Startseite Surf Forum Surfer Geschichten Crowds oder Kompromiss bei der Spotwahl?

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  • #31453

    JanJuc
    Mitglied

    Top Bedingungen und alle haben Zeit. Der / die am besten laufende(n) Spot(s) sind gerammelt voll – was macht ihr? Gesellt ihr euch dazu in der Hoffnung richtig geile Wellen abzugreifen oder weicht ihr lieber auf eine andere, leerere aber nicht so gute Welle aus?

    #131797

    Das kommt auch auf die Spots und die Crowds drauf an. 200 Leute in Snapper Rocks und ich geh sicher nicht dort ins Wasser. 40-50 an einem Spot an der Côte Basque und ich weiß, dass ich mir genug Wellen holen kann um dort zu surfen. Dazu kommt aber auch die Überlegung ob ich extra für einen Spot dort hingefahren bin zB. Lagundri, Cloudbreak, Bellsbeach, Mundaka etc. . Dann werd ich nicht auf die Low Key Spots ausweichen sondern will auch ein paar Wellen dort abstauben.
    Ausserdem wenn die eine Welle ein guter Point/Reef ist das super läuft und rundherum nur schlecht laufende Beach Breaks sind dann wird’s auch eine einfache Entscheidung.

    Also Zusammenfassend denke ich es hängt von:
    – dem eigenen Können
    – dem Können der Crowds
    – der Größe der Crowds
    – der Qualität des Spots
    – der Qualität der umliegenden Spots ab.

    #131800

    JanJuc
    Mitglied

    Hi surfingdudeibk,

    stimme Dir zu, dass es da auf einige Faktoren ankommt. Die Frage ist da vllt ein wenig einfach gehalten, war aber auch erstmal nur als ‘Anstoß’ gedacht. Hatte vorher eine Unterhaltung mit einem Kollegen über die Vorzüge bzw. Unterschiede beim Surfen von leeren und vollen Line-Ups.

    Mein Standpunkt: Für mich ist der Surf in leeren aber mittelmäßigeren Bedingungen in der Regel viel befriedigender als ein ‘Kampf’ an den besten Spots. Liegt natürlich zum Großteil daran, dass ich meistens zum unteren Teil der Pecking Order gehöre.
    Sein Standpunkt: Gerade durch den unvermeidlichen Leistungsdruck in vollen Line-Ups macht man schnelle Fortschritte und lernt einige Sachen vllt auch nur so.

    Ist sicherlich richtig und Fortschritte machen sollte man ja auch (wollen), allerdings finde ich, dass dieser Aspekt bzw. diese Verbissenheit oder dieser Druck eher im Gegensatz zu dieser zur Erholung oder zum Spaß dienenden Freizeitaktivität stehen.
    Das sieht ja zum Glück jeder (manchmal sogar von Tag zu Tag) auch anders. Ich wollte daher mal fühlen wie die Leute hier so dazu stehen, da mit der rasant (ge)wachsenden Surfgemeinde diese Frage ja nicht selten aufkommt.

    #131803

    Molengespenst
    Mitglied

    Meine Erfahrung der letzten 2,5 Jahrzehnte: Der Spot mit den meisten Leuten ist zwangsläufig der Beste, sondern meistens nur der Bekannteste. Das fällt mir immer wieder (nicht nur) im Nordsurf-Areal auf. Der gemeine (Nord-)Surfer ist als geselliges Herdentier bekannt und geht gerne dort rein, wo schon Leute drin sind, auch wenn er es nicht gerne zugibt. Der gemeine (Nord-)Surfer tritt gerne als Herde von 4 – … Leuten auf. An einem bekannten Spot, wo schon Leute drin sind und offenbar Spaß haben, will der gemeine (Nord-)surfer auf gar keinem Fall etwas verpassen, únd geht dort mit seiner Herde rein. Treffen mehrere (Nord-)surfherden am selben Spot aufeinander, ist es dort natürlich schnell voll, oder wie man so schön sagt: “crowded”. Während dessen ist es häufig nicht sehr weit entfernt vom am “besten laufenden Spot” gefühlt noch besser. Es bekommt nur “leider” keiner mit, da Herdentrieb und die damit verbundene Angst, etwas am vermeintlich am besten laufenden Spot zu verpassen größer ist, als der eigene Antrieb, etwas weiter nach unbekannteren, leeren und nicht selten besseren Spots zu suchen.

