Mannschaftswagen. Nur weil so ein verrückter Deutscher seinen Sohn und seine Frau sucht. Wären die Mauern nicht geöffnet worden, wäre das alles nicht passiert. „Soll ich hier halten?“ unterbricht der junge Beamte seine Gedanken. „Ja, wo sonst.“ Sie parken direkt vor dem Tor, durch das heute schon ungewöhnliche viele Leute gegangen sind, die hier eigentlich nicht hin gehören.

    0:45
    „Komm her Struppi, jaaa, ist ja gut, nicht ablecken, ist ja widerlich,“ Handke wischt sich seine feuchte Hand an der Jacke ab. Struppi läuft freudig hin und her, dankbar die Mülltonne endlich verlassen zu haben, braucht es eine Weile bis er wieder den Normalzustand erreicht hat. Furby geht vorsichtig tastend hinter Handke her. „Wir postieren uns neben der Tür. Hier hast du etwas zum Zuschlagen!“ Handke übergibt ihm einen Gegenstand, den Furby gar nicht zuordnen kann, „Was ist das? Irgendwas aus Ton oder?“ „Was weiß ich. Hauptsache hart und schwer, Kunst soll das glaube ich sein, “ erwidert Handke und konzentriert sich wieder ganz darauf, die Türspalte im Auge zu behalten, durch die ein wenig Licht dringt.
    Wachsam schaut auch Furby auf die Tür, was würde sie erwarten? Die Angst war längst Gleichmut gewichen. Die Schulter brennt, aber das nimmt er kaum noch wahr. Eins weiß Furby. Die Neumanns haben einiges wieder gut zu machen, falls sie sich noch mal irgendwann begegnen sollten!

    0:50
    „Ihr habt was?“ ruft Maike entsetzt, als sie endlich Marc am Telefon hat, so dass auch Mateuszs Vater überrascht von seiner Sendung aufschaut, als würde er plötzlich aufwachen. Mateusz hebt ebenfalls seinen müden Kopf in ihre Richtung. „Was ist?“ fragt er mühsam auf Englisch. Ihr Handy hat kaum Empfang, und sie kann nur Bruchstücke hören und Marc auch. „Entschuldige, was? —— Ja ich weiss ja, aber sie haben gedroht sie umzubringen! Was sollen wir jetzt nur tun? —— Malte? Nein, wie soll ich ihn denn erreichen? —— Zur Polizei? —- Ja, ist gut, ja, mache ich! —- Nein wirklich —- ja ich verspreche es —— Ich dich auch.“

    Sie schaltet ihr Handy aus und schaut in das blasse Gesicht Mateuszs.
    „Die Polizei ist bereits benachrichtigt, wir müssen sie genau über das Ausmaß informieren. Kannst du sie anrufen?“
    Das entsetzte Gesicht von Mateusz spricht Bände. „Die Polizei?“ langsam nimmt er ihr Handy und schaut eine Weile darauf, „das ist das Aus!“ murmelt er auf polnisch und wählt die Nummer.

    0:53
    Fast fährt Tomasz in den Polizeiwagen, der direkt vor der Fabrik hält. Er kann den Wagen auf der spiegelglatten Straße gerade noch zum Halten bringen. „Die Polizei!“ stöhnt Tomasz, das schlimmste für seinen Freund befürchtend. Ohne nachzudenken stürmt er zum Eingang, die Treppe nach oben. Die anderen drei kommen kaum hinter her.

    0:55
    Als die beiden Polizeibeamte den beleuchteten Flur entlang gehen, einer der wenigen Gänge in denen die Neonröhren noch intakt sind, die etlichen Blutstropfen vor sich, eine lange Spur auf dem Boden, direkt zu einer noch geschlossenen Tür führend, wird ihnen mulmig. „Ich glaube wir sollten Verstärkung anfordern,“ flüstert der junge Kollege aufgeregt und hat die Waffe bereits gezückt. „An Weihnachten? Depp!“ schimpft der Ältere leise und hält nun auch seine Waffe bereit.

    16. Januar 2006 um 1:47 Uhr #59092
    trevira2000
    Gast

    Warschau 24.12.

    1:00
    Angespannt starrt Handke auf die Schatten die er unten am erleuchteten Türspalt sehen kann. Alle Drei bereit ihr bestes zu geben. Furby mit einem schweren Tongegenstand, Handke mit einem Stuhl bewaffnet und Struppi mit einem gut ausgestatteten Maul, aus dem nun seine kleinen spitzen Zähne hervor luken. Furby´s Atem ist kaum noch zu spüren. Auch er sieht unten am Türspalt Schatten von Füßen. Wann würden sie nur endlich die Tür öffnen oder wollen die da ewig draußen warten?
    Angreifen oder warten? Handke ist noch unschlüssig.

    1:05
    Den beiden Polizisten vor der Tür ist auch nicht ganz wohl bei der Sache. „Rein oder was jetzt?“ fragt der jüngere ungeduldig und richtet die Pistole auf die Tür. Jetzt nur nichts falsch machen, denkt der Ältere. „Hörst du das?“ fragt er dann seinen Kollegen. „Ja da knurrt was oder?“ auch der jüngere hört jetzt das leise Knurren hinter der Tür. „Womöglich ein Hund,“ vermutet der Ältere und überlegt nun nicht lange, „erst einmal das Revier informieren, vielleicht schicken die uns ja doch Verstärkung,“ er schaltet sein Handy an und einen Moment später schon hat er einen aufgeregten Beamten an der Strippe, der irgendetwas von Geiselnahme erzählt. „Zurückziehen? Wir stehen aber schon vor der Tür,“ sagt er dann ins Handy und da passiert es auch schon, er kann sich gerade noch umdrehen, um mit blankem Entsetzen in das Gesicht eines Mannes zu schauen, das wild entschlossen auf sie zukommt.

    1:07
    Malte ist völlig erschlagen, als er durch die riesige dunkle Werkhalle läuft und mehrere Male irgendwo aneckt. Neben ihm Agnieszka, die sich voll auf ihn verlässt, und ihre feuchte Hand ängstlich in der seinen hält. Vor ihm die dunkle Silhouette von Christoph mit seiner Armeepistole. Tomasz hat sie weit abgeschlagen, voller Furcht um seinen Freund ist er schon vor ein paar Sekunden durch die Halle gejagt.

    1:10
    „Wir müssen los,“ sagt Mateusz entschlossen, trotz seines schmerzenden Kopfes und der Erschöpfung will er wissen was dort in der Fabrik vor sich geht. „Was hast du gesagt?“ fragt Maike, denn er hat auf Polnisch mit ihr geredet. Mateusz drückt ihr das Handy wieder in die Hand und steht auf. „Zurück fahren, die Polizei ist dort, auch Verstärkung ist unterwegs,“ sagt er jetzt auf Englisch, geht zu seinem Vater, der wie erstarrt in den Fernseher glotzt und drückt einen Moment seine Hand fest auf die alte Schulter seines Vaters. Maike beobachtet die Traurigkeit in den Augen Beider, als das Band zwischen ihnen wieder zerreißt. Mit dem Verband um den Kopf sieht Mateusz wie ein Held aus vergangenen Tagen aus, der nun wieder in den Krieg ziehen muss, denkt sie und muss sich zusammen reißen, ihn nicht spontan in die Arme zu nehmen. Schnell verlassen sie die Wohnung und rennen das Treppenhaus hinunter wieder in die kalte Nacht Warschaus.

    1:11
    Alles geht plötzlich ganz schnell und die Ereignisse überschlagen sich. Handke und Furby stürmen zeitgleich aus dem Raum auf den beleuchteten Flur, mit lautem Geheul, bereit ihren Gegner in die Flucht zu schlagen. Tomasz reißt entsetzt die Hände hoch, als der junge Polizist die Waffe auf ihn hält und in seiner Angst aus Versehen einen Schuss auslöst. Wie in Zeitlupe schaut der Ältere erst erstaunt auf seinen Kollegen und dann auf den riesigen Kerl mit einem Stuhl bewaffnet, der gerade aus der aufgerissenen Tür auf ihn zustürmt. Er kann gerade noch die Arme schützend vor seinen Kopf heben als auch schon der Stuhl auf ihn zukommt. Ein IKEA – Stuhl wäre jetzt vielleicht kaputt gegangen, hier handelt es sich aber um alte polnische Wertarbeit. Eiche hält einiges aus, auch so einen Polizistendickschädel aus der alten Schule. Der junge Polizist schaut wie erstarrt auf den waffenlosen Mann den er gerade getroffen hat und das kleine Loch in dessen Bein. Furby ist schon da und weiß nur eins. Diese Waffe darf kein weiteres Unheil anrichten, denkt er grimmig und schlägt mit der Tonfigur auf den Ellenbogen des jungen Polizisten. Dieser lässt daraufhin erschreckt die Waffe fallen und schaut sich überrascht um. Diesen Aggressor hatte er noch gar nicht wahrgenommen. Furby will gerade ein weiteres Mal zuschlagen, da kommt Struppi aber schon ins Spiel, mit einem Sprung ist er am oberen Hosenbein des Polizisten und beißt sich fest. Der schreit entsetzt auf und versucht sich vergeblich zu befreien. Tomasz nutzt die Gelegenheit, um die Waffe zu ergreifen, „was ist hier los verdammt! Aufhören! Ruhe!“ Es dauert bis er sich durchsetzt. Nur langsam lassen die Kampfhandlungen nach. Struppi kann von dem Hosenbein nicht lassen, obwohl die Hose eindeutig aus bestem Treviramaterial hergestellt ist und für Hunde daher nicht besonders schmackhaft. Endlich kann Struppi mal seine böse Seite ausleben. Wie lange hatte er auf so einen Moment gewartet, einen
    Menschen in Uniform das Fürchten lehren. „Struppi! Aus! Nun lass schon los,“ Furby zieht an Struppis Halsband. Wie schon aufhören? Jetzt wo er sich nicht mehr wehrt soll er ihn loslassen? Wie schade. Nur widerstrebend gibt Struppi seine Position auf und schnuppert nun den Flur und die Blutspur ab. Der junge Polizist hält jammernd sein Bein, der Ältere ist auf die Knie zusammengesackt und hält noch immer die Hände vor das Gesicht, obwohl Handke schon längst von ihm abgelassen hat. Erst jetzt wird dem bewusst, dass er es gar nicht mit einem der Geiselnehmer zu tun hat, er hätte fast einen Polizisten totgeschlagen!
    Einen Moment ist es still. Tomasz spürt eine warme Flüssigkeit die an seinem rechten Bein hinunterläuft. Der junge Polizist sieht wie Tomasz Hand mit der Pistole anfängt zu zittern und das Gesicht blasser wird. Unten am Fuß von Tomasz wird eine Blutlache sichtbar, die sich langsam vergrößert. Ohne noch weiter zu überlegen, ergreift er die Gelegenheit der Starre, springt auf Tomasz zu, entreißt ihm die Waffe und drückt ihn mit einem gekonnten Griff aus der Polizeischule auf den Boden. Die Waffe hält er Tomasz an den Kopf, „so mein Freund, das war’s,“ mit der anderen macht er die Handschellen vom Gürtel los und legt sie Tomasz gerade an, als Christoph um die Ecke stürmt.

