Pana Leo

Seit 2014 auf Surf-Weltreise, Interview mit Bloggerin Pana Leontiadu.

Nur wenige Reiseberichte haben uns in letzter Zeit so gefesselt wie die Lektüre des Surf-Weltreise Blogs Takeoffandtravel.de von Pana Leontiadu. Nach ausgiebiger Reise zu einigen der schönsten Surfreviere dieses Planeten lebt die gebürtige Stuttgarterin mit griechischen Wurzeln mittlerweile an der Küste Neuseelands. Wir haben die Idylle mit unseren Fragen unterbrochen, um ein wenig mehr über sie zu erfahren.

Hallo Pana,

Neben gebrochenen Boards und gebrochenen Nasen gibt es auf Deinem Blog auch viel Lehrreiches zu entdecken. Zum Beispiel, dass sieben Wochen