Michi Mohr

Michi Mohr Interview

Von Michi Mohr haben wir das bisher beste Argument für’s big wave Surfen gehört. Er macht das, weil in großen Wellen weniger Leute im Wasser sind.
Auch sonst fällt der 1,90m, 90 Kilo Bayer aus dem Rahmen mit seiner Zeitraffer Karriere vom Eisbach Surfer zum ernsthaften big wave charger, dem es darüber hinaus gelingt sein Leben so zu organisieren, daß er nahe seiner geliebten bayrischen Berge lebt und trotzdem kaum einen ernsthaften Swell am Atlantik verpaßt.

Natürlich haben wir so einen Typen genauer unter die Lupe genommen und ausführlich interviewt. Angefangen haben wir wie üblich mit ein paar harmlosen Fragen zu seiner Surfkarriere, bevor wir dann tiefer eintauchten.

Soul-Surfers: Michi, wie alt bist Du?
Michi: 30

Soul-Surfers: Seit wann surfst Du?
Michi: 14 Jahre

Soul-Surfers: Wie bist du zum Surfen gekommen?
Michi: Ein Kumpel hat mich zum Fluss-Surfen mitgenommen.
Im selben Jahr Riversurfen an der Floßlände angefangen und das erste Mal nach Portugal geflogen um es am Meer auszuprobieren.

Soul-Surfers: Wo hast du das erste mal gesurft?
Michi: Portugal

Soul-Surfers: Wo surfst du meistens?
Michi: Madeira, West OZ, Fiji, Indo

Soul-Surfers: Was waren bisher so Deine herausragend Trips / Reisen?
Michi: Ich habe oft unglaubliches Glück, fahre natürlich auch zur besten Wellenzeit in die jeweiligen Gefilde. Da ich immer auf der Suche nach großen Swells bin, habe ich einige unvergessliche Memories: März 2001 : Riesiger Cyclone Swell in Neuseeland
Juli 2001 : der größte Cyclone Swell des letzten Jahrzehnts an Australiens Ostküste
Juli / August 2001 : die beste Indo Saison seit langer langer Zeit, 1 Monat über 6 ft und 3 richtig große Swells
10.3.2003: Der größte Swell der jemals Europa „bombardiert” hat. Ich surfe die höchsten Wellen meines Lebens auf Madeira, während in Belharra / Frankreich mit knapp 70 ft. Die höchsten jemals gerittenen Wellen in Europa tow-gesurft werden.
April 2006 : Die besten und höchsten Contest Bedingungen der letzten 20 Jahre in Bells Beach. Kelly gewinnt in 12ft. Surf und ich schleiche mich gleich nach den Finals in Wasser und surfe 5 Stunden fast alleine „best Bells ever”
Juli 2006 : Ich bin an einer der heftigsten Linkswellen Australien als der größte Swell , der je Australien erreicht hat, ankommt. Ich habe ein paar der heftigsten Wellen meines Lebens, ein Stück südlich surft Jake Patterson eine 18 Meter Welle und wird Contender für die Billabong XXL Challenge.
November 2006 : Ich sehe einen Riesenswell für Madeira anrollen und fliege spontan am nächsten Tag nach Madeira. Eine ganze Woche am Stück ballert es rein, bei 7-8m Werten auf Windguru.

Soul-Surfers: Erklär’ mir mal, wie das geht, in 7 Jahren vom land locked Flusswellensurfer zum regelmäßigen big wave Charger zu werden?
Michi: Naja, ich hatte das Glück dass ich viel Reisen konnte und oft lange unterwegs war… nur dann bekommt man wirklich dauerhaft das nötige Selbstvertrauen mal in größere Wellen zu paddeln. Als ich eine Weile in Portugal lebte, fand ich 6 ft. Wellen schon ziemlich respekteinflößend. Dann kam die erste Weltreise und ich habe gecheckt, dass größere Wellen irgendwie mein Ding sind. Die zweite Weltreise dann 2005 und ich surfte Wellen auf die kaum jemand mehr Bock hatte und fand ziemlich schnell Gefallen dran. Seither plane ich alle Trips nach bestmöglichem Swell, (Madeira im Winter, West oder South-OZ im Sommer) und versuche so oft als möglich für spontane große Swells weg zu kommen. 2005/2006 fing ich mit Tow-In Surfen an. Es ging irgendwie alles Hand in Hand, aber der Konsenz ist wohl, dass man regelmäßig große Wellen surfen muss, um wirklich “comfortable” damit zu werden, und man sollte es wirklich wollen.