    1:15
    „Schüsse!“ flüstert Malte entsetzt und legt einen Zahn zu, Agnieszka hinter sich herschleifend. Sie sind jetzt fast bei Mateusz Atelier angelangt, Christoph ist vor ihnen, will gerade um die Ecke biegen, als er im Laufen erstarrt und die Waffe nach oben hält. Malte und Agnieszka bleiben abrupt stehen. Sie können nur Christophs angespannte Haltung sehen, die Waffe ausgerichtet, wissen nicht was da um die Ecke lauert. „Lasst ihn los!“ ruft Christoph auf Polnisch. Malte kann es kaum ertragen, rechnet in jedem Moment mit einem Schusswechsel. „Nicht schießen!“ ruft da jemand auf Englisch. Malte erstarrt. Die Stimme kennt er doch. Nein das kann nicht sein. Furby kann nicht hier sein. „Bitte legt doch die Waffen weg!“ hört er da noch mal die Stimme, verzweifelter jetzt. „Furby?“ ruft Malte laut und sein Herz flattert wild vor Aufregung. Er hört ein Bellen und ein kleines weißes Teil flitzt plötzlich um die Ecke. „Struppi! Kleiner Struppi!“ Malte muss fast weinen vor Glück als Struppi auf ihn zurennt. Einen Moment vergisst er die brenzlige Situation, in der sie sich befinden.
    „Malte?“ Furby würde am liebste einfach alles hier stehen und liegen lassen und weg rennen, hin zu seinem alten Freund, der ihm die ganze Scheiße eingebrockt hatte. Aber noch immer stehen sie hier alle wie erstarrt und jederzeit kann ein weiterer Schuss fallen.
    „Was geht da vor bei euch?“ ruft Malte fragend. „Ich und Handke stehen hier und zwei Polizisten, der eine hält einen hereingestürmten Kerl in Schach, die wiederum von einem gefährlich aussehenden Mann bedroht werden, der ganz in deiner Nähe stehen müsste.“ Erklärt Furby die Sachlage.
    „Das ist Christoph,“ meint Malte und geht nun nach vorne, um sich die Lage selbst anzuschauen. Agnieszka bleibt ängstlich zurück. „Wo ist Mateusz? Was ist mit Tomasz?“ entsetzt sieht Malte ihn verletzt am Boden liegen und alles um sich vergessend, rennt er zu ihm hin. „Keinen Schritt weiter!“ schreit der junge Polizist nervös auf Polnisch und richtet die Waffe auf Malte. Malte bleibt abrupt stehen und blickt verzweifelt zu Tomasz und dem blutenden Bein. „Er ist ein Freund,“ sagt er dann leise und eindringlich, „er tut nichts, bitte lassen sie mich zu ihm!“ Struppi beschnuppert neugierig sein Herrchen und dann tippelt er auf
    Tomasz zu, die Nase an der Wunde entlang tastend.

    1:20
    Als die Einsatzwagen vor der Fabrik halten, leuchtet die Straße im wirren Blaulicht. In der nahe liegenden Siedlung schauen einige Spätschläfer aus den Fenstern fasziniert und neugierig auf die Illumination. „Also los Leute, lasst uns die Sache schnell zu Ende bringen, das warme Bett wartet!“ ruft der Einsatzleiter seinem Team zu. Geschlossen betreten sie mit Taschenlampen und schwer bewaffnet das Gebäude.

    17. Januar 2006 um 1:31 Uhr #59163
    trevira2000
    Gast

    Montalivet

    1:22
    Noch immer sitzen alle beisammen im Wohnzimmer. Das Feuer im Kamin ist fast runter gebrannt. Matt ist auf dem Sofa eingeschlafen. Zuzette neben ihm streichelt Gedankenversunken den dicken Kater Chou Chou. Marek bearbeitet nervös ein Stück Holz, dass er aus dem Kamin gefischt hat und Madeleine liegt in seinem Schoß, die kleinen noch züngelnden Flammen beobachtend.
    Marc hält vorm Telefon Wache, kann keinen klaren Gedanken fassen, immer wieder kreist alles um das Schicksal seiner Lieben. Er kann sich kaum vorstellen was dort genau vor sich geht, viel Vertrauen hat er nicht in die Polizei und nach den Geschichten kann er auch kaum auf Handke und Furby hoffen, die warten ja nun auch auf Rettung. Und verdammt, er kann nichts machen, nur warten.

    Warschau

    1:23
    Inzwischen ist der Himmel sternenklar und die Kälte hat zugenommen. Der kleine Wagen von Mateusz bietet nicht viel Schutz vor dem eiskalten Wind der durch alle Ritzen kriecht. Maike sitzt zusammengesunken auf dem Beifahrersitz und zittert. Sie schaut auf die leer gefegten Straßen und versucht sich zu entspannen. Mateusz fährt konzentriert über die spiegelglatten Flächen, die Augen schmerzen und er kann nicht besonders gut gucken, doch der Wagen kennt den Weg.

    1:24
    Christoph hat die Faxen dicke. Als Malte von dem jungen Polizisten bedroht wird, stürmt er nach vorne, wirft sich in Deckung hinter einen der Türrahmen und schießt aus der Deckung einen Warnschuss ab. „Tomasz, klär mich bitte auf, was hier vor sich geht, wer sind die Leute hier, die sehen nicht wie russische Kriminelle aus,“ fragt er aus seinem Versteck. Tomasz versucht sich vorsichtig auf den Rücken zu legen um sein verletztes Bein zu entlasten und bekommt von dem jungen Polizisten die Faust im Rücken zu spüren, dass ihm einen Moment die Luft wegbleibt, „Malte, wer sind die Leute? Du kennst sie doch, bitte klär uns schnell auf!“ appelliert er stöhnend auf Englisch. „Das sind meine Freunde! Bitte legt endlich die Waffen weg!“ ruft Malte verzweifelt, aber wie sollen die Polizisten ihn verstehen? „Alle die Hände hoch und auf den Boden aber dalli!“ brüllt es da plötzlich und die Gruppe schaut völlig überfordert mit der neuen Situation, auf eine Spezialeinheit, die mit Rauchbomben der Szenerie zu einem noch größeren Chaos verhelfen. Handke nutzt die Gelegenheit, um in dem vorhin verlassenen Gefängnis Zuflucht zu suchen. Furby ist vollkommen verwirrt und rennt den Gang weiter hinunter, hoffend dass einer der Türen dort am Ende des Ganges offen ist. Der ältere Polizist stellt sich tot und legt sich flach auf dem Boden. Struppi leckt ihn daraufhin freudig ab und versucht ihn wieder zu beleben. Der junge Polizist rennt eifrig hinter Furby her, jetzt kann er seinen Kollegen zeigen, was in ihm steckt. Malte lässt sich schützend über Tomasz fallen, das ist das mindeste was er jetzt tun kann, nachdem er ihm das hier alles eingebrockt hat. Christoph wirft panisch seine Waffe weg, und legt sich auf den Boden. Mit einer so bedrohlich aussehenden Spezialeinheit will er sich lieber nicht einlassen. So ist er auch der Erste der überwältigt wird. Malte und Tomasz sind die nächsten in der Reihe. Einer der maskierten und schwer Bewaffneten greift sich Malte, der keinen Widerstand leistet. Kurz darauf fühlt er auch das kalte Metall von Handschellen, die seine Arme am Rücken fesseln. Mit einem Ruck wird er nach oben gezogen, „Tomasz, was machen die mit uns?“ fragt er angstvoll. Tomasz wendet sich vorsichtig zu ihm hin, „wir sehen uns wohl alle im Revier Malte, mach dir keine Sorgen! Das sind die Guten,“ sagt er und grinst, bevor ihn nun auch jemand ohne Rücksicht hochzieht, so dass er vor Schmerz aufschreit. Inzwischen ist sein rechtes Hosenbein in Blut getränkt. Das ist dem Kerl der ihn jetzt abführt ziemlich egal. Rücksichtslos werden die beiden abgeführt. „Struppi komm hierher!“ ruft Malte, wenigstens Struppi ist noch frei.

    1:26
    Mateusz und Maike werden mit Blaulicht vor der Fabrik begrüßt und beide bleiben einen Moment im Wagen sitzen, die Lage überdenkend. „Maike, ich spreche mit den Beamten, okay? Willst du mitkommen?“ „Natürlich, hoffentlich sind alle noch am Leben!“ sagt sie voller Entsetzten, als sie auf die bewaffnete Gruppe von Männern schaut, die dort vor den Eingängen lauern und von denen einer nun auch auf ihren Wagen zukommt. „Warum kommt der mit einem Maschinengewehr auf uns zu?“ flüstert sie angstvoll. Mateusz steigt aus und nimmt sofort seine Hände hoch, Maike macht es ihm nach. Der Einsatzleiter bleibt nicht lange fern, neugierig Maike von oben bis unten betrachtend. „Sind sie Maike Neumann?“ fragt er in bestem Englisch. „Ja, ja das bin ich,“ antwortet sie erleichtert. „Dann kommen Sie mit, wer ist ihr Begleiter?“ fragt er dann und schaut zu Mateusz. „Das, ähh, das ist ein Freund, der mir hilft,“ stottert sie etwas. Der Einsatzleiter betrachtet ihn skeptisch, vor allem den Verband am Kopf. „Dann folgen sie mir bitte zum Einsatzwagen,“ sagt er dann und sie begleiten ihn zu einem Mannschaftswagen.

