Thomas Schmidt

Thomas Schmidt Interview

Thomas Lebenslauf folgte lange der klassischen Ruhrpottkarriere mit Ausbildung und Maloche in der Chemiefabrik. Irgendwann hat er aber sauber die Kurve gekriegt und lebt jetzt den Winter über in der Schweiz in den Bergen und im Sommer an der französischen Atlantikküste. Auf seinen geliebten longboards ist er dabei so gut geworden, daß er in den letzten beiden Jahren den deutschen Meistertitel auf den langen Planken abgeräumt hat.

Aktuell hat er ja bei den Wolrd Surfing Games ein paar saubere Heats hingelegt und einen erheblichen Teil zum relativ guten Abschneiden der deutschen Equipe beigetragen.

Zeit also, endlich dieses Interview zu veröffentlichen.

Soul-Surfers: Tomy, von was lebst Du eigentlich?
Tomy: Also Ursprünglich sollte ich mal Schlosser werden, hab ´ne Lehre gemacht auf ´nem riesigen Chemie Werk, so wie sich dat gehört im Pott, da machse wat mitte Hände!!! (so ging das etwa von ´92- 96) Mittlerweile bin ich im Winter in den Alpen, genauer in Grindelwald. Ich bin dort Storemanager in einem Ski und Snowboardverleih… das geht jetzt schon seit 2000/01 so. Den Sommer verbringe ich mit reisen, surfen und im wavetours camp Mimizan, wo ich für das leibliche wohl der Gäste und teamer zuständig bin. Mittlerweile auch die dritte Saison…

Soul-Surfers: Seit wann surfst Du / wie bist du zum surfen gekommen
Tomy: Also zum Surfen bin ich über das Windsurfen gekommen, das habe ich mit 12 erlernt, Marl ist gerade mal 2,5 Stunden Fahrt von Den Haag entfernt, sobald ich den Führerschein hatte war ich jeden Freitag abend bis Montag morgen in Holland , nicht immer zur Freude meiner Chefs…. Wenn´s montags noch Wellen und Wind hatte oder eines von beidem, wurde manchmal ein Schnupfen zur Grippe, die mit Salzwasser kuriert werden musste. In Scheveningen habe ich auch meine ersten Erfahrungen mit dem Wellenreiten gemacht, erst habe ich locals zugeschaut, um später bei Flaute mit dem Windsurfer und dem Spanngurt um´s Bein im line up für Aufruhr zu sorgen. Schnell wurde ein Minimal zum größten Konkurrenten meiner Windsurf Ausrüstung und immer öfter ertappte ich mich dabei wie ich bei 6 bft side shore mit dem Wellenreiter die windgeschützten Wellen an der Hafen Mole surfte…ab da ging es schnell , Windsurf Stuff verkaufen und 6 Monate von Frankreich nach Marokko getrippt, das war 99/00

Soul-Surfers: Erzähl uns mal was zu Deiner Contestkarriere
Tomy: Den ersten Contest habe ich in Frankreich bestritten, 1999 etwa, das war aber mehr so ne fun Veranstaltung von den Surfcamps in Moliets… erste dm 2001 glaub ich , deutscher meister longboard 2006 und 07 european surfing games 05 und 07 jeweils 15. Platz longboarding 2008???

Soul-Surfers: Was waren Deine besten Trips bisher und welche Wellen magst Du am liebsten?
Tomy: alle, ob Australien, Iceland, Marokko oder Indo, solange ich zum surfen komme, ist alles gut fliege im April nach Peru, das wird sicher auch sehr eindrücklich!! meine Lieblingswellen: superbank 2007 in Mimizan… links, lang, playfull, Sealrock – Australien… beach break, righthand point, empty and beautifull. Anchor Point – Marokko… the bigger the longer!!!

