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aus vollstandigkeitsgründen, hier noch die infos zum letzten tag:
Billabong Pro Mundaka 2006 – Tag 12 / Finale
Kelly Slater gewinnt seinen achten Weltmeistertitel und Rookie Bobby
Martinez gewinnt den Billabong Pro Mundaka
Billabong Pro Mundaka
Association of Surfing Professionals (ASP)
2006 Foster’s Men’s World Tour
Mundaka, Euskadi-Spain
October 3 to 14, 2006
$US 280.000,–
Ein wunderschöner Morgen, den uns das Baskenland an diesem Freitag den 13.
bescherte. Keine einzige Wolke am Himmel, Temperaturen um die 10 Grad und
eine Herbstsonne, die sich gerade so über die umliegenden Hügel von
Mundaka erheben kann. Ein Tag für Champions!!!
Bereits zum 09.00Uhr Call konnte man die einlaufenden Sets deutlich
erkennen. Das Hochwasser verhinderte allerdings ein Brechen der Wellen
über der Sandbank am Eingang der Flussmündung. Das einsetzende
Niedrigwasser sollte die Bedingungen leicht verbessern, auch wenn es nicht
so stark ausfallen sollte, wie an den vorherigen Tagen. Der Swell kam
heute nicht ganz 100 prozentig aus der richtigen Richtung (WNW bis NNW),
sollte aber stark genug sein, um bis zu 1,5m Wellen zu produzieren. Mit
dem leichten Offshore-Wind standen ein paar feine Mundaka-Wellen bereit,
um ein standesgemäßes Ende des Billabong Pro Mundaka zu erleben.
Der Headjudge und Contest Director Mike Parsons zögerten die Fortsetzung
des Billabong Pro Mundaka mit dem letzten Heat des Viertelfinales
möglichst weit nach hinten hinaus, um beste Bedingungen für den Showdown
zu garantieren. Idealerweise sollte das Finale möglichst gleichzeitig mit
dem Tiefstand des Niedrigwassers um 15.55Uhr aufs Wasser geschickt werden.
Kurz nach 14Uhr wurde der erste Heat des Tages zwischen Taj Burrow (AUS)
und Dean Morrison (AUS) gestartet. Für Burrow, der rechnerisch noch die
Chance auf den WM-Titel hatte, ging es folglich nicht nur um den Sieg in
Mundaka, sondern um einen möglichen Weltmeistertitel. Während des gesamten
Heats kamen kaum gute Wellen in die Flussmündung, so dass die Auswahl der
richtigen Wellen entscheidender den je für den Ausgang des Heats sein
sollte. Bei kleinen 0,5m bis 1m Wellen konnte Burrow nur insgesamt fünf
Wellen während des 35-minütigen Heats surfen und dabei lediglich insgesamt
12,00 Punkte erreichen. Das sollte gegen einen sehr konzentriert surfenden
Deam Morrison mit 13,50 Punkten am Ende nicht ausreichen. Nach Ende des
Heats schlug Burrow wütend die Fäuste ins Wasser und liess sich von einem
Jetski an Land bringen. Dieser Freitag der dreizehnte bewahrheitete sich
als Pechtag für Burrow, da die besseren Wellen definitiv für seinen
Landsmann Dean Morrison brachen. Ein sichtlich enttäuschter Taj Burrow
verliess noch vor dem Ende des zweiten Halbfinales das Contestgelände mit
seiner Freundin Cheyenne.