    1:28
    Mit den großen Taschenlampen und Nachtsichtgeräten hat das Einsatzkommando Handke schnell ausgemacht und ohne viel Murren lässt er sich abführen, hoffend, dass sich die ganze Sache noch zum Guten wenden wird.

    1:35
    „Malte!“ Maike erkennt ihren Jungen sofort am blonden Schopf, zwischen den beiden bedrohlich aussehenden Gestalten die ihn abführen. Vollkommen erschöpft schaut Malte auf und sieht dort eine Gestalt, die irgendwie gar nicht passt. Hat er eine Halluzination? Die Frau sieht aus wie seine Mutter. Und sie ruft auch noch seinen Namen. Er schließt die Augen und öffnet sie wieder. Jetzt rennt die Frau auch noch auf ihn zu. „Malte, mein Lieber, so macht ihn doch los!“ völlig verzweifelt läuft sie zu ihrem Sohn und nimmt ihn schützend in die Arme. „Mum, bist du es wirklich?“ flüstert Malte und versucht krampfhaft nicht zu weinen.
    Auch Tomasz kommt jetzt aus dem Gebäude, er kann sich kaum noch auf den Beinen halten. „Sorry, hier ist Schluss, ich muss mich setzen,“ stöhnend lässt er sich auf den Bordstein, neben seinen Bewachern fallen.
    „Tomasz!“ ruft Mateusz als er ihn erkennt und rennt zu ihm hin, besorgt um seinen Zustand, „was haben sie mit dir gemacht? So tut doch was! Seht ihr nicht dass er verletzt ist?“ fast hysterisch kreischt er die beiden Typen an, die tatenlos daneben stehen. „Das entscheidet der Einsatzleiter!“ sagt dann der eine desinteressiert. Völlig aufgelöst rennt Mateusz zum Einsatzleiter, reißt ihm das Handy aus den Händen und ruft die Ambulanz.

    1:40
    Routiniert werden sie alle im Mannschaftswagen verladen. Auch das ängstliche Gesicht Agnieszkas sitzt dort schon auf dem Rücksitz und weint still vor sich hin. Tomasz wird endlich medizinisch versorgt. Mateusz sitzt neben ihm, vollkommen erschlagen, jetzt wo das schlimmste vorbei ist. Malte, noch immer die Handschellen um, lehnt sich müde an seine Mutter, auf seinem Schoß Struppi. Handke sitzt neben Christoph. Ruhig und etwas abwesend beobachtet er, wie so langsam die Polizisten nach und nach rauskommen aus dem Gebäude. Alle? „Furby!“ ruft Handke da. Überrascht dreht sich der Einsatzleiter um, „Furby? Fehlt etwa noch jemand?“ „Ja, Furby!!!“

    18. Januar 2006 um 0:38 Uhr #59224
    trevira2000
    Gast

    Warschau
    1:43

    „Scheiße,“ fluchend hält Furby kurz an und versucht in der Dunkelheit irgendeinen Anhaltspunkt auszumachen. Irgendwie ist er in einem großen Raum gelandet und die Schwärze um ihn herum erscheint wie eine dunkle Wand. Seine Schritte hallen und als er einen Moment verharrt hört er hinter sich ein Geräusch. Er duckt sich automatisch und bleibt in der Position, auf weitere Geräusche horchend. Plötzlich geht eine Taschenlampe an und der Spot wandert langsam durch den Raum. Furby springt mit einem Satz hinter eine Werkbank neben sich und kaum ist er verschwunden kommt auch schon der Lichtkegel an die eben verlassene Stelle. „Ergib dich,“ ruft der junge Polizist auf Polnisch, er versucht sich daran zu erinnern was ergeben auf Englisch heißt. Das Wort hatte er wohl nicht in der Schule. „Hands up!“ ruft er stattdessen. Furby bleibt ganz still hinter der Werkbank, Menschen mit Schusswaffen ängstigen ihn ungemein und sein Vertrauen in die hiesige Polizei ist nicht sehr groß, wenn die nicht mal Freund von Feind unterscheiden können. Der Polizist tastet sich vorsichtig weiter durch den Raum. Immer Ausschau haltend nach dem Flüchtenden. Das Licht der Taschenlampe hat allerdings inzwischen an Energie verloren, hier und da erscheint noch mal ein Fragment von Tischen und alten Maschinen, dann flackert es ein letztes Mal auf, um sich nun endgültig zu verabschieden. Dunkelheit umfängt sie.

    1:45

    „Ein Polizist fehlt auch noch,“ meint der Einsatzleiter und denkt nach, was zu tun sei. „Schicken Sie meinen Hund rein!“ empfiehlt Malte, „der wird Furby finden und Uniformen ziehen ihn magisch an.“ „Hmm, das ist keine schlechte Idee,“ nickt der erfahrene Chef des Einsatzkommandos und ruft mehrere seiner Kollegen zusammen, sie für den neuen Einsatz instruierend. Jemand bindet Struppi ein Seil um. Der hat aber gar keine Lust sein warmes Nest auf Maltes Schoß aufzugeben. „Struppi, such Furby! Such!“ spricht Malte auf ihn ein. Struppi schaut ihn nur verständnislos an und dann leckt er freudig über Maltes Gesicht. „Ihhh, hör auf damit. Ich glaube ich muss mit, ohne mich geht der da nicht mehr rein,“ meint Malte dann. „Du gehst nirgends mehr hin!“ ruft Maike entsetzt, auf keinen Fall will sie Malte jetzt wieder loslassen. „Ja, du hast recht, du begleitest sie!“ befiehlt der Einsatzleiter und löst Malte die Handschellen. „Du gehst nicht,“ ruft Maike wieder und hält Malte am Arm fest. „Mum, ich bin gleich wieder da! Hab keine Angst“ sanft entzieht er sich ihr und springt aus dem Wagen.

    1:47

    Die beiden versehrten Mateusz und Tomasz schauen Malte hinterher, der gerade mit Struppi und der Spezialeinheit im Gebäude eintaucht. „Was ist mit deinem Kopf passiert?“ fragt Tomasz dann seinen Freund und streicht ihm vorsichtig über den Verband. „Deine Geschäftspartner waren nicht gerade zimperlich,“ antwortet Mateusz und zuckt unter der Berührung zusammen, „und was macht dein Bein? Starke Schmerzen?“ „Nein, ist alles betäubt, ich dachte ich verblute, oh man,“ erleichtert lehnt Tomasz sich an Mateusz, der ihn beschützend in den Arm nimmt. „Was wird jetzt nur werden?“ fragt Mateusz dann nachdenklich. „Das Bild ist hier und nicht da wo es sein sollte, die werden uns nicht in Ruhe lassen,“ meint Tomasz grimmig und starrt auf die Blaulichter, die so etwas angenehm Beruhigendes haben gerade. Ihm ist schwindelig und eigentlich möchte er jetzt gar nicht darüber nachdenken wie es weitergeht. „Wir müssen hier verschwinden,“ sagt Mateusz nach einer Weile. Keine Antwort. „Tomasz?“ Der ist inzwischen völlig erschöpft eingeschlafen. Mateusz seufzt und schaut auf den beleuchteten Eingang zur Fabrik. Es ist kalt hier und Tomasz strömt auch nicht gerade viel Wärme ab. Liebevoll drückt er ihn noch etwas fester an sich, was soll´s, wenigstens haben sie sich ja noch.

    1:53

    Struppi zieht kräftig an dem Seil so dass Malte Mühe hat, zu folgen. Vor allem da er eigentlich vor Müdigkeit im Stehen schlafen könnte. Einer von den Vermummten läuft neben ihm, andere leuchten mit ihren Spezial Taschenlampen die Gänge ab und machen ein Riesenbrimborium beim Absichern der Räume. Furby tut doch keiner Fliege was, hoffentlich ist ihm nichts passiert, denkt Malte. „Hier ist er geflüchtet, in den Gang!“ ruft er dann. Struppi wittert nun Furby und die Uniform des Verfolgers. „Nicht so schnell Struppi, zieh doch nicht so!“ Malte kann ihn kaum noch halten.
    Weiter geht es durch zahlreiche labyrinthisch anmutende Gänge. Da hören sie ein Ohren betäubendes Krachen und ein lauten Schmerzensschrei. „Furby!“ brüllt Malte entsetzt und Struppi ist nicht mehr zu halten. Er reißt sich los und rennt. Der eine Polizist neben Malte greift jetzt Maltes Arm und zieht ihn runter hinter einen Türrahmen, „du bleibst hier und rührst dich nicht!“ flüstert er dann zu Malte im besten Englisch. Malte nickt ergeben, er hat auch gar keine Lust auf die Höhle des Löwen. „Bitte, Furby ist ohne Waffe! Tut ihm nichts!“ flüstert er zurück.

    20. Januar 2006 um 0:27 Uhr #59323
    trevira2000
    Gast

    Montalivet

    1:54

    „Maike? Gott sei dank. Endlich erreiche ich dich. Sag was ist passiert?“ fragt Marc aufgeregt und alle um ihn herum schauen aufmerksam auf sein angespanntes Gesicht, in der Hoffnung daran ablesen zu können, was Maike sagt.
    „Ja? …. okay … dann sind sie gerettet? … Wie, später? … Geht es ihm gut? … Was? … Ich versteh nicht … Ja gut, ruf mich an, bitte! Vergiss mich nicht … wir denken hier alle an euch!! … Ja, bis dann,“ verunsichert legt er den Hörer auf.
    „Ja und?“ fragt Marek. „Weiß nicht, die Polizei ist da, sie wirkte aufgeregt und hat so durcheinander gesprochen, sie ruft wieder an,“ antwortet Marc nachdenklich und schaut in die müde Runde seiner Freunde, die ihn alle mit fragenden Gesichtern anschauen.