Soul-Surfers: Dein Lebenslauf ist ja exemplarisch für viele gute Surfer aus dem Ruhrpott. Obwohl ihr weder die Berge noch das Meer direkt vor der Haustüre habt haben es einige von Euch geschafft in dieses „Winter in der Schweiz in den Bergen, Sommer in Frankreich am Meer“ – Leben zu kommen. Wie kommt das, dass ihr so eine Affinität zu diesen beiden Regionen habt?
Tomy: Ich mag den Wechsel der Jahreszeiten, Die Ruhe im Dorf wenn es nachts schneit oder der erste Blick auf´s Meer nach der Winterpause sind unbeschreiblich. Außerdem macht es mehr Spaß einen ganzen Tag frische lines in den Berg zu ziehen als sich nach dem surfen bei 8 grad Luft auf die Hände zu pissen damit man den Autoschlüssel fest halten kann.

Soul-Surfers: Und ist das für Dich ein Leben, das Du langfristig so weiter führen wirst / willst?
Tomy: Ich bin seit 8 Jahren im gleichen Skigebiet, immer noch bei der Familie eingestellt bei der ich angefangen habe. Im Sommer arbeite ich 30 Stunden die Woche und habe 2 Tage frei. Ich verdiene in beiden Jobs mehr als wenn ich wieder Rohrleitungen in Chemiefabriken montieren würde, dazu lebe ich gesünder und bewege mich in Orten an denen andere Leute Ferien machen. Ich habe einfach die unbändige Lust soviel zu surfen wie es geht, danach habe ich mein Leben umgestellt. Was ich mache wenn dieses Verlangen weniger wird weiß ich noch nicht, ich habe immer noch Träume und Ziele, außerhalb meiner Surfwelt, die ich erreichen will und ich hoffe ich habe noch etwas Leben vor mir, damit ich ein paar davon umsetzen kann.

Soul-Surfers: Welchen Stellenwert hat das Contest Surfen für Dich? Hast Du da Ambitionen zumindest auf europäischer Ebene noch mehr zu machen?
Tomy: Ich würde sehr gern mehr contests fahren und probiere im Sommer alles mitzunehmen was es in der Umgebung gibt, aber die traurige Wahrheit ist, dass longboarden nicht der Werbeträger im Surfen ist und meistens fallen Sponsoren aus und Preisgelder sind zu niedrig um die Spesen zu decken, leider auch wenn es sehr gute und motivierte Fahrer gäbe. Das bremst den Enthusiasmus natürlich, aber ich starte bei jedem contest mit dem Ziel ins Finale zu surfen, ob dm, französischer club contest oder european surfing games…

Soul-Surfers: Dein derzeitiges Leben klingt gut, würde daran nichts ändern wollen, wenn ich so leben würde
Das mit dem longboarden ist schon seltsam, schließlich ist die Brettart doch ziemlich weit verbreitet. Empfindest Du das auch so, daß die Industrie mit ihrem Focus fast nur auf performance shortboarden da einen großen Teil ihrer Kunden negiert? Longboardest Du aus Leidenschaft und Prinzip oder haben shortboards, funboards und andere Spielarten einen ähnlichen Reiz für Dich?

Tomy: Mann, dieser Winter geht auf jeden fall auf platz eins in die charts ein , wenn du am morgen im shop stehst und keine Ahnung hast mit welchem zeug du jetzt powder fahren sollst, das nenne ich Probleme !! 😉 Ich habe mit longboarden angefangen weil ich mit dem take off probleme hatte und gerne Wellen geradeaus gefahren bin, aber der ausschlaggebende Punkt war das ich meinen shortboardenden kumpels die Wellen klauen wollte !!! Nein im ernst, ich surfe longboard weil es mir das Gefühl gibt auf meinem Brett tanzen zu können, aber mein quiver geht vom 5´10 singlefin bis zum 10 fuss noserider, ich mag snaps auf meinem 6,6er twin genauso wie auf meinem 9´2 compboard…ich glaube ein guter Surfer fährt nicht nur in einer Position und auf einem Brett. Aber du hast recht, ich finde es schade das longboarden von vielen als Anfänger oder klein Wellen surfen belächelt und eigentlich nur als eine style und soul geschichte behandelt wird. longboarder sind “freaks” weil sie shortboarden könnten aber mit einem schwerem behäbigen Brett mehr wellen surfen als der Rest der bis zum Hals im Wasser den line up verstopft, sorry.