Soul-Surfers: Was ist es, das Dich an den großen Wellen so fasziniert?
Michi: Was wirklich schön dran ist, dass man meist fast alleine draußen ist, und die Leute, die solche Wellen surfen meist wirklich wissen was sie tun. Es gibt eigentlich nie stress auf dem Wasser, und die Leute passen aufeinander auf, ganz im Gegenteil zu kleinen Bedingungen. Die Faszination kommt für mich einfach durch eine Art Zusatzkomponente, d.h. Normales Surfen ist mein Ding, macht unglaublich Spaß, ist der schönste Sport der Welt. Punkt. Doch durch das Surfen großer Wellen habe ich zu meiner “Lieblingsbeschäftigung” noch diesen zusätzlichen Kick, was das ganze obendrein ziemlich spannend macht. Diese Kombination von Spaß und ernsthafter Herausforderung ist einfach genau das was mir das Surfen großer oder heftiger Wellen gibt. Bei jeder heftigen Forecast werde ich ganz hibbelig, und kann es nicht erwarten ein paar verrückte Wellen anzupaddeln oder mich reinziehen zu lassen.

Soul-Surfers: o. k., das ist ein ganz neuer Ansatz, den crowds aus dem Weg zu gehen: einfach in ein paar Monsterwellen rauspaddeln….. Ich hab’ mal was über eine – angeblich – wissenschaftliche Untersuchung gelesen, bei der fest gestellt wurde, dass big wave surfer ein ähnliches Psychogram habe wie Schwerverbrecher. Glaub’ das war so ein Hormon, dass die im Überschuss hatten und das dazu führte, dass sie süchtig nach extremen Adrenalindosen waren. Erkennst Du da bei Dir ähnliche Verhaltensmuster?
Michi: Also, Vergleiche mit Schwerverbrechern habe ich von mir selbst noch nicht gezogen J Natürlich ist es so, dass der Rush, den man bei großen Wellen bekommt, süchtig macht. Man will dieses Erlebnis, diesen Kick immer wieder erleben. Nur muss der “Kick” sich auch immer verstärken, sprich: nicht alles, was dich jetzt befriedigt, “kickt” dich nächstes Jahr noch genauso. Aber zurück zur Frage: Es macht auf jeden Fall süchtig, allerdings gibt es sicher extremere Fälle als mich.

Soul-Surfers: Du hast sicherlich mitbekommen, dass sich der Fokus der big wave Welt inzwischen auch stark nach Europa richtet. Insbesondere der north shore Spaniens und Irland haben ja auch diesen Winter bereits wieder ein paar epische Sessions produziert. Warst Du da auch schon? Planst Du da mal hin zu gehen?
Michi: Sowohl in Irland als auch im Baskenland war ich schon, jedoch zum “normalen” Surfen. Vor allem Irland hat unglaublich viel Potential, da sie riesige Swells ab bekommen, und so viele Riffe und Points haben, dass es sicher noch einige Jahre dauert bis viele der Big Wave Spots entdeckt sind. Leider war ich diesen Winter ziemlich busy, und konnte zu den großen Swells nicht weg, die Bilder von Playa Gris und Mullaghmore Head sahen schon heftig aus. Im Moment steht mein Jetski in Frankreich, ich wollte Ihn dieses Jahr nach Madeira verschiffen oder am portugiesischen Festland lassen, dort sind die Bedingungen einfach bei großen Swells oft cleaner.