    Warschau

    1:55
    Furby kann seinen eigenen Schweiß riechen, der langsam hochsteigt. So eine Angst hat er noch nie gehabt. Überall um ihn herum geisterhafte Gestalten. Massenhaft Staub wirbelt auf und in den Lichtkegeln der etlichen Taschenlampen sieht es wie Nebel aus. Panisch schaut er sich in seinem Versteck um. Vielleicht ist es doch nicht so eine gute Idee, sich oben auf der Balustrade zu verbergen, früher oder später werden sie es beleuchten. Panisch schaut er auf die vermummten Gestalten in ihren kugelsicheren Westen. Jetzt haben sie endlich seinen hartnäckigen Verfolger gefunden. Der hatte im blinden Eifer irgendeine Befestigung gelöst und ein alter Kessel bewegte sich aus der Verankerung direkt auf ihn zu. Da es stockdunkel war, konnte er sich wohl nicht mehr rechtzeitig in Deckung bringen und so lag sein eines Bein unter der schweren Last. Furby beobachtet, wie sie ihn aus seiner misslichen Lage befreien und aus dem Raum tragen.
    Die Anderen wenden sich wieder dem Raum zu und mit Entsetzen sieht Furby, das Struppi, der alte Verräter als Spürhund eingesetzt wird, und der nähert sich gefährlich nah der Stelle, an der er nach oben geklettert ist. Panisch schaut er sich um, er kann nicht sehen, ob hier noch eine Fluchtmöglichkeit existiert, aber es sieht wohl alles nach Aufgabe aus. Aber wie stellt man das an, ohne erschossen zu werden?
    „Furby? So melde dich doch!“ Das ist doch die Stimme von Malte. Wenn er jetzt antwortet, wissen die Kerle wo er ist. „Stell dich doch! Die tun dir nichts! Bitte!“ ruft da wieder Malte. Das sagt sich so leicht. – Okay, dann war’s das also. „Aber die dürfen mir keine Handschellen anlegen!“ ruft Furby von oben runter und sechs Gewehre sind auf ihn gerichtet.

    2:00
    „Frohe Weihnachten!“ empfängt der Chef des Kommandos Furby, als sie auf die Straße treten. Furby ist noch immer Schweiß gebadet und dankbar atmet er die eiskalte Luft ein. Malte und Struppi gehen hinter ihm, glücklich dass nichts Schlimmeres mehr passiert ist, unglücklich dass Furby Malte keines Blickes würdigt.
    Erleichtert blickt Maike auf die Gruppe. Vor einigen Minuten ist ihr fast noch das Herz stehen geblieben, als sie zwei der Polizisten mit einer Trage rauskommen sah. Wie gut dass es nicht Malte oder Furby war. Das beständige Klingeln holt sie zurück und geistesabwesend hört sie die Stimme von Marc. „Ja?… Marc?…. Achso du…. entschuldige, es ist alles gut! Malte ist hier, die Anderen auch! Ich leg wieder auf….ja klar…..nein nein, er ist gesund, nur sehr müde… Marc ich rufe dich morgen an ja? … jaaaa, mir gehts gut … ich weiß … kein Wunder, das war eine lange Nacht und wer weiß, was uns auf dem Revier noch erwartet …ja … was? … das würdest du tun?…. Naja es ist Weihnachten und was ist mit Matt? …. Ja okay …. ich dich auch … ja, tschüß“ Maike merkt wie einige Tränen ihre Wangen hinunter laufen und wischt sie erschreckt weg. Agnieszka sitzt still neben ihr und streichelt vorsichtig Maikes Hand.

    21. Januar 2006 um 19:22 Uhr #59372
    trevira2000
    Gast

    Halbinsel Hel
    nach Weihnachten

    Es weht ein eisiger Ostwind. Malte paddelt gerade kräftig gegen die Strömung, die ihn schon viel zu weit nach Westen treibt. Endlich wieder im Meer. Das Salz auf der Zunge, vereiste Augenbrauen, eiskalter Schnodder an der Nase und der Geruch von Schnee. Er kann sich nicht erinnern, wann er vorher jemals bei solch eiskalten Temperaturen surfen war. Endlich lässt die Strömung etwas nach und er ruht sich einen Moment auf dem Board aus. Aufsetzten mag er sich gar nicht. Der Wind pfeift hart über das Gesicht und jedes Körperteil, dass ihm Widerstand bietet. Dicht an der Wasseroberfläche und im Wasser ist es noch am besten auszuhalten.
    Er schaut zu seinem Vater hinüber, der etwas weiter draußen auf eine geeignete Welle wartet. Wer hätte das gedacht, 2m Wellen auf der Ostsee. Gut das Dad drei Boards mitgebracht hat. Eine wirkliche Überraschung findet Malte. Er muss ein selten dämliches Gesicht gemacht haben, als Marc ihm sein schönes, schon verloren geglaubtes Board am Flughafen von Warschau präsentierte. Jedenfalls hat sich Marc vor Lachen kaum eingekriegt, als Malte das Board vom Laufband nahm.
    Maike und die Anderen haben auch nicht schlecht gestaunt.
    „Das sieht gut aus!“ Brüllt da Furby neben ihm und zeigt auf eine sich langsam auf sie zu bewegende Welle. Die Ostsee bietet leider keine klaren Lines und so sind sie die ganze Zeit damit beschäftigt Wellen zu jagen. Meistens entwickeln sie sich immer genau dort wo Furby, Marc und Malte gerade nicht sind. Diesmal hat Furby den besten Riecher gehabt und damit auch die beste Position, um die Welle zu nehmen.
    Beim Anpaddeln merkt er die geprellte Schulter, dabei hatte er einige der Moorpackungen von Agnieszkas Mutter an Weihnachten über sich ergehen lassen.
    Jetzt noch dreimal paddeln, der Takeoff kommt etwas behäbig, kein Wunder bei dem dicken Neo, dann endlich dieses wunderbare Gefühl beim hinunter gleiten der Welle. Furby spürt den kalten Wind am Körper und er macht sich ganz klein auf dem Board, in der Hoffnung, dass die Welle ein wenig Windschutz bietet.
    Malte schaut Furby grinsend hinterher, froh dass sie wieder miteinander sprechen können. Die ersten Tage nach der Invasion in der Fabrik waren kein Zuckerschlecken für Malte. Von allen Seiten hagelte es Vorwürfe und ernst dreinblickende Gesichter. Viel Schlaf, liebe Gastgeber und das gute Essen sorgten aber für die Eisschmelze. Am dritten Weihnachtstag war dann die Versöhnung perfekt, als Tomasz und Mateusz sie im Haus von Agnieszka besuchten.

    Jetzt hat Marc eine Welle. Mit seinem kraftvollen Takeoff erwischt er sie perfekt, und gleitet parallel an ihr entlang, locker auf dem Longboard stehend, das Gewicht ein bisschen verlagernd, tippelt er im Kreuzschritt nach vorne Richtung Nose und startet den Versuch eines „hang fives“. Leider macht ihm die Welle einen Strich durch die Rechnung. Malte lacht, als er seinen strauchelnden Vater sieht, der versucht das Board wieder unter Kontrolle zu bekommen, aber dann doch im kalten Nass landet.
    Auch Malte sieht jetzt einen ordentlichen Kracher, allerdings muss er schon kräftig paddeln um den gerade noch zu erwischen. Etwas überstürzt landet er auf dem Board, fährt die dunkelgraue nasse Haut hinunter, aufgeraut von den böigen Winden. Mit seinem kurzen Board versucht er noch ein Manöver zu fahren, doch irgendwie sind die Gelenke zu steif, um sich wirklich noch richtig reinzulegen. Unentschlossen entscheidet er sich für eine leichte Variante und lässt sich dann im Liegen an Land schieben.
    Furby hat bereit das Wasser verlassen und rennt über den Schnee bedeckten Strand Richtung Transporter, das schwere Longboard mit sich schleppend.
    Wie Pinguine watscheln dann auch Marc und Malte an Land.