Soul-Surfers: Dein Quiver klingt so, als ob Du die ganze Palette der zur Zeit wieder recht angesagten Retro shapes zur Verfügung hättest. Hab´ dazu vor einiger Zeit in einem I-net Forum ´ne Diskussion drüber gelesen, wieviel Sinn es eigentlich macht alte shapes zu fahren und dabei auf die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte und deren bessere Performance zu verzichten.
Wie sehen Deine boardshapes aus? Sind die puristisch aus den 70ern, 80ern oder fährst Du boards, die die Retro idee aufgreifen, aber mit aktuellen shapedetails verbinden?

Tomy: Mein Quiver besteht aus etwa 12 Boards, ich habe vor einiger Zeit angefangen Bretter zu sammeln , das älteste ist aus den späten Sechzigern , eine 8 Fuß Pipe Gun die nicht mal einen Leashplug hat, oder ein Board von Barland, vermutlich Mitte 70er, sieht mehr aus wie ein Windsurfer, aber dank dem Volumen ist man schnell auf und in den Wellen. Nur meine Competition Boards sind reine Performer, 9 fuß Shortboards!!! Richard Henty, mein Shaper, hat schon lange vor dem Hype ums Retrobrett angefangen alt und neu zu einer Symbiose zu verarbeiten. Als Team Fahrer darf ich alles testen was in der Werkstatt steht, danach entscheide ich dann mit ihm zusammen was ich will und was möglich ist. Ich liebe es andere Shapes zu probieren , mein Surfen an das Brett anpassen und heraus finden ob und wie ich meine Manöver fahren kann… es macht Sinn bestimmte Shape Merkmale zu nutzen um den Spass zurück ins Wasser zu bringen, es gibt unzählige Surfer mit dem falschen Brett ,foam is ur friend, mehr Volumen = mehr Spass ,es muss ja nicht sofort ein 10 Fuß log sein, aber vor allem in schlappen Wellen haben mich Retros überzeugt, mit heutigen Shape Details kombiniert hast du die Wellen Maschine die du dir immer gewünscht hast.

Soul-Surfers: Wow, du könntest ja fast schon ein Museum aufmachen…
Orientierst Du Dich mit Deinem Surf Style denn auch an den Altvorderen?
Tomy: Ich schaue mir natürlich auch Filme wie Morning Of The Earth oder Glass Love an und danach surfe ich vermutlich wie ein Hippie auf ´nem Pilz Trip, aber ich würde mein Surfen eher als progressiv bezeichnen ,das Beste aus beiden Einflüssen macht Surfen heute so spannend und hilft mir dabei meinen Style weiter zu verbessern. Im Contest mußt du oft einen Mix aus klassischen und progressiven Longboard Manövern zeigen, also nur in engen Retro Boardshorts ohne Leash zu surfen und down the line cruisen bringt nix wenn du dich auf nen Contest vorbereiten willst, aber für nen nachmittag im Hochsommer ist es der Oberknaller…:-)

Soul-Surfers: Was aus Deinem Arsenal nimmst Du denn auf Reisen mit?
Tomy: Es kommt auf die Wellen an die ich in dem jeweiligen Land surfen will… Letzten herbst bin ich mit 4 Brettern nach Lanzarote geflogen, für 2 Wochen!!! Eeine schwachsinnige Idee.. jedes mal mindestens 2 Bretter aufs Dach und am Strand hatte ich immer das Gefühl als wären die anderen zwei die bessere Wahl gewesen, das wollte ich diesmal ausschließen. Da Peru vor allem mit langen points gesegnet ist, habe ich mich für die sportliche “glass love” variante entschieden , ein 9´2″ single fin wird mir endlose rides an den klassischen breaks bescheren und für größere oder schnellere Wellen habe ich ein 7″ single fin mit pin tail eingepackt. damit sollte eigentlich alles abgedeckt sein. In Frankreich kann ich aus 10-12 boards wählen, aber am liebsten hätte ich nur ein Brett das in allen Bedingungen funktioniert, Richard und ich werden diesen Sommer daran arbeiten 😉

Soul-Surfers: Viel Spaß in Peru und Danke für das Interview!

Thomas wird unterstützt von: rip curl, henty surfboards, utopiasurf.eu und stokeshop.com

Schreibe einen Kommentar