Soul-Surfers: Die europäischen big wave rider, vor allem die tow in Leute, halten ja inzwischen recht engen Kontakt. Hast du Anschluss an diese Community?
Michi: Bisher nicht, ich war zum TowSurfen hauptsächlich in Australien unterwegs. Das TowSurfen steht ja in Europe noch recht in den Kinderschuhen, dennoch gibt es jeden Winter mehr und mehr Bilder aus Europe, die wie ein Paukenschlag durch die Tow-Szene gehen. Ich werde in der Zukunft wohl einige Tow-Trips mit Sebastian Steudtner machen, einem Deutschen, der Jaws und Teahupoo tow-surft. Wir haben uns vergangenes Jahr kennen gelernt, und ich fand’s ziemlich cool, einen Deutschen zu treffen, der die selben Vorlieben hat… J

Soul-Surfers: Allgemein hat ja tow in Surfen das paddle in Surfen in großen Wellen etwas an den Rand gedrängt, zumindest was die media coverage betrifft. Wie siehst Du das, ist diese Entwicklung angemessen, was den Schwierigkeisgrad und die Performance betrifft?
Michi: Das Tow-Surfen ist einfach meist von den Wellen viel spektakulärer, du kannst bei 50 ft. Wellen an die Lip fahren, kannst Shipsterns, Cyclops usw. überhaupt erst surfen…. Das macht es für die Medien viel interessanter, denn es soll natürlich alles immer abgefahrener werden. Einerseits etwas schade, da viele Menschen gar nicht mehr richtig einschätzen können wie schwierig ein Drop auf einer 40ft. Waimea Welle nun wirklich ist, bzw. warum der Surfer denn mit seiner 12ft. Gun nun nicht an die Lip fährt. Es macht mit Sicherheit das Surfen großer Wellen leichter, bzw. bei einigen Wellen erst möglich, trotzdem muss man mit Waschgängen und haarigen Situationen genauso umgehen können. Paddle Surfen wird immer seinen Platz haben, aber gerade in den Mainstream-Medien werden wir mehr und mehr abgefahrene Tow-Bilder sehen.

Soul-Surfers: Überhaupt, hat towin Surfen noch viel mit paddle in big wave surfing gemeinsam? Oder werden sich daraus mittelfristig zwei eigenständige sub-Sportarten bilden á la longboarden – shortboarden?
Michi: Es sind ja schon 2 verschiedene Sportarten, die zwar das selbe Ziel haben, eine Welle zu reiten, aber der Ansatz ist ein komplett verschiedener. An den meisten Big Wave Spots, trennen sich schon Gruppen und Meinungen, und ab und zu gibt es auch Trouble, wenn man die Wellen noch anpaddeln kann, aber auch schon Tow-Surfen. Die meisten der Tow-surfer sind aber auch respektierte BigWave Padlle In Surfer.

Soul-Surfers: Was macht dir persönlich mehr Spaß, mit oder ohne technische Unterstützung?
Michi: Es kommt etwas auf die Wellen an. Ich liebe es in richtig große Wellen zu paddeln, denn du hast den Kick beim Drop. Jedoch kannst du manche Wellen nicht mehr anpaddeln, da sich soviel Wasser bewegt, die Wellen rechteckig brechen oder sehr weit von der Küste entfernt sind. Dann finde ich Tow-Surfen eine wirklich coole Sache, denn du bringst dein kurzes Board in Positionen auf der Welle, in die du mit deiner Gun nie kommen würdest. Zudem hast du die Welle schon lang bevor sie bricht, kannst beobachten was passiert, und dich perfekt positionieren. Trotzdem bevorzuge ich Paddle-Surfen.

Soul-Surfers: Als Eisbach Surfer, der da auch schon mal einen air in den Bach setzt, kennst Du dich ja auch mit dem Manöver orientierten Surfen gut aus. Was ist – wenn man mal den fear factor außen vor läßt – anspruchsvoller und damit schwieriger zu erlernen: Surfen in großen Wellen oder anspruchsvolles Performance Surfen in kleinen bis mittleren Wellen?
Michi: …schwer zu sagen. Für mich mit 190cm und über 90 kg ist das Surfen in kleinen Wellen sicher schwieriger… J Ich übe und versuche gern alle möglichen Tricks am Eisbach und auch an kleinen Wellen im Meer, jedoch sehe ich auch dass sich kleinere, leichtere Leute da wesentlich leichter tun. Ich denke es ist wohl anspruchsvoller ein konstanter Surfer in den kleinsten, noch so schlechten Contestbedingungen zu werden, als große Wellen zu surfen. Bei hohen bedingungen übernimmt die Welle viel Arbeit für dich, du mußt dir zumindest keine Gedanken drum machen Speed zu generieren.

