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Uli Scherb Interview

von Soul-Surfers

Uli ist eines der ersten deutschen Opfer des Kultfilms „Christal Voyager“, hat sich Mitte der Achtziger Jahre das erste Surfbrett gehobelt, 1988 als Surflehrer angefangen, war fleißiger – und erfolgreicher – Contest Surfer der ersten Stunde, ist inzwischen als Coach und Judge in der deutschen Contest Szene unersetzlich, hat „nebenbei“ mit Wavetours einen der größten Camp Anbieter aufgebaut und ist – obwohl bereits Ü40 – immer noch so gierig auf Wellen, dass er Wert darauf legt, spätestens 2 Stunden nach Ankunft an einem Reiseziel auf´s Wasser zu kommen.

Woher wir das wissen?
Im Januar haben wir Uli zur Fahndung ausgeschrieben mit folgendem

Und nachdem ihn Interpol irgendwo zwischen Frankfurt und Bali aufgetrieben hat, haben wir ihn ins Kreuzverhör genommen:

Uli ScherbUli Scherb
Malediven April 2004
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Was hat Dich dazu gebracht mit dem Surfen anzufangen?
Uli: Mein damaliger bester Freund hatte mich zum Filmfest München 1984 in den Film „Crystal Voyager“ mitgeschleppt. Eine Doku über einen durchgeknallten Hippie, der an einsamen Stränden perfekte Wellen surft, mit sensationellen Unterwasseraufnahmen. Wir waren sofort hin und weg und es stellte sich nicht mehr die Frage ob, sondern wann und wie!

Wo und in welchen Bedingungen surfst Du am liebsten?
Uli: Am liebsten Riff oder Shorebreak wenn die Wellen genug Kraft haben und sich die „Shortboard-oder-Fish-Frage“ sowieso erübrigt.

Du hast ja eine imposante Liste an schon besuchten / gesurften Gegenden. Wo hat es Dir am besten gefallen und warum? Wo musst du in diesem Leben unbedingt noch mal hin?
Uli: Da ich gerade da bin: Bali. Die Vielzahl der Spots ist schier unglaublich und seit meinem letzten Besuch vor zwei Jahren gibt es mindestens 10 neue, zuvor nicht bekannte Spots wie z.B. Keramas. Ganz sicher gehören Costa Rica und Neuseeland auf die Liste aber auch Fuerte: das war mal für 5 Jahre eine richtige Sucht bzw. meine zweite Surfheimat und ich war bis zu 3 Mal in einem Winter dort.

Da Du schon auf den britischen Inseln surfen warst gehe ich davon aus, dass du weißt wie es ist, dicken Gummi auf dem Leib zu tragen. Boardshort surfen kennst Du auch. Welchen Dress ziehst Du vor?
Uli: Ganz klar die Boardshort; im warmen Wasser sind die Muskeln viel lockerer und man geht auch eher mal „just for fun“ wenn es nicht so wirklich gut ausschaut raus.

Welche Bedeutung hat Wettkampfsurfen für Dich? Braucht Surfen Wettkämpfe?
Uli: Mir persönlich hat Wettkampfsurfen noch mal einen Motivationsschub gegeben und es fasziniert mich heute noch, auch wenn ich mittlerweile mehr in die Organisation involviert bin.
Wir verdanken dem Wettkampfsurfen eigentlich die wichtigsten technischen Errungenschaften. Ähnlich wie beim Skifahren oder Motorsport wird hier das Material in Extremsituationen getestet und weiterentwickelt. Das Schöne aber ist, dass Surfen auch hervorragend ohne Wettkampf funktioniert und wenn man mit beiden Seiten etwas anfangen kann hat man sogar noch mehr Spaß.

Du unterrichtest seit über 20 Jahren Surfschüler. Macht das noch Spaß oder ist das zu einem reinen Job geworden (ehrliche Antwort bitte….)?
Uli: Also ehrlich gesagt unterrichte ich schon seit ca. 10 Jahren nicht mehr selbst, dazu habe ich bei Wavetours viel zu viel geschäftliche Verantwortung. Als ich anfing, während des Surfunterrichts an das Fax oder das Telefonat, dass noch erledigt werden musste, zu denken fand ich das den Surfschülern gegenüber unfair und ich habe gemerkt, dass es Zeit wird mich als Lehrer zurückzuziehen.