    22. Januar 2006 um 21:39 Uhr #59402
    trevira2000
    Gast

    Warschau

    „Wie ist es gelaufen?“ fragt Marc seinen Sohn Malte. Der sieht in seinem Anzug, den sie vorher noch schnell gekauft hatten, ziemlich fehl besetzt aus. Seine Wangen sind rot vor Aufregung. Schnell kommt er den großen Gang des Gerichtsgebäudes entlang. Palast wäre eigentlich das richtige Wort für dieses Neoklassizistische Gebäude, in dem sich die Vorgeladenen noch kleiner vorkommen sollen, als sie sich womöglich sowieso schon fühlen. Nervös um sich blickend geht Malte dann auf seinen Vater zu, der von seinem Platz aufgesprungen ist. Tomasz hockt zusammengesunken auf einer großen Eichenbank, die wie eine Sünderbank wirkt, mit den überdimensionalen Ausmaßen. Erwartungsvoll schaut er auf Malte, der immer noch sehr aufgeregt über seine steif gegelten Haar streicht, die sonst zu allen Seiten abstehen würden, was noch weniger zu dem Anzug passen würde. „Ich weiß nicht so recht, ob ich mich jetzt noch tiefer in die Scheiße geritten habe oder ob das so o.k. war. Der Anwalt meinte, ich sollte mir keine Sorgen machen. Was ja jetzt alles heißen kann, vielleicht brauche ich mir keine Sorgen mehr machen, was mein Studium angeht oder die Jobfrage, weil ich bald regelmäßige Gefängniskost einnehme und in der Wäscherei die durchgesiffte Wäsche sortiere,“ antwortet Malte Marc´s Frage und grinst dabei etwas gequält. Marc klopft ihm beruhigend auf die Schulter, „wird schon, da musst du jetzt durch. Was hat die Staatsanwaltschaft gesagt, wie lange du noch hier bleiben musst?“ Malte zuckt mit den Schultern und setzt sich neben Tomasz, der ihn verständnislos anschaut. „Ich weiß nicht, ich habe meine Aussage gemacht, es gibt keine Anzeige, nur ne Menge Unklarheiten, wegen des Bildes und was wir in Russland gemacht haben,“ Malte schaut zu Tomasz und sagt auf Englisch, “wieso waren wir eigentlich in Russland? Ich habe dazu nicht viel sagen können und sie haben mir nicht geglaubt.“ „Familienangelegenheiten,“ antwortet Tomasz und grinsend meint er weiter, „ich hoffe, deine Unwissenheit hält an, reicht schon, dass wir ein Problem mit Oma Lubka haben.“ „Ach genau, Oma Lubka. Ihr könnt auf keinen Fall zurück in die Fabrik,“ antwortet Malte nachdenklich. „Am besten wir verschwinden einige Zeit aus Warschau,“ stimmt Tomasz ihm zu.
    Alle Drei sitzen eine Weile nachdenklich nebeneinander und schauen vor sich hin. „Na, wie schaut ihr denn aus der Wäsche? Alles o.k?“ Mateusz kommt elanvoll um die Ecke und steht mit verschränkten Armen vor ihnen. „Na und du? Du scheinst im Lotto gewonnen zu haben,“ antwortet Tomasz missmutig. „Wie sieht’s aus mit einem guten Essen in der Kantine hier unten? Der Küchenchef ist ein Onkel von mir,“ antwortet Mateusz uns kratzt über seinen verschorften Kopf. Er sieht sehr verwegen aus mit den kahlen Stellen auf dem Schädel, denkt Malte und muss grinsen, „irgendwie habt ihr doch überall Verwandte, kennt ihr nicht auch einen netten Onkel bei der Staatsanwaltschaft?“ fragt er dann Mateusz. Der versteht nicht ganz und Tomasz muss übersetzen. „Was denkst du denn? Das ist wirklich mein Onkel!“ empört dreht sich Mateusz um und geht kommentarlos Richtung Kantine. Die anderen folgen ihm.
    „Übrigens habe ich ein Surfboard erstanden!“ sprudelt es dann unterwegs aus Mateusz heraus. „Du hast was?“ ruft Tomasz entsetzt und einige Leute drehen sich schon zu ihnen um. „Nun reiß dich mal zusammen. Ja, bei Ebay!“ „Was willst du denn mit einem Surfboard?“ Tomasz ist völlig entgeistert, „du willst doch nicht in die Arschkälte da raus mit den völlig durch geknallten Typen hier! Seit wann bist du lebensmüde?“ „Seit ich mit dir zusammen bin,“ kommt es da von Mateusz pfeilschnell zurück. „Was? Völlig durchgeknallt? Oder habe ich das jetzt nicht richtig übersetzt?“ fragt Malte und lacht aus vollen Rohren über das überglückliche Grinsen vom Mateusz, „was für ein Board ist es denn?“ „Weiß nicht, habe erst mal was günstiges genommen, ein Schnäppchen, nennt sich Fish oder so, ist das ne gute Marke?“ wütend schaut Mateusz sich um, weil Marc und Malte sich vor Lachen kaum noch halten können, so dass schon ein Gerichtsdiener auf sie zukommt. Tomasz schüttelt die Beiden kräftig, damit sie wieder zu Verstand kommen. „Klasse ein polnischer Surfer auf einem Fish! Mateusz, da hast du dir viel vorgenommen! Warum hast du nicht mal um Rat gefragt?“ fragt Malte dann, bemüht um Kontenance. „Man, das sollte eine Überraschung sein. Was soll denn dieses Gelächter, traut ihr mir das nicht zu? Meint ihr das können nur die Leute aus dem Westen?“ beleidigt dreht sich Mateusz um und sein Blick wandert über die Tafel mit den Gerichten an der Kantinentür. „Hey, nein so war das nicht gemeint, morgen schon testen wir das Board,“ entschuldigt sich Malte und versucht aus den polnischen Worten ein bekanntes Gericht abzulesen. „Sawatzki? Ist das Salat?“ fragt er unsicher. Jetzt lacht Mateusz, „ja, bestell mal Sawatzki und du wirst dich wundern, du hast jeden Tag bei gleicher Bestellung ein anderes Gericht.“ Verständnislos schaut Malte seinen Vater an, der zuckt nur mit den Schultern. Beide entscheiden sich für Sawatzki, warum nicht, hört sich nach der zweiten polnischen Überraschung an heute.

    27. Januar 2006 um 19:55 Uhr #59643
    trevira2000
    Gast

    Ein letztes Mal in der Pampa

    „Man, da sitzt man ja drin wie in einer Wurstpelle,“ keucht Mateusz, als er endlich in Furbys Neoprenanzug steckt und etwas unsicher ausschaut. „Ich finde deine Qualitäten kommen ganz gut zum Vorschein,“ nickt Tomasz anerkennend, den gut eingepackten Körper seines Freundes betrachtend, und gibt ihm dann einen Klaps auf den knackigen Hintern. Er könnte sich jetzt auch gut mit seinem Freund die Zeit anders vertreiben, als ihm dabei zu zuschauen, wie er sich lächerlich macht. Leider kann er ja mit seinem Bein nicht ins Wasser. Malte lacht, “Naja, etwas eng oder? Aber besser so, als zu weit und das kalte Wasser läuft überall rein.“ „Dann lass uns losfahren! Heute Abend kocht Agnieszkas Oma ein leckeres Abschiedsessen und wir sollten auf jeden Fall pünktlich sein,“ meint Tomasz. „Kann ich den Anzug nicht gleich anlassen?“ meint Mateusz. „Warum nicht? Ist ja gleich um die Ecke,“ antwortet Tomasz.

    *

    „Verdammt, wo sind die Wellen?“ Mateusz schaut enttäuscht von der Düne auf die platte See. Malte ist froh, dass er nicht in das kalte Wasser muss und dreht sich gleich wieder um, bloß wieder in die Wärme. „Und? Ihr wollt doch nicht wirklich bei –15 Grad surfen oder?“ fragt Tomasz, im warmen Transporter sitzend und Mateusz beobachtend, der missmutig die Düne im Neo hinunter watschelt und ohne Kommentar einsteigt. Malte setzt sich neben ihn und erwidert kurz, „hat sich erledigt, keine Wellen. Wir können allerdings Eisschollen – Hopping machen.“
    Tomasz startet erleichtert den Wagen und mit „On a Beach“ von Robert Ashcroft geht’s in Richtung Agnieszka. Traurig denkt Malte daran, dass sie morgen nach Frankreich fliegen. Er wird seine neu gewonnenen Freunde vermissen, vor allem aber die süße Agnieszka.
    „Schade, dass du morgen fliegst, wer bringt mir jetzt das Surfen bei,“ holt Mateusz ihn aus den Gedanken zurück. „Na, du kommst mich bald besuchen oder? Da gibt’s prima Wellen,“ antwortet Malte und schaut auf die verschneite Landschaft, an die er sich so gewöhnt hat die letzten Wochen. Ja, auf die Wellen und Frankreich freut er sich jetzt. Endlich wieder Temperaturen über 0 Grad.
    „Fahr mal ein bisschen langsamer! Jetzt kommt gleich Ben Harpers „Diamonds on the Inside, das ist so geil das Lied,“ sagt Mateusz und dreht den Lautsprecher voll auf, so dass der ganze Innenraum scheppert. Die Drei grölen laut mit und bleiben auch noch im Wagen sitzen, um das Lied zuende zu hören, als sie schon längst wieder auf dem Hof vorm Haus stehen.

    *

    Agnieszka wartet schon ungeduldig auf Malte. Es ist der letzte Tag, den sie zusammen haben und er ist schon wieder mit dem blöden Surfboard unterwegs. Traurig nippt sie an dem heißen Tee und schaut aus dem vereisten Fenster nach draußen. Dort testet Furby gerade die Langlaufskier von Christoph. Ja, das ist auch ein Netter, denkt sie traurig. Bald wird es wieder langweilig und still sein in dem Haus. Sie dreht sich zu ihrem Vater um, der in seinem Sessel sitzt und glücklich aussieht. Ja, er genießt auch die Gesellschaft. Er würde ihr das nie verzeihen, wenn sie von hier fortgeht. Schmerzvoll dreht sie sich schnell wieder zum Fenster und schaut auf das neutrale Weiß, dorthin, wo jetzt der Transporter von Tomasz vorfährt. Die Drei scheinen sich im Auto zu amüsieren, jedenfalls bewegen sie ihre Köpfe immer rhythmisch hin und her.
    „Agnieszka?“ Malte kommt stürmisch ins Zimmer. Sie dreht sich um und alle Traurigkeit ist für den Moment verschwunden.