Soul-Surfers: Wie hältst Du Dich fit für das big wave surfing (Du lebst ja die meiste Zeit in München, oder?)
Michi: Ja, ich wohne in MUC, auch wenn ich einige Zeit meines Lebens an anderen Ecken der Welt, bzw. am Meer verbracht habe. Ich war meine ganze Jugend Leistungsschwimmer, weshalb ich auch jetzt als Vorbereitung auf Trips regelmäßig schwimmen gehe und mein Programm runterspule… Ist nicht sonderlich spannend, die bahnen zu zählen aber es gibt dir eine gute Grundfitness, Kondition und Paddelpower. Zusätzlich tauche ich viel, was ich wirklich wichtig finde um unter Wasser ruhig zu bleiben und natürlich die Atmung zu trainieren. Im Sommer paddle ich mit meiner Freundin und dem Hund auf Surfboards am Baggersee…

Soul-Surfers: Wer ist eigentlich Dein towin Partner und wo und wie trainiert Ihr das überlebenswichtige Zusammenspiel des Teams?
Michi: Bisher war ich ausschließlich in Australien tow-surfen, dort heißt mein Partner Wes. Er hat mir alles beigebracht, nachdem er merkte dass ich eine Vorliebe für große Wellen habe. Ich hatte mit ihm einige Wahnsinns-Sessions und wir haben mit der Zeit sehr viel Vertrauen zueinander aufgebaut. Leider komme ich dort nun nur einmal im Jahr hin. Nun habe ich mir in Europa einen Jetski gekauft und werde wahrscheinlich mit Sebastian Steudtner tow-surfen, wenn er aus Maui zurück ist. Er wohnt den Winter über auf Hawaii, und tow-surft Jaws, somit ist er mit Sicherheit der richtige Kandidat J

Soul-Surfers: Madeira scheint für Dich eine gewaltige Anziehungskraft zu haben. Was zieht Dich da immer wieder hin?
Michi: Ich liebe Madeira, da es mir die besten Surfsessions meines Lebens beschert hat, und ich seit vielen Jahren jeden Winter ein oder mehrere Male dort bin… Es ist eine unglaublich schöne Insel, mit Klasse Wellen, die viel Power haben und jede Höhe halten. Die Insel bekommt im Winter soviel Swell ab, dass es wirklich auf einen selbst ankommt, bzw. was man sich noch zutraut. Leider ist dort viel gebaut worden, und einige Spots sind nicht mehr so wie sie waren, dennoch ist es überwältigend wenn die Pointbreaks am pumpen sind…

Soul-Surfers: Hattest Du gute Wellen auf Madeira? Muß ja kräftig was angekommen sein, als Emma durchzog.
Michi: Ja, es war gut, nicht riesig, aber gute, cleane Wellen. Die erste Hälfte der Woche sind wir nur Lefts gesurft, den Rest der Zeit nur Rights, also auch schön abwechslungsreich.

Soul-Surfers: Willst Du denn auf Dauer in München bleiben? Ist ja doch etwas aufwendig, von da auf’s Wasser zu kommen, vor allem da du ja Wellen suchst, die es am Mittelmeer nicht in der Größe gibt.
Michi: Der Gedanke, woanders zu leben, plagt einen natürlich immer wieder, aber wenn man es so sieht, hat man es hier schon nicht so schlecht. Ich hatte gerade Besuch von einem sehr guten Freund aus Westaustralien, und er war echt überwältigt über die Möglichkeiten, die wir hier haben. Ich bin in einer Stunde auf dem Berg, und wenn ich sehe dass sich ein großer Swell annähert, fliege ich für ein langes Wochenende nach Portugal, Last Minute für 160 Euro. Er meinte, wahrscheinlich bekomme ich übers Jahr gesehen mehr “Top Quality Surf” als er, mit ein paar großen Trips nach Indo oder OZ und einigen kleineren Spontan-Trips in Europa. da ich schon in einigen Ecken länger war, muss ich sagen, dass es gar nicht so leicht ist, die Heimat zu “ersetzen”. Am ehesten wäre es jedoch Süd- oder Westaustralien.