Wie hast Du denn das Wann und vor allem das Wie am Beginn Deiner Surfkarriere gelöst? Surfschulen gab es damals ja nicht so viele und über das richtige Brett zum Anfangen war damals auch nicht so viel bekannt (ich z. B. hab mir damals als passabler Windsurfer mit Wellenerfahrung in völliger Fehleinschätzung ein 6,4er Surfbrett selber geshapt und mich dann gewundert, warum ich auf keinen grünen Zweig kam…)?
Uli: Ich hatte Uli Richters sogenannte „Surffibel“ von 1978; das erste und mittlerweile längst vergriffene deutschsprachige Buch über Wellenreiten, darin waren Outlines, Länge und Breite von verschiedenen Shapes. Mein Kumpel Alex, ein passionierter Windsurfer, meinte „kein Problem, das kriegen wir schon hin“. Und los gings mit Styroporblock, Heißdrahtsäge, Hobel, Glasmatten und Epoxyharz. Das Ergebnis war dann auch ein komischer Zwitter mit der Volumenverteilung und den Rails eines Windsurfers und der Outline eines Wellenreitboards. Damit hab ich mich die ersten zwei Jahre rumgeschlagen bis ich später auf Sri Lanka mein erstes richtiges Brett erstand.
Witzigerweise hat Alex dann auch noch im „Squashpalast“, kurz vor meiner Abfahrt nach Frankreich, ein Plakat einer Surfschule entdeckt und so kam ich überhaupt in die Surfschulgeschichte.

Die meisten Surfcamps sind ja auf ein Klientel von studierenden Menschen in den Zwanzigern ausgelegt, die recht viel Zeit haben und neben dem Surfen viel Wert auf Partys und Kontakt zum anderen Geschlecht legen (zumindest ist das meine Einschätzung aus der Ferne, ich war nie selber in so einem Camp). Reicht das auf die Dauer als Geschäftsgrundlage? Habt Ihr auch Campkonzepte die auf ältere Anfänger oder auf gestandene Surfer mit mehr Geld und weniger Zeit ausgelegt sind?
Uli: Wavetours hat sich eigentlich nie als Jugendreiseveranstalter definiert und so leben unsere Camps auch heute noch von dem interessanten Mix verschiedener Leute. Ausserdem hat sich die Fortgeschrittenenschulung sehr etabliert und besonders stark sind im Moment die Angebote für Kids und Familys im kommen. Auch für die gestandenen Surfer haben wir gute Möglichkeiten: Guided Tours und Premium Surf auf Bali, in Südafrika oder Brasilien bietet sich da an.

Wenn Du auf Reisen gehst, legst Du dann Priorität auf maximale Wellenausbeute in optimalen Wellen oder gehört das Entdecken von Land & Leute & neuen Spots für Dich genauso mit dazu?
Uli: Da ich leider nicht so viel Zeit zum Reisen habe wie die meisten denken, lege ich den Fokus eher auf die Wellenausbeute. Deshalb besuche ich auch meist die Camps unserer Partner, wo ich mich auf die „local knowlege“ verlassen kann und oft schon zwei Stunden nach der Landung zur ersten Surfsession komme. Keine Zeit verlieren mit der Suche nach Unterkunft, Leihwagen oder Spots und streßfrei mindestens zweimal pro Tag surfen ist meine Devise.

Wie viel bekommst Du von dem Teil der deutschen Surfszene mit, für die Surfen nicht „nur“ ein Urlaubssport ist, sondern ein Ganzjahressport an Nord- und Ostsee? Warst Du selber schon mal in heimischen Gewässern surfen?
Uli: Da ich ja 16 Jahre in München gelebt habe und die „alte Garde“ von Eisbach und Floßlände gut kenne, ist der Kontakt immer noch da. Natürlich war ich auch selbst aktiv auf der Isar und vermisse die Möglichkeit mal vor oder nach der Arbeit eine Session einzulegen. Zu Syltern gibt es immer wieder Kontakte über die DM und als Begleiter des deutschen Teams bei internationalen Wettkämpfen. Auf Sylt habe ich `94 und `95 zweimal das „Fun&Contest Weekend“ organisiert und da war ich natürlich auch selber surfen.

Was denkst Du wie sich das Surfen in Deutschland entwickeln wird? Wird das ein etablierter Sport oder fallen wir wieder in eine Nische zurück (was viele möglicherweise gar nicht so schlecht finden würden….)?
Uli: Ich denke dass wir nach wie vor in einer Nische sind, wenn man vielleicht von 50 bis 100.000 aktiven Surfern ausgeht (Leute die mindestens einmal im Jahr ein bis zwei Wochen Surfen gehen), ist surfen angesichts von Millionen Skifahrern und Snowboardern doch immer noch eine Randsportart. Für Viele besteht ja gerade der Reiz darin etwas „Besonderes“ zu tun, sich vom Mainstream abzuheben. So weit so gut, aber haben die selbsternannten deutschen „Core Surfer“ jetzt Angst, daß ihr Abenteurerimage zu Schaden kommt oder wie soll ich deine Frage verstehen?
Wir sind doch alle schizophren wenn man es genau nimmt: wir haben einen super Surf alleine oder mit ein paar Kumpels und abends in der Kneipe, bei Facebook oder auch im Surfmag haben wir nichts besseres zu tun als unsere „Heldengeschichten“ zu verbreiten und ganz dick aufzutragen. Dann wundern wir uns aber allen Ernstes, wenn wir beim nächsten Mal nicht mehr alleine Surfen.