    28. Januar 2006 um 16:51 Uhr #59661
    trevira2000
    Gast

    On the road again …

    „Furby, kannst du mal die Heizung runter drehen, ich schlaf sonst gleich ein!“ mault Handke. Er blickt auf eine gerade und verschneite Straße. Eingekeilt zwischen unendlichen Schlangen von LKW´s kommen sie nur langsam vorwärts. „Geht das jetzt bis zur Grenze so?“ fragt Furby genervt zurück, es schon bereuend, nicht doch das Angebot von Marc angenommen zu haben, mit dem Flugzeug nach Hamburg zu fliegen. Aber irgendwie gefiel ihm auch der Gedanke,
    sich ganz in Ruhe dem Westen wieder zu nähern. Dort wartet sowieso nur eine
    finanzielle Misere auf ihn und irgendein überforderter Arbeitsberater, der ihm einen 1 € Job nahe legen wird.
    „Wahrscheinlich, die Lkw´s sind fast alle mit schlechten Reifen ausgestattet und wir können froh sein, wenn der Verkehr nicht ganz zum Erliegen kommt,“ antwortet Handke. Wenigstens scheint die Sonne, und die Schneelandschaft sieht richtig einladend aus, wenn da nicht ständig diese schwarzen Wolken des vor ihn fahrenden lettischen Transporters den Blick und die Lungen zunebeln würden. Furby schließt die Lüftung, versucht sich zu entspannen. „Ein bisschen Musik?“ fragt Handke, er ist gut drauf, Marc hat bezahlt und Malte ist wohlbehalten auf dem Weg nach Frankreich. „Darf ich was aussuchen?“ fragt Furby und wühlt in den CD´s von Handke. „Klar mach nur, darf ich eine rauchen?“ fragt Handke setzt sich seine Miami Vice Sonnenbrille auf, um sich vor der tief stehenden Sonne zu schützen. Furby schaut überrascht hoch, „du hörst G. Love? Du hast schon für dein Alter einen ziemlich schrägen Musikgeschmack.“ „Für dein Alter? Hört sich ja nicht sehr schmeichelhaft an. Was meinst du denn was ich für mein Alter so hören müsste?“ fragt Handke dann grinsend und zündet sich eine polnische Zigarette an, die schmeckt schon gewöhnungsbedürftig stark, aber er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, immer mal andere Marken auszuprobieren. Am besten schmecken ihm ja immer noch die Javanesischen mit schön viel Kräutern. „Na, keine Ahnung, aber nicht dass, was wir hören!“ Jetzt muss Handke lachen, „wer ist denn Wir?“ Furby überlegt, und schaut dabei die CD´s weiter durch, „Nada Surf hast du ja auch!“
    „Soll ich sie reinlegen?“ „Was? Achso, ja klar mach mal, die kenne ich noch nicht.“
    Handke schaltet den CD Player ein und das Auto füllt sich sogleich mit E-Gitarrenrock. „Die fand ich allerdings erst nach dem vierten Hören gut,“ meint Handke und schaltet noch etwas lauter. Furby nickt, „ja das kenne ich, aber die Musik die man erst beim dritten oder vierten Hören gut findet, die bleibt auch gut, finde ich.“
    Die Beiden schauen verträumt auf den grauen Transporter vor ihnen, der beim Lied „Comes a Time“ am Verrecken ist und seine letzten Russteile in die Luft verschleudert, um dann endgültig Gut Nacht zu sagen. Sie überholen die lettische Rostlaube und wir verlassen die Beiden auf ihrer Fahrt für eine Weile.

    29. Januar 2006 um 17:11 Uhr #59691
    trevira2000
    Gast

    Flughafen Warschau

    „Gratuliere!“ „Was?“ Malte dreht sich um, er hat gerade ganz vertieft auf die Anzeigentafel in der Warschauer Flughafenhalle geschaut, „ach du bist´s Tomasz, wozu gratulierst du mir?“ „Hier schau dir das an, was Mateusz entdeckt hat!“ Mateusz hält Malte aufgeregt eine Surfer-Illustrierte vor die Nase. „Wo hast du die denn aufgetrieben?“ erstaunt schaut Malte auf das deutsche Exemplar, naja schon etwas älter das Heft, aber immerhin. „Na, schau doch mal rein! Seite 24!“ Mateusz drückt Malte das Heft in die Hände und Malte bleibt nichts anderes übrig als der Anweisung nach zu kommen. „Ja und? Da sind Wellen und ein paar Surfer,“ sagt er als er die Hochglanzfotos sieht, aufgenommen in Frankreich, hmmm, das sieht nach Hossegor aus, ein großer Tag war das wohl, am Strand sieht man einen Kläffer, das könnte ja fast Struppi sein, und der Surfer naja, das Board kommt Malte schon irgendwie bekannt vor, „scheiße man, das bin ja ich, wann haben die das gemacht?“ ruft er dann und blättert wieder nach vorne, letztes Jahr im Frühjahr, „wie habt ihr mich bloß erkannt, ich bin doch gar nicht so gut zu erkennen?“ fragt er erstaunt und schaut auf die beiden strahlenden Gesichter von Tomasz und Mateusz. „Na, so ein rotes Board, diese spröden blonden Haare und der blonde Köter,“ irgendwie haben wir da gleich an dich gedacht,“ meint Mateusz und nimmt ihm das Heft wieder aus den Händen und schaut sich noch einmal das Foto an, den Kopf ständig schüttelnd, „man du bist ja richtig gut!“ „Ach, so ein quatsch, das können tausend andere auch,“ Malte ist über Mateusz Ehrfurcht peinlich berührt, das hat er nun wirklich nicht verdient, „dafür bekomme ich nix anderes gebacken, wie du gesehen hast,“ sagt er im Nachsatz und nimmt seine Reisetasche auf. Struppi schaut interessiert hoch, in Erwartung dass es endlich wieder los geht, wedelt er ununterbrochen mit dem Schwanz. Tomasz klopft Malte auf die Schulter, „ach komm, du hast dich doch ganz wacker gehalten. Lass uns doch da drüben noch einen Kaffee trinken, bevor dein Flug geht.“
    Sie schlendern zum Bistro rüber und Mateusz packt das Heft sorgsam wieder ein. Malte ist nicht gut drauf, Agnieszka und er hatten sich gestern Abend das letzte Mal gesehen, und mit den paar Brocken polnisch, die er inzwischen konnte, war es ein jämmerlicher Abschied. Was sollte er ihr sagen? Bis zum nächsten Mal? Komm mich besuchen? Das klang alles so abgedroschen. Er hatte das Gefühl, sie war noch viel trauriger als er. Er konnte ihr ja nicht einmal Briefe schreiben oder sie anrufen. Jetzt schon hatte er wilde Sehnsucht nach ihr und musste die Augen schließen, fühlte noch einmal einen Moment ihre feinen zarten Lippen, die ganz vorsichtig und zittrig seine suchten. Sie war so fein, wie eine Blume …. „Malte? Kaffee?“ „Ja, danke,“ schnell öffnet Malte die Augen wieder. Tomasz hält ihm einen dampfenden Becher Kaffee hin. „Alles okay? Du siehst aus, als würdest du gleich umfallen?“ fragt Tomasz besorgt. Maltes Gesicht ist in der Tat ganz bleich und durch die blonden zerzausten Haare wirkt er noch angeschlagener. „Nein, ist schon gut, ich habe nicht so viel geschlafen, der Kaffee ist jetzt genau das richtige,“ antwortet er und setzt sich zittrig auf den Barhocker an den Tresen. Eine Weile sitzen die drei schweigsam und schlürfen Kaffee während Struppi den Boden nach Krümeln und weiteren Essensresten absucht und auch fündig wird.
    „Fliegst du gleich weiter oder bleibst du noch in Paris?“ fragt dann Tomasz. „Ich fliege gleich weiter nach Bordeaux, Bahnfahren ist erst einmal nicht so mein Thema,“ meint er und beide grinsen und müssen an den Beginn ihrer gemeinsamen Geschichte denken. „Lass deine Nase richten, wenn du in Frankreich bist,“ meint Mateusz nebenbei und tunkt einen Keks in den Kaffeepot. Malte greift zu seiner Nase, „ja sieht schlimm aus oder? Ist das dann ne Schöhnheit´s O.P.?“ „Hmm, nein, Wiederherstellung zählt glaube ich nicht als Schönheitsoperation, sonst lässt du es hier machen, ist billiger,“ meint Tomasz. „Ja, super, ein guter Grund um wieder her zu kommen!“ antwortet Malte nicht sehr begeistert und nippt am Kaffee, „kommt ihr mich bald besuchen?“ fragt er dann zaghaft. Irgendwie hat er Angst, alleine nach Montalivet zu gehen. Warum mussten Marc und Maike auch nach Hamburg? „Bestimmt!“ nickt Mateusz und nimmt Malte freundlich in den Arm, „komm lass uns noch einen Wodka trinken und dann bringen wir dich zum check in Kleiner, es wird Zeit, dass du nachhause kommst!“