    #131804

    scripps
    Surfer

    Also ich surfe ganz klar lieber an einem etwas schlechteren Spot oder nen schlechteren Peak, als dass ich mich mit großen Crowds auseinander setze. Das ist mir viel zu stressig und dieser Konkurrenzgedanke ist nichts für mich. Das geht soweit, dass ich wahrscheinlich nicht mal wo hinfliegen würde wo überfüllte Line-Ups zu erwarten sind – auch wenn ich gerne mal in die ein oder andere Region (zum Surfen) reisen würde.
    Dein Kumpel hat aber schon recht, dass man es nie lernt sich auch mal durchzusetzen, wenn man große Crowds immer vermeidet.

    Der entscheidende Faktor für mich ist aber eigentlich, ob man Travelsurfer ist oder vor Ort wohnt. Fliegt man z.B. extra für teuer Geld nach Kalifornien um Lowers bei nem perfekten SW Swell zu surfen, paddelt man verständlicher Weise eher raus, trotz der 100 anderen – wahrscheinlich auch viel besseren – Surfer. Als ich dort gewohnt habe bin ich eigentlich fast nie dort raus, weil ich hinterher nicht einmal wirklich zufrieden/glücklich war…

    Vorgestern wurde Lower Trestles – übrigens an einem der besten Tage des bisherigen Sommers – von einer Herde “Verrückter” übernommen. Paar Kumpels von mir waren auch dabei. Wie würdet ihr es sehen wenn das euch passiert während ihr dort surft. Mitmachen? Auf anderen Spot ausweichen? Oder dem ganzen mit Aggresivität/Gewalt gegenübertreten?
    Hier das Video:
    45758908

    #131823

    boland1
    Mitglied

    Molengespenst hat es absolut auf den Punkt gebracht…man kann sehr geile Wellen mit wenig Leuten haben, wenn man sich selber etwas auf die Suche macht, anstatt sich der bequemlichkeithalber einfach mit zu anderen zu setzen…

    Ich finde bei 40-50 Leuten ist die Wellenausbeute auch schon sehr gering, das liegt nicht nur am Können, sondern einfach in der Natur der Sache, dass einfach viel zu viele Leute immer Vorfahrt haben und die Wartezeit bis man dann mal an der Reihe ist mir einfach zu lang ist. Wenn ich nur alle 30min ne Welle haben kann, dann bin ich lieber weiter inside und staube die kleinen ab die keiner will…so kannst du oft eine nach der anderen zocken während die anderen sich draussen an der Peak abmühen…

    @scribbs
    Was ist denn der Hintergrund der Aktion? FB-Party oder ist das jeden Freitag den 13.?

    #131829

    dr-surf
    Moderator

    @scripps
    ha ha! Sehr coole Aktion. Der einzige Grund, warum die diese Aktion überlebt haben, wird die schiere Größe der Gruppe gewesen sein.

    Normalerweise wird man in Lowers an Land geschickt, wenn man 2x jemandem reindroppt. Vollheitsfaktor: normal für einen guten Tag.

    Ich habe auch schon freiwillig Line Ups verlassen und mich mit schlechteren Spots begnügt, auch wenns schlecht fürs Ego ist. Erlebe es aber immer wieder mal, dass eine winzige Gruppe (4-5 langen aus) Buddies, die alle alle recht gut surfen ein komplettes Line Up kontrollieren können. Es ist IMMER einer von denen auf ner Welle, während 2 andere direkt am Peak sitzen und gnadenlos um jeden Surfer rumpaddeln bzw. Wellen blocken während die zwei übrigen schon wieder aufm weg zurück ins Line Up sind. Bei ständiger Aufgabenrotation (blocken, herumpaddeln, surfen während die anderen blocken) ist das zwar ziemlich arschlochmäßig, allerdings auch ziemlich effizient und hält alle anderen vom surfen ab.