Soul-Surfers: In der erweiterten Heimat = an Europas Küsten hat’s ja diesen Winter ein paar Mal ganz schön gekracht. Wenn Du Dir die Bilder der Wellen von Belharra, Playa Gris und Aileens so anschaust (ich hoffe, Du hast sie schon gesehen), ist das bereits Deine Liga?
Michi: Ja, ich verfolge natürlich immer genau was an Europas Küsten abgeht und leide immer wenn ich nicht selbst dort sein kann. Dieser Winter war nicht sehr gut für mich. Immer wenn ein richtig großer Swell anrollte, hatte ich soviel zu tun dass ich nicht weg konnte, und umgekehrt, wenn ich dann Zeit hatte, ging nichts mehr. Es gab einige Swells, zu denen ich mit Sebastian (Steudtner) fliegen wollte, aber einfach nicht weg konnte, wie Mullaghmore Head (Irland) und Playa Gris Anfang Dezember, Aileens (Irland) am 31.12., 25 Fuß Marokko Anfang Januar. Jedoch habe ich zum Schluß hin noch gute Wellen gehabt und bin in 2 Wochen auf den Azoren zum “exploren”. Jede Welle hat natürlich ihre Risiken, Playa Gris ist keine wirklich schwierige oder heftige Welle, mehr ein riesiges Face, dafür sehr nah bei den Felsen. Aileens ist mit Sicherheit sehr powerful und auch hohl und kein schöner Ort um “caught inside” zu sein. Belharra lief ja leider ewig nicht richtig, das letzte Mal am 10.3.2003, der Tag, den ich nie vergesse, an dem ich meine höchsten Wellen gesurft bin. Sie ist vermutlich die “ungefährlichste” Big Wave, da sie nicht hohl bricht und nach beiden Seiten einfach wieder in tiefes Wasser ausläuft. Ich glaube von der Wellenhöhe ist es kein so großes Problem, es kommt auch auf den Shape und das Umfeld an. Dennoch muss man oft in solchen Wellen surfen, um auf diverse Situationen vorbereitet zu sein. Also, richtig “comfortable” bin ich nicht in 40ft. Wellen, von daher würde ich sagen es ist noch nicht meine Liga, dennoch würde ich nicht Nein sagen wenn ich vor Ort bin, wie oft hat man schon solche Wellen?

Soul-Surfers: Hast Du denn jetzt konkrete Ziele, was das big wave surfen betrifft? Gibt es eine Welle, die du in absehbarer Zeit unbedingt surfen willst oder bist du aus der Jagd nach persönlichen Rekorden, was die Wellenhöhe betrifft? Hast du Ambitionen, aus dem Surfen von großen Wellen einen „Beruf” zu machen, von dem Du leben kannst?
Michi: Nein, ich werde mal sehen “wo die Reise hingeht”. Ich möchte soviele Trips wie möglich machen, zu großen Wellen, aber auch neuen, aufregenden Locations. Ich kam gerade gestern nacht aus Italien nach Hause. Wir sind spontan für einen Tag hingefahren, da die Bojen 6 Meter angezeigt haben, was ich dort noch nie erlebt habe. Es war richtig heftig, und ich war auf meinem 6’8er Pintail undergunned, ich konnte es nicht glauben dass das Italien ist! Ansonsten stehen dieses Jahr noch Azoren, Malediven und evtl. Chile auf dem Programm. Ein paar Wellen habe ich im Kopf, z.B. Aileens oder Punta Lobos, allerdings auch ein paar die noch keinen Namen haben. In Sachen Wellenhöhe will ich es nicht übertreiben, lieber fit und confident werden in Höhen die ich schon gesurft bin und mal sehen was nächsten Winter passiert. Einen Beruf draus zu machen ist in meinem Fall sicher nicht möglich, denn die internationalen Jungs sind auf einem ganz anderen Level. Dennoch bin ich sehr froh über die Unterstützung meiner Sponsoren, insbesondere Quiksilver. Sie geben mir die Freiheit den, Lifestyle leben und zu finanzieren, den ich liebe.