    29. Januar 2006 um 23:24 Uhr #59704
    trevira2000
    Gast

    Hamburg
    „Bin ich müde, kannst du mir die Schuhe ausziehen und mich ins Bett tragen?“ fragt Maike und setzt sich erschöpft auf die Kommode im Flur. „Mist, das gleiche wollte ich dich auch gerade fragen,“ antwortet Marc müde und lässt die Reisetasche auf den Boden fallen. Er stellt sich vor den Spiegel und sieht ein ziemlich abgewirtschafteten Anfang 40 Jährigen. Die Augenringe gehen ja fast bis zur Nasenspitze stellt er entsetzt fest und die Haare werden auch schon etwas dünner. Das Alter lässt sich wohl kaum noch verheimlichen. „Mein Gott, du schaust ja als hättest du ein Monster gesehen,“ sagt Maike und beobachtet ihren Mann lachend, „jetzt sei nicht so hart zu dir und trag mich endlich ins Bett!“ Er dreht sich zu ihr um und nimmt ihr den Mantel ab, „ach Maike, wir werden alt!“ seufzt er und nimmt sie spielend leicht auf den Arm. „Aber stark bist du noch!“ antwortet sie lachend. „Und du bist noch federleicht, dabei war die polnische Küche nun wirklich nicht Figurfreundlich,“ meint er und trägt sie ins Schlafzimmer, lässt sie sanft auf das Bett hinunter und zieht ihr die Sachen aus. Maike ist müde, und lässt es sich gerne gefallen, „och, das kannst du gerne jeden Abend machen!“ schnurrt sie und wickelt sich in die warme Decke. Er steht noch neben dem Bett und überlegt kurz. „Bitte sei nicht böse, aber ich geh noch mal raus, kurz ins Studio und was trinken,“ sagt er dann. „Was? Noch mal ins Studio? Ja klar mach das! Ich wärme das Bett schon mal vor,“ murmelt sie, schon fast eingeschlafen. Er will gerade das Zimmer verlassen, da meldet sich Maike noch mal, „Marc?“ „Ja?“ „Und du meinst Malte fliegt auch wirklich zurück?“ „Komisch ich war eben auch etwas beunruhigt, ich rufe ihn unterwegs an, er hat ja jetzt ein neues Superhandy von seinen neuen Freunden aus Fernost,“ antwortet er und macht das Licht aus, „gut Nacht, bis Nachher!“
    Noch im Treppenhaus schaltet er sein Handy ein, wählt erst einmal Maltes Nummer.
    „Ja?“ „Hallo Malte, hier ist Marc, alles klar?“ „Natürlich, spionierst du mir nach?“ antwortet Malte gereizt. „Quatsch, wollte nur wissen, ob alles klar geht mit dem Flug.“ „Und ob ich wirklich fliege, gib´s zu. Hättest ja mitkommen können,“ meint Malte und drängelt sich gerade durch den Check in. „Was ist los? Du hörst dich ärgerlich an.“ „Ach, die haben hier am Zoll nur gerade das Marihuana entdeckt und fragen nach dem Erziehungsberechtigen.“ Einen Moment zuckt Marc zusammen, dann muss er lachen, „Malte erschreck deinen alten Vater nicht so.“ „Okay, hier läuft alles klasse, ich bin leicht betrunken, von dem Abschiedswodka, aber diesmal wirft mich wohl niemand aus dem Zug,“ antwortet Malte leicht schnippisch. „Zug? Was für ein Zug?“ Marc wäre vor Schreck fast die Treppe hinunter gefallen und kann gerade noch einer Nachbarin ausweichen die gerade pustend nach oben steigt und ihn böse beschimpft, dass er nicht so laut telefonieren soll. „Ach, habe ich Zug gesagt? Nein Flugzeug natürlich. Dad, es ist alles klar, mach dir keine Sorgen. Wann sehen wir uns mal wieder?“ Mit der Frage hat Marc nun nicht gerechnet, „wieso? Wir haben uns doch gerade gesehen.“ „Ach schon gut, ich bin gerade etwas weinerlich und betrunken, da wird man schon mal sentimental. Sorry, ich muss gleich Schluss machen, die steigen schon alle ein.“ „Malte, du kannst jederzeit kommen oder anrufen wenn was ist, ich muss aber jetzt erst mal meinen Laden wieder schmeißen.“ „Ja ist gut, bis denne, und grüß Mum, sie soll mir mal wieder eines ihrer neuen Texte schicken.“ „Ja mach ich, mach’s gut Kleiner, und surf ein paar Wellen für mich!“ „Ja, bis dann!“
    Marc schaut nachdenklich auf das Handy und tippt dann die nächste Nummer ein. „Tom? …. Ja, bin wieder da, Zeit für ein Bier? Ja, wie immer, okay …. bis gleich…“

    1. Februar 2006 um 0:51 Uhr #59796
    trevira2000
    Gast

    Montalivet

    Es ist schon fast dunkel, als der Bus in Montalivet hält. Eine schmale Gestalt mit einer Reisetasche und Surfboard steigt aus. Der Bus ist schon längst fort, da steht die Gestalt noch immer an der Haltestelle, so dass sogar ein vorbeistreunender Hund ihn kurz für einen Baumstamm hält, ihn fast anpinkelt und dann erschreckt zurückweicht als Malte sich bewegt.
    Ich fürchte mich, so was beklopptes, denkt Malte und er bekommt keinen Fuß vor den anderen. Wie versteinert steht er einfach nur da. Die milde Atlantikluft irritiert, es riecht so nach Frühling, nach Leben und passt so gar nicht zu seiner Angst. Ob man den Tod schon bei der Geburt in sich trägt, wie eine Frucht den Kern? Er beobachtet eine Möwe die über ihm kreist. Wie schön, die Tiere wissen nichts davon, die leben einfach. Mühsam nimmt er wieder seine Reisetasche auf und geht. Erst weiß er es gar nicht so genau wohin, geht einfach so los. Man kann dem Tod nicht davon laufen, irgendwann steht man plötzlich davor, da öffnet sich eine Tür.
    Komisch als er in Polen war, erschien ihm der Tod so weit weg. Jetzt ist er wieder da, direkt vor ihm. Die Zeit scheint hier irgendwie still zu stehen. Malte hält erneut einen Moment an, horcht. Der Wind rauscht leicht durch die Büsche und Pinien.
    Er setzt sich wieder in Bewegung, ohne es so richtig bemerkt zu haben. Die Treppe zum Strand setzt seinem Weg ein plötzliches Ende. Er steht am Atlantik und die wilde Brandung begrüßt ihn. Traurig schaut er hinunter von der Promenade. Ja, hier haben Matt und er sich kennen gelernt. Auf keinen Fall will er sehen, wie alle vor ihm sterben und er als letzter übrig bleibt. Da gehe ich doch lieber als erstes baden, kommt ihn der Gedanke und entschlossen stellt er die Tasche ab, zieht die Jacke und die Schuhe aus, legt alles daneben. Warum nicht jetzt Schluss machen, dann ist es vorbei mit der Angst. Endlich wissen wie das ist. Zitterig greift er zum Board. Der Wind ist kälter als er gedacht hat. Er geht über den weichen tiefen Sand. Einige Möwen fliegen kreischend auf, als er sich ihnen nähert.
    Vor der Brandung bleibt er stehen und betrachtet gleichgültig die untergehende Sonne, die zwischen dichten Wolken noch einmal kurz den Himmel und das Meer einfärbt. Seine Zähne klappern immer wieder aufeinander, das lässt sich gar nicht abstellen. Direkt am Meer ist der Wind schneidend kalt. Malte spürt das Wasser, dass unter ihm den Sand bewegt und nach seinen Zehen greift. Verdammt, ist das frisch, das Wasser. Jetzt ist es doch ganz einfach, reinspringen und lospaddeln. Mit einem lauten Schrei macht er seine Gedanken wahr und paddelt wie ein Verrückter. Ganz schnell bewegen, dann merkt man es nicht so. Als er die erste Welle durchtaucht, schneidet ein scharfer Schmerz seinen Kopf in mehrere Hälften. Die Ohren scheinen zu zerreißen. Er muss auftauchen, schnell, Luft, immer wieder schnappt er sie auf, hat das Gefühl, der Kopf fällt ihm ab. Die Hände sind steif gefroren und können das Board kaum noch halten. Schon erwischt ihn die nächste Welle. Was für eine scheiss Idee, ich will nicht sterben, macht sich etwas in ihm immer lauter bemerkbar. Die Welle versteht das, schleift Malte über die Sandbank und spuckt ihn am Strand wieder aus. Auf allen Vieren, das Board hinter sich herziehend schleppt er sich aus dem Wasser. Einen Moment atmet er schnell und ohne Unterbrechung, liegt einfach nur auf dem Sand. Der Kopf ist wie augepumpt, irgendwie befreit. Allmählich wird der Atem ruhiger. Die Kälte spürt er kaum noch. Malte betrachtet nachdenklich sein rotes Board, was für eine jämmerliche Selbstmordaktion, denkt er dann und schüttelt den Kopf. Er schaut sich hastig um, Gott sei Dank, hat ihn niemand dabei gesehen. Mühsam steht Malte auf, stapft schlotternd zu seiner Reisetasche zurück. Mit steifen Fingern zieht er seinen schicken Anzug heraus, den er vor Gericht getragen hat. Na, dann werde ich ja vor Matt und Zuzette mal einen richtig guten Eindruck machen, grinst er und mit zitternden Händen zieht er sich in aller Eile die kalten nassen Sachen aus.

    Im Vorgarten des kleinen Häuschens holt Malte noch einmal tief Luft bevor er dann entschlossen klingelt. Das Flurlicht geht an, durch die Scheibe sieht er Zuzettes Schatten kommen und er spürt wie es plötzlich warm wird in ihm. Ja er ist zuhause!

    2. Februar 2006 um 0:37 Uhr #59860
    trevira2000
    Gast

    Montalivet
    „Malte! Bonsoir mon cher!! Ca va?“ Zuzette strahlt Malte an und nimmt ihn fest in die Arme. „Merci, ca va bien, ou est Matt?“ „Der ist hier!“ antwortet da die weiche und dunkle Stimme Matts. Malte kann nichts sehen zwischen den vielen Haaren, nur den Duft von Zuzettes Parfum am Nacken riechen. Sie scheint ihn nicht mehr los lassen zu wollen. Einen Moment lässt sich Malte ganz fallen und genießt die Wärme, die Zuzette ausstrahlt. Ihre kräftige Umarmung ist wie ein Rettungsring, der ihn sicher über jede Brandung trägt. Sie löst die Arme sanft, um ihn unter Augenschein zu nehmen, streichelt über seinen nassen Kopf. „Lass dich anschauen mon cher, was hast du da für ein hässliches Ding an, und was ist mit deinem Kopf, du bist ganz nass!“ Kritisch wandert ihr Blick von unten nach oben, aber immer noch mit einem sanften Lächeln. „Naja, ich dachte ich mach mich mal hübsch für euch beiden,“ antwortet Malte zaghaft und schaut jetzt über die Schulter zu Matt, der hinter ihr steht, ganz ruhig, die Hände in den Taschen, lächelt er ihn an. „Deine Hände sind eiskalt und deine Lippen ganz lila. Man könnte meinen du warst surfen,“ meint sie und hält seine kalten Hände, „raus aus den schrecklichen Sachen, Schuhe aus und ab vor den Kamin.“ Malte löst sich von ihr und geht auf Matt zu, „Matt, schön dich zu sehen!“ sagt Malte unsicher und kommt sich ganz klein vor neben Matt, dabei ist er inzwischen sogar einen Tick größer. „Na mein Kleiner?“ Matt nimmt ihn in die Arme. Die Tränen kommen plötzlich, als wäre ein Hahn geöffnet worden, „oh Matt …. sorry, ich bin eine Memme …“, schluchzt Malte. „Hey… keine Angst, ich sag’s nicht weiter, Zuzette hat recht, du bist eiskalt und nass, scheinbar hat es nur auf deinem Kopf geregnet hmm? Komm rein, ans Feuer,“ sagt Matt und streichelt Malte über die tränennassen Wangen, „schön dass du da bist, ich habe dich sehr vermisst.“ Schweren Herzens löst Malte die Umarmung, „Matt es tut mir so leid, ich wollte dich nicht alleine lassen, ich bin ein verdammter Feigling.“ Matt lacht und verzieht dabei schmerzhaft das Gesicht, „du ein Feigling? Du bist ein bisschen verrückt aber kein Feigling.“
    Sie gehen ins Kaminzimmer. Hier riecht es nach Duftkerzen und Kaminfeuer. Chou Chou begrüßt den bekannten Gast mit einem freundlichem Miau und umstreichelt seine Beine, als der sich von seinem Anzug befreit und dankbar den Bademantel überzieht, den Zuzette ihm reicht. „Ach Chou Chou, du bist immer noch ganz der Alte, das ist fein,“ Malte streichelt sein weiches Fell, der bedankt sich mit einem tiefen Brummen. „Was ist eigentlich mit Struppi? Ist er mit nach Hamburg?“ fragt Matt und setzt sich auf das Sofa. „Struppi?“ entgeistert schaut Malte auf Matt und dann zu Zuzette, „Ach du scheiße!!! Ich habe ihn vergessen, verdammt ich alter Idiot, ich habe Struppi vergessen,“ schreit er dann panisch und Chou chou sucht erschrocken das Weite. „Vergessen? Ja, wo denn?“ fragt Zuzette. „Man ich habe ihn vergessen, was bin ich für ein Arsch,“ verzweifelt versucht Malte seine Gedanken zu sortieren, „in Paris war er noch bei mir, in Bordeaux , scheiße, am Flughafen! Der Arme sitzt immer noch in einer Tasche, irgendwo in der Halle am Förderband. Ich muss ihn holen, kann ich euer Auto bekommen?“ fragt er panisch. Zuzette nimmt fest seine Hände, „du machst jetzt gar nichts mehr, setzt dich da hin, beruhige dich, setz dich da in den Sessel, ich rufe beim Flughafen an, so ein Hund kommt nicht einfach weg!“ Malte könnte gleich wieder heulen. Was ist nur mit ihm los. Beschämt schaut er zu Matt, „kaum bin ich da mache ich Stress.“ Der grinst, schüttelt den Kopf „ja jetzt weiß ich was das war, was mir gefehlt hat, hier war es ganz schön langweilig ohne dich.“