    #131849

    kaisen
    Surfer

    Ich hab die letzten Jahre immer weniger Bock auf crowds, außer wenn es sich um einen Weltklasse-Spot bei sehr guten Bedinungen handelt. Ich würde Molengespenst auch dahin zustimmen, dass die meisten Surfer (auch die Locals) Herdentiere sind, die auch besseren Wissens einen gut laufenden Spot auslassen, weil woanders die homies/kameras/der bessere Parkplatz/zu beeindruckende Groupies sind. als ich vor 5 jahren in kapstadt gewohnt habe, hab ich sehr oft Llandudno morgens alleine oder maximal mit 5 anderen gesurft. Seit Jordy Smith da wohnt, ist es wohl gerammelt voll.
    Dazu gibt es bei vielen reisezielen(in Nordspanien und Portugal zb) viele riffe/points, die selten laufen. Wenn man irgend wann mal da lange oder oft genug war, weiß man auch, bei welchen Bedingungen diese kleinen Juwelen laufen und kann die auch alleine oder mit sehr wenigen Locals surfen. In Frankreich gilt das auch außerhalb der Sommerferien für gute Sandbänke, die ein wenig von den Zugängen entfernt sind.
    Die Jahreszeit spielt natürlich auch eine rolle. In Portugal surfen selbst viele Locals im Januar/Februar nur an den besten tagen, weil es ihnen zu kalt ist. Wenn Ende März dann das erste mal es wieder um die 25 Grad sind, wird es hammervoll, aber davor sind auch die guten Wellen angenehm leer.
    dazu gibt es selbst in Europa noch sehr gute Surfgebiete, die zwar bekannt sind (zb im Stormrider Guide), aber kaum besucher anziehen, weil es zu kalt oder zu weit von Bevölkerungszentren/autobahnen ist. Die relation Gute Wellen= Crowds, weniger Leute=schlechtere Wellen sehe ich nicht zwingend, außer in Gebieten mit riesigem Crowddruck
    Auf ein paar surfreiseziele wie die Gold Coast, Sydney, SoCal (3 Tage rincon haben mir gereicht), Rio und Oahu werde ich aus Crowdgründen wohl verzichten.
    Ich vergesse dabei auch nicht, dass Travelsurfer gegenüber den Locals oft den Zeitluxus haben, andere Spots zu suchen, weiter zu laufen/zu fahren, weil man ja nicht in 2std auf der Arbeit sein muss.
    das Argument mit dem Leistungsdruck hab ich auch schon gehört, bei mir funktioniert das eher im gegenteil. wenn mir zu viele Leute zuschauen, bekomme ich nichts mehr hin

    #131853

    Was bist jetzt noch keiner angesprochen hat ist das Timing. Man hat ja die Möglichkeit sehr gute Spots ohne große Crowd-Probleme zu surfen, wenn man wirklich beim ersten Morgengrauen vor Ort ist. Gerade an den Tagen an denen die Vorhersage so ist, das man denkt: Naja, könnte vielleicht was werden, aber vielleicht ist es auch total Scheiße. Dann steht man am Spot, kein Mensch ist im Wasser und es ist richtig gut. Meiner Erfahrung nach kann man selbst an den wirklich bekannten Spots 1-2h sehr entspannt surfen, wenn man früh aufsteht.

    Die besten Surfsessions hatte ich entweder in der Früh, oder kurz vor Sonnenuntergang.

    Unter Tags und bei Crows kommt es auf den Spot und auf die Leute im Wasser an. Gibts nur eine kleine Takeoff-Zone und eine Gruppe Locals im Wasser, die sich alles schnappt (oder noch schlimmer wie in Portugal Bodyboarder…) dann weiche ich wenn möglich aus.

    #131864

    Aqualife
    Mitglied

    Ganz simpler check:
    1)Bist du besser oder mindestens genauso gut, wie die im Wasser, die Wellen bekommen? Wenn ja, surfe, egal, wie voll es ist.
    2) Gibt es ‘unridden’ waves? Dann ist definitv noch Platz, werden sogar die ‘leftovers’ von Surfern genommen (Wellen, wo jemand fällt, end sections etc), dann musst Du besser sein als die, die ohnehin schon surfen, sonst kriegst Du nichts ab.
    3) Bist du ein ‘name collector’ surfer – musst Du unbedingt die Namen-Wellen surfen oder bist Du ok damit, vielleicht eine Bucht weiter zu gehen?

    Crowds sind relativ – es kann voll sein und ‘ge-ordnet’ (Hawaii, Tahiti, El Salvador) und voll und chaotisch.

    Letztendlich ist Deine Surf Session nur so gut, wieviel Du Spass und Wellen gehabt hast, wenn Du nur zuschaust und fluchst, dann kommst Du bestimmt nicht glücklicher aus dem Wasser, als Du rein bist.

    #31454

    JanJuc
    Mitglied

    Danke fürs Feedback! Deckt sich ziemlich mit meiner Haltung, aber dennoch sehr aufschlussreich!
    Hatte gestern übrigens eine tolle Session in einem sehr lebendigen line-up. Hab immer schön weiter ‘inside’ gesessen und einige tolle Ritte auf den ‘leftovers’ gehabt. War sehr zufrieden :silly:

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