Word! Natürlich ist dabei eine riesen Portion Egoismus dabei und die, die da laut lamentieren sind sicherlich in der Minderheit.
Und ich denke, dass diejenigen, die Surfen mehr aus Imagegründen betreiben, bald begreifen, was wirklich am Surfen dran ist oder aber wieder aufhören.
Auf der anderen Seite scheint mir eine junge „Surfnation“ wie Deutschland halt die üblichen Wachstumsprobleme zu haben. Ich spiele darauf an, dass viele z. B. halt noch nicht wissen, wie man sich im Lineup zu verhalten hat (Stichwort Vorfahrtsregeln, Rauspaddeln mit Rücksichtnahme auf Surfern die gerade eine Welle abreiten) und dies, wenn es voller wird, zu Problemen führt.
Wie handhabt Ihr das Thema bei Eurer Schulung? Gibt es da allgemein anerkannte Guidelines, die vermittelt werden?

Also neben der Sicherheit ist unser wichtigstes Anliegen das Vermitteln der Surf-Etiquette. Die Vorfahrtsregeln sind wichtig und auch eine gesunde Selbsteinschätzung des eigenen Könnens. Wer rauspaddelt, wo er noch nicht hingehört, stellt nicht nur für sich sondern auch für alle anderen im Wasser eine Gefahr dar. Diese Problematik ist uns natürlich bewusst, weshalb wir besonderen Wert darauf legen unseren Schülern das richtige Verhalten im Line-up beizubringen; dafür gibt es sogar eine eigene Theorie-Einheit.

Was die deutschen Contestsurfer betrifft: Haben wir eine Chance uns da halbwegs zu etablieren oder bleiben wir langfristig die jamaikanischen Bobfahrer?
Uli: Die jamaikanischen Bobfahrer waren wir noch nie, denn selbst als wir `94 mit einer Hand voll Leuten bei der WM in Brasilien starteten, waren wir ehrgeizig und pflichtbewußt. Also wenn, dann schon deutsche Bobfahrer nur leider nicht so erfolgreich. Bei unserer Teilnahme an den World Surfing Games, letzten Oktober in Portugal, haben wir uns mit dem 17. Platz von über 30 Nationen, und damit dem besten Platz aller Zeiten, eine Menge internationalen Respekt eingeholt. Von dem was Marlon Lipke und Nico Rupp in den nächsten Jahren wohl noch bieten werden gar nicht zu reden.

Marlon und Nico sind doch vor allem deswegen so gut, weil sie nahe an guten Wellen leben und entsprechend intensiv surfen gehen können. Wird das das Erfolgsrezept bleiben oder meinst Du, dass auch Nordseesurfer eine Chance hätte ausreichend gut zu werden, wenn sie genügend Unterstützung zu Hause bekommen (z. B. lokale Contest Serie)?
Uli: An den „Auslandsdeutschen“ führt mittelfristig kein Weg vorbei, auch wenn unser Lieblings-DWV-Präsi Jan die Homegrown Wildcard eingeführt hat und diese mit Tim Schubert aus Sylt traumhaft besetzt war. Eines der Aushängeschilder des „neuen Verbandes“ ist die Jugendarbeit. Gabi und Arnd haben einiges geleistet: innerhalb eines Jahres haben sie zwei Trainingslager, die DM, die EM,und die WM der Junioren betreut; und bei der DM 2008 hatten wir über 30 Juniors am Start und allem Anschein nach ist dies erst der Anfang. Aber du hast schon Recht, ohne ständiges Training und häufige Contestteilnahmen ist es schwer und das sehen wir natürlich. Meiner Meinung nach gibt es auf Sylt und am Eisbach die besten Chancen neue Talente zu finden und mehr Wettkämpfe zu organisieren.

Wie sieht´s mit Deinem Leben aus? Alles gut so wie es ist oder willst Du ein paar Dinge verändern (z. B. näher an ein richtiges Meer ziehen)?
Uli: Ich lebe mittlerweile schon mehr als die Hälfte des Jahres in Frankreich und im Winter schaue ich, daß im Idealfall noch zwei Kurztrips in warme Gewässer dazu kommen, damit bin ich soweit ziemlich zufrieden. Aber mit etwas weniger Arbeit und dafür mehr Geld könnte ich mich sicherlich auch arrangieren…

Uli, vielen Dank für das Interview!

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