Soul-Surfers: Italien mit 6 Meter Welle? Nee, oder? Erzähl mal mehr davon! Gibt’s Bilder?
Michi: ja, ich konnt es selbst nicht glauben, ich hatte nur die Forecast gesehen und diesen roten Fleck gesehen, dann die Preview in Metern, die 6,5m sagte. Wir kamen nachts an und konnten nur erahnen wie hoch es ist, bis es hell wurde gegen 6:30 Uhr. Es hat fast die ganze Bucht zugemacht, aber wir haben diese Riesen-Peaks draußen brechen sehen und haben dann doch den Weg nach draußen geschafft. Wirklich krass, da hat sich echt ne Menge Wasser bewegt, die großen Sets in der früh fast triple overhead, kein Witz. Außer uns war keiner im Wasser. Nun war ich bestimmt auch schon auf 15 Surftrips nach Italien, aber sowas habe ich nicht gesehen. Es wurde dann im Lauf des Tages kleiner und cleaner, aber immer noch sehr gut. Bilder hab ich nur ein paar gemacht, aber leider keine vom Surfen, Andy war diesmal nicht dabei zum fotografieren. Ich werd mal sichten, ob was brauchbares dabei ist. War sicher ein Ausnahme-Swell, aber vielleicht passiert es mal wieder….

Soul-Surfers: Das wär’ doch mal was, wenn es ein Bayer mit einem Ritt auf einer italienischen Mittelmeerwelle in die XXL-Awards schaffen würde…..
Michi: Es gibt wohl jedes Jahr einen Fotocontest von nem italienischen Surfmag, wer die höchste Welle in Italien surft, meist ist das Varazze oder Capo Manu auf Sardinien. Nichts desto trotz hatte ich in den Entries von den letzten Jahren noch keine so großen Wellen gesehen wie wir sie hatten. Deshalb schade dass wir Andy, unseren Photog nicht dabei hatten….

Soul-Surfers: Letzte Frage: was hältst du von den XXL-Awards und von big wave contests oder aber der gerade in’s Leben gerufenen towin tour? Ist ein Wettkampf mit der besonderen Motivation über ein gewisses limit rauszugehen in potentiell lebensgefährlichen Wellen wirklich verantwortbar? Braucht das big wave surfen überhaupt Wettkämpfe mit anderen Surfern order reicht die Herausforderung Wellen dieser Größe und Kraft zu surfen nicht bereits völlig aus?
Michi: Ich finde Contest Formate im Big Wave Surfen schon interessant, da sich die Jungs zu immer neuen Limits pushen und man teils echt abgefahrenes Footage davon sieht. Du hast gleichzeitig eine hohe Sicherheit, dadurch dass so viele Tow- und Rescue Teams anwesend sind. Dennoch ist es schade wenn am besten Tag des Jahres 30 Jetskis an einem TowSpot rumfahren, weil der Contest gehalten wird. Das XXL-Awards Format finde ich gut, da die Jungs eh nicht anderes machen, als sie sonst machen würden. Große Wellen surfen und dabei gefilmt oder fotografiert werden. Dies gibt auch “BigWave Entwicklungsländern” wie Irland oder Spanien und Portugal einen fixen Spot auf der Karte der größten surfbaren Wellen der Welt.
Der Tow-World Cup ist bestimmt auch eine gute Sache, für die Top Big Wave Surfer der Welt, sich in verschiedenen Wellen zu messen und ans Limit zu gehen. Ich glaube aber dass es logistisch fast zu schwierig ist, das ganze zu organisieren. Es ist so schon schwer genug, große, gute Wellen an einem bestimmten Ort für einen selbst zu scoren, geschweige denn mit einer Armada an Leuten und Jetskis, die über die ganze Welt verteilt sind. Wäre aber sicher cool anzusehen, Garrett, Ross, usw. auch in europäischen Big Waves rippen zu sehen….

Soul-Surfers: Michi, vielen Dank für dieses ausführliche Interview!

www.michimohr.com

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