    4. Februar 2006 um 0:29 Uhr #59975
    trevira2000
    Gast

    Bordeaux
    Bericht von Struppi

    Wer kennt sie nicht, die Geschichten von malträtierten Tieren, die kilometerweit nach ihrem Herrchen suchen mussten, alles fürs Herrchen tun würden, wie Lassie oder Wolfsblut, nur für ein bisschen Anerkennung in Form von Würstchen und Streicheleinheiten. Vollkommenes Vertrauen und Verlässlichkeit zeichnen uns treue Seelen aus und wie wird es belohnt? Zurückgelassen, vergessen, zu einer Nebenrolle verdammt. Man hat mir eine Rolle als Surfhund versprochen. Jeden Tag am Meer, den Geruch von Kokos in der Nase, Bällchen fangen in der Brandung, ungehemmtes Pinkeln in den Dünen, regelmäßiges französisches Hundefutter und mit dem Schwanz wackeln wenn der pubertierende Surfer aus dem Wasser kommt. Das hörte sich nach einer überschaubaren Story an, nach einem guten Drehbuch und was musste ich aushalten? Bei einer Französin mit Hundeallergie Trockenfutter fressen, mit einem Raucher in einem Auto sitzen, ins kalte Polen transportiert werden um sich in alten Fabriken den Arsch abzufrieren und herumfliegendem Blei aus dem Wege zu laufen, Polizisten in die Beine beißen, als wäre ich ein Scheusal.
    Apropos Beine, wer kommt denn da auf mich zu, eine Stewardess? Da werde ich mal auf ganz lieb machen. Immer ordentlich mit dem Schwanz wedeln und bloß keine Erektion kriegen wenn sie mich streichelt. „Schau mal, ist der nicht süß? Der Arme, den hat wohl jemand vergessen.“ Aua, muss das sein, an den Ohren bin ich so empfindlich, und jetzt kommt noch so eine Uniformierte, hoffentlich will die mich nicht auch noch streicheln. „Schau mal auf seine Hundemarke!“ Als hätte Malte jemals Hundesteuer für mich bezahlt, wenigstens hat er sich mal die Mühe gemacht und mir ein vernünftiges Hundehalsband gegönnt, diese blöden rot-weiß-gepunkteten Sabbertücher um den Hals sind doch würdelos. „Der hat keine Marke, vielleicht muss der in Quarantäne, was machen wir denn mit dem?“ Eine Schande. Quarantäne. Habe ich die Vogelgrippe, die Schweinepest oder den Rinderwahn? „Zum Infopoint, irgendjemand sucht ihn vielleicht schon. Na komm Kleiner, wie heißt du denn?“ Na toll, jetzt will sie auch noch, dass ich mit ihr spreche und wenn ich dann belle bekommt sie es mit der Angst zu tun und verstehen tut sie mich eh nicht. „Da ist ja der Lümmel! Der wird schon vermisst. Na komm her Struppi, du bist doch der Struppi?“ Was will der denn jetzt von mir? Scheinbar kennt der Mann dort meinen Namen. Ob das eine Falle ist? Vielleicht komme ich jetzt ins Tierheim, in ein Versuchslabor. Hmm jetzt lockt er auch noch mit etwas gut Riechendem. „Na, komm schon, hmm lecker Würstchen.“ Woher weiß der, das ich so gerne Chorizo Würstchen fresse? Das riecht verdammt nach den spanischem Würstchen. Da kann ich nicht nein sagen. Verdammt ist die lecker, dafür gehe ich sogar ins Tierheim und spiele das Waisentier. „So habe ich dich und jetzt geht’s ab, in der Halle wartet schon jemand auf dich!“ Aua, der harte Griff ums Halsband muss ja nicht sein, komme doch freiwillig mit, aber ich lasse mich natürlich auch gerne tragen.
    Oh, was für ein Duft? Dieser Duft erinnert mich an jemanden. Zuzette! Tatsächlich da ist sie ja. Nun lass schon los! „Jaja, ist ja gut, nun lauf schon!“ „Struppi, mein Kleiner komm zu mir, nicht so stürmisch! Ist ja gut!“ Erst will sie, dass ich komme und dann ist es ihr schon wieder zuviel, nie kann man es den Frauen recht machen. Ach herrlich wie sie riecht, ich liebe ihren Duft und ich liebe es, wenn sie französisch redet. „ Mon Chien, jetzt gehts endlich heim, du Armer, hat der Malte dich vergessen! Na komm. Ende gut, alles gut!“

    4. Februar 2006 um 16:48 Uhr #59992
    trevira2000
    Gast

    Epilog

    So die Staffel 3 ist zu Ende. Natürlich geht das Leben weiter, und das unserer Helden auch. Ich könnte jetzt noch erzählen, wie Furby einen neuen Job in Hamburg bekommt, dass das Fitnesstudio von Marc vor der Insolvenz steht und er um seine Existenz fürchtet, dass Maike endlich groß raus kommt mit ihren Werken und Karriere macht und das das natürlich zu Konflikten zwischen Marc und ihr führt. Ich könnte davon berichten, dass Malte erst einmal ein Urlaubssemester beantragt, und eine Einladung in die USA erhält, aufgrund des wieder gefundenen verschollenen Gemäldes; von Matt, der ein hartes Jahr vor sich hat und darum kämpft wieder gesund zu werden; von Tomasz und Mateusz, die das surfen lernen und Svenja, die sich unsterblich in eine Frau verliebt, und alles auf eine Karte setzt. Ach ja und Struppi nicht zu vergessen, der mit in die USA reist und dort fast unter die Räder kommt. Aber das ist dann schon die Staffel 4.
    Der dritte Teil ist ja etwas düster geraten, und ist bestimmt auch noch Verbesserungswürdig. Die überarbeitete Variante gibt es dann im pdf Format. Ich hoffe, ich habe euch nicht gelangweilt und die Winterzeit im Forum etwas verkürzen können, mir hat es jedenfalls Spaß gemacht, wenn es auch manchmal ganz schön stressig war. Ich freue mich über ernst gemeinte Fragen und Anregungen. Kritik ist auch zulässig. Aber seid nicht zu hart zu mir. Im März kann die 4. Staffel folgen. Sollten die Kritiken allerdings zu vernichtend ausfallen, dann wird die Serie natürlich eingestellt..
    Macht’s gut ihr Lieben!
    Trevira 2000

    5. Februar 2006 um 18:53 Uhr #60019
    trevira2000
    Gast

    Wer möchte, kann mir auch unter malteneumann@hotmail.com eine e-mail schicken, aber bitte keine spams und keine unseriösen Angebote 😉

    8. Februar 2006 um 19:49 Uhr #60133
    trevira2000
    Gast

    😯
    weia, nix ist auch irgendwie venichtend, sonst wird doch hier auch ständig alles mögliche geposted. Wer noch was loswerden will, kann das noch bis Montag, dann bin ich erstmal surfen … Horido

    8. Februar 2006 um 22:53 Uhr #60144
    clemens
    Gast

    ich trau mich nich hier reinzuschreiben 😉
    finds immer wieder entspannend deine story zu lesen.

    8. Februar 2006 um 23:00 Uhr #60145
    Mr.Zogs
    Gast

    respect,klasse sache,freu mich auf die nächste story! 😀

    9. Februar 2006 um 10:15 Uhr #60148
    trevira2000
    Gast

    danke 😀 , ich dachte schon ich liege voll daneben

    wer hier nichts reinposten will, aber was zu sagen hat kann mir ja auch hier über die Homepage ne Nachricht schicken.

    9. Februar 2006 um 12:39 Uhr #60155
    shakin_roga
    Gast

    jetzt wo dieses Thema offiziell frei gegeben ist, auch von mir noch ein Lob. Habe immer wieder reingeschaut, obs was neues bei Marc, Malte, Matt & Co. gab.

    Den Surf hast Du Dir verdient.

    Könnte mir auch ne Reisestory von Malte gut vorstellen.

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