Bliss Surfboards

Willkommen zurück zu „6 Fragen an„, der Reihe, in der wir euch lokale Shaper und Boardlabels näherbringen. In dieser Ausgabe stellen wir euch Bliss Surfboards und ihren Gründer Malte Schreer vor. Malte hegt nicht nur eine tiefe Leidenschaft für Holz-Surfboards, sondern findet auch in seiner Musik den perfekten Ausdruck dafür.

Seit wann gibt es Bliss Surfboards?
Mit dem Bau von Alaia Surfboards beschäftige ich mich seit 2014, Bliss Surfboards als Marke gibt es seit 2015. Angefangen hat alles als kleine Leidenschaft in meiner Werkstatt und dem Showroom meines kleinen Surfshops in Koblenz. Meine Neugier wurde damals geweckt, als ich einen Film über den australischen Shaper Jon Wegener sah. Das finnenlose Surfen auf handgeshapten Boards hat mich sofort fasziniert.

Warum hast du Bliss Surfboards gegründet?
Zum einen war es die bereits beschriebene Faszination für sehr traditionelle Holzboards, die ohne viel Werkzeug hergestellt werden können. Meine Frau Anika und ich hatten damals schon eine kleine Serie eigener Straßen-Longboards produziert, die mit 4‘ und 6‘ Länge das echte Longboard-Feeling auf die Straße bringen sollten. Die „Cruzboards“ bedeuteten für uns 100% Bambus, 100% Surfspirit. Daraus entstand die Idee, extrem natürliche und vor allem ursprüngliche Boards aus Holz zu entwickeln und zu bauen, die die Umwelt nicht belasten. Daraus ist im Laufe der Zeit eine Marke entstanden, aus der sich eine kleine, aber feine Community entwickelt hat.


Ich wollte Boards bauen, die nicht nur gut funktionieren, sondern bei denen man merkt, dass viel Herzblut drin steckt. Boards, die in der langen Welle leben und nicht von der Stange kommen. Die Idee war, das Surfen auf seine Essenz zurückzuführen: Einfachheit, Freude, Flow. Der Name „Bliss“ steht genau dafür – dieses Gefühl der absoluten Glückseligkeit auf dem Wasser.

Mit welcher Technologie baust du Boards?
Zuerst habe ich mit Paulownia-Brettern aus dem Baumarkt experimentiert. Meine ersten Alaias waren Bretter ohne Finne, die noch so dünn waren, dass ich kaum Spielraum für konkave Designs hatte. Neben den Alaias habe ich damals auch Bodyboards, Paipos und Handplanes gebaut. Später kamen Blanks aus Paulownia dazu, die ich aus Portugal bezog. Diese Blanks waren wesentlich stabiler, hier hatte ich viel mehr Möglichkeiten. So konnte ich unter anderem komplett neue Alaias bauen, die ich teilweise mit einem oder zwei Stringern verstärke, da sie am Tail als exponierter, minimalistischer Stringer für ein kontrollierteres Fahrverhalten sorgen.
An Werkzeugen verwende ich neben verschiedenen Hobeln nur diverse Schleifwerkzeuge, Sägen und Fräsen. Nach dem Shapen versiegele ich die fertigen Boards mit einem speziellen Leinenlack, der die Boards dauerhaft resistent gegen Salzwasser macht. Glasfasermatten, Epoxy, Polyester und andere Chemikalien erspare ich so den Boards und der Umwelt.

Welches Board Modell ist dein Bestseller?
Am beliebtesten sind eigentlich die Bodyboards und die Alaias mit Stringer. Ich bekomme immer noch Fotos von Leuten, die vor Jahren die ersten Bliss-Surfboards bei mir bestellt haben und immer noch viel Spaß damit haben.

Kann man bei dir Custom Shapes bekommen?
Natürlich, denn ich habe keine fertigen Boards auf Lager. Da die Boards aufgrund ihres kaum vorhandenen Auftriebs besonders individuell an die Wünsche der Kund*innen angepasst werden müssen, finden wir in Gesprächen gemeinsam heraus, was das ideale Board ausmacht. Erst dann geht es ans Sägen, Hobeln und Schleifen…

Was sollte man sonst noch über Bliss Surfboards wissen?
Unser Surfshack gibt es schon lange nicht mehr, deshalb habe ich aus Kostengründen auch die Werkstatt aufgegeben. Im Moment baue ich also nicht. Es gibt zwar eine kleine Warteliste, ein Surfer wartet schon lange auf die Fertigstellung seines Bodyboards. Sobald ich einen Platz finde, wo die Bliss-Geschichte weitergehen kann, wird er der erste sein, der ein neues Board bekommt.
Allein durch Bliss habe ich so viele tolle Erfahrungen gemacht, die ich nicht mehr missen möchte. Es gibt zum Beispiel ein Surfwax-Museum in Oregon, das unser vollständig biologisch abbaubares Wachs ausstellen wollte. Die weiteste Anfrage kam aus Aceh, Indonesien, von einem sehr, sehr jungen Surfer, der durch den großen Tsunami alles verloren hat. In Australien fand ich meine Entwürfe mit den ausgestellten Stringern wieder. All diese Wertschätzung spiegelt für mich dieses besondere Glück wider, das vielleicht die wichtigste Substanz in all meinen Boards ist…

Wenn ihr mehr über Malte und Bliss Surfboards erfahren wollt, besucht ihn auf Instagram, auf seiner Website oder schaut und hört mal bei Spotify rein.

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