Mit Burrows Niederlage im Viertelfinale blieb nur noch Joel Parksinson
(Coolangatta, Australien) als letzter Verfolger von Kelly Slater übrig. In
diesem ersten Halbfinale hatte Kelly Slater also frühzeitig die
Möglichkeit sich den Titel zu sichern, wenn er den Australier schlagen
würde. Ähnlich wie im Viertelfinalheat zuvor, präsentierte sich die
Wellensituation auch jetzt nicht gravierend besser. Gleich zu Beginn
erwischte Slater eine kleinere Welle, die ihn mit 2,67 Punkten in die
Wertung brachte. Parksinson konterte wenig später mit einer sehr lang
laufenden Welle, die ihm immer wieder neue Sektionen eröffnete. Mit 6,67
Punkten ging der Australier kurzzeitig in Führung. Jetzt war Slater
gefordert, und wie man es von ihm kennt lief er unter dem Druck und mit
dem Titel vor Augen zu Bestform auf. Ziemlich genau zur Mitte des Heats
holte sich Slater die Führung zurück und gab sie bis zum Ende nicht mehr
aus den Händen. Gerade als Parkinson noch mal angreifen wollte und er nur
um 0,02 Punkte den Score verfehlte, der ihm die Führung zurückgebracht
hätte, punktete Kelly mit einer 9,17. Der Heat und somit auch der Wettlauf
um den Weltmeistertitel war entschieden.
Als Slater mit dem Jetski zurück an Land gebracht wurde, empfingen ihn
Freunde, Kollegen und Fans mit riesigem Jubel und die ersten T-Shirts mit
einer grossen Acht auf der Vorderseite machten die Runde. Aus Slater wurde
Sl8er (engl. eight).
„Im Vergleich zu den letzten Jahren war es dieses Jahr irgendwie weniger
Stress. Ich hatte einen guten Lauf, die Ergebnisse haben gestimmt und ich
habe mich eigentlich nicht zu sehr drum geschert. Aber jetzt bin ich nur
noch glücklich! Ich habe früher mit mir selber dieses Spiel gespielt.
Immer wenn ich eine Welle angepaddelt habe, dann habe ich mir gesagt, wenn
ich die bekomme, dann gewinne ich so und soviele Weltmeisterschaften. Ich
weiss nicht mehr welche Nummern ich da reingebracht habe, aber acht klingt
für mich jetzt ziemlich gut. Dann noch hier vor diesen tollen Leuten alles
klar machen zu können, ist doppelt schön“, kommentierte ein sichtlich
entspannter und relaxter Slater direkt nach seiner Titelverteidigung
seinen fantastischen Erfolg.
Im zweiten Halbfinale bewies der Amerikaner Bobby Martinez, dass er ein
ganz heisser Anwärter auf den Titel Rookie (erstes Jahr auf der WCT) des
Jahres ist. Martinez hatte bereits gestern den dreimaligen Weltmeister
Andy Irons besiegt und sich so in dieses Halbfinale gesurft. Auch vor Dean
Morrison machte der Kalifornier aus Santa Barbara keine Halt. 15,57 Punkte
waren zuviel für Morrisons 11,60 Punkte. Das rein amerikanische Finale
lautete also Slater gegen Martinez.
Auch im Finale, das beide Surfer mit einer Partie Schere-Stein-Papier im
Line Up eröffneten, schrieb Martinez seine Erfolgsgeschichte fort. Im Mai
hatte er bereits den Billabong Pro Tahiti gewonnen und auch hier in
Mundaka sollte er als Sieger aus dem Wasser kommen. Unabhängig von den
Titel-Feierlichkeiten wenige Minuten zuvor versuchten beide Athleten alles
zu geben. 8,83 Punkte und 7,57 Punkte mit seiner letzten Welle waren eine
deutliche Ansage und eine Demonstration von exzellentem Surfen durch Bobby
Martinez, dem der frisch gebackene Weltmeister kein Mittel entgegen zu
setzen hatte. Das Ergebnis: Slater Weltmeister und Martinez Sieger des
Billabong Pro Mundaka. „Ich kann es noch garnicht glauben. Ich bin so froh
überhaupt hier zu sein. Ich habe so lange in der WQS rumgemacht und dann
habe ich endlich die Chance bekommen hier dabei zu sein, und dann will ich
bei jedem Contest halt auch das Beste geben. Für mich geht es nur darum
mich für das nächste Jahr wieder zu qualifizieren, und das von einem Event
zum nächsten. In meinen Träumen hätte ich niemals daran geglaubt einen
solchen Event gewinnen zu können, und jetzt ist es schon wieder passiert.
Ich kann es echt noch nicht glauben. Kelly ist mein Held seitdem ich das
erste Mal von ihm gehört habe und seit ich ihn surfen gesehen habe. Heute
dann gegen ihn im Finale da draussen zu sitzen, nachdem er Weltmeister
geworden ist, war cool. Wir haben uns unterhalten und rumgealbert und
dabei noch ein paar gute wellen gesurft.“
Bobby Martinez hatte sich in den Tagen hier in Mundaka mit seiner
freundlichen Art und seiner positiven Ausstrahlung zu einem
Publikumsliebling entwickelt. Als ihn der Jetski entlang der Steilküste,
an der alle Zuschauer standen, vorbei fuhr, wurde er mit Jubel und
frenetischen „Bobby!“-Rufen von den Basken beglückwunscht. „Ich geniesse
die Unterstützung der Leute hier in Mundaka sehr. Vielleicht liegt es an
meinem spanischen Nachnamen, aber sicher nicht an meinen miserablen
Spanischkenntnissen, das mich die Leute hier so mögen!“ Nach der
Siegerehrung war es dann Zeit für eine spezielle Tradition: der Sieger
wird von der Bühne wenige hundert Meter zum Hafen getragen und dort von
der Kaimauer ins Hafenbecken von Mundaka geworfen. Diese Ehre war zuletzt
Luke Egan 2004 zuteil geworden und heute gingen nicht nur der Sieger
Martinez, sondern auch der frisch gebackene Weltmeister Kelly Slater
„baden“.
Trotz seiner bitteren Niederlage gegen Slater im Halbfinale, verliess Joel
Parkinson den Billabong Pro Mundaka dennoch mit einem grossen Lächeln auf
dem Gesicht. Er war heute um eine $US 10.000,– teure Uhr, beim Nixon Tube
Time Award, reicher geworden. 4,56 Sekunden hatte Parkinson in einer Tube
verbracht und konnte so den einmaligen und exklusiven Preis für sich
verbuchen.
Das war es somit vom Billabong Pro Mundaka 2006. Es gab Gewinner, ja sogar
Weltmeister zu sehen, es gab Niederlagen und Enttäuschungen und es gab
insbesondere fantastisches Surfen der 45 besten Surfer (und drei
Wildcards) der Welt. Mundaka ist nach einem Jahr Pause definitiv zurück
und hat seine Ausnahmestellung innerhalb der WCT abermals bewiesen. Sollte
irgendwer einen der Heats des Billabong Pro Mundaka verpasst haben, dann
gibt es unter http://www.billabongpro.com die Chance jeden Heat, jede Welle und
all die Aktion immer und immer wieder anzusehen. Vielen Dank für die
Unterstützung und bis zum Billabong Pro Mundaka 2007 in einem Jahr! Besos!
Viertelfinale:
Quarterfinal 1: Joel Parkinson (AUS) 16.34 def Mick Fanning (AUS) 15.33
Quarterfinal 2: Kelly Slater (USA) 13.23 def Tom Whitaker (AUS) 7.93
Quarterfinal 3: Bobby Martinez (USA) 12.40 def Andy Irons (HAW) 11.40
Quarterfinal 4: Dean Morrison (AUS) 13.50 def Taj Burrow (AUS) 12.00
Halbfinale:
Semifinal 1: Kelly Slater (USA) 16.50 def Joel Parkinson (AUS) 14.14
Semifinal 2: Bobby Martinez (USA) 15.57 def Dean Morrison (AUS) 11.60
Finale:
Bobby Martinez 16.40 def Kelly Slater (USA) 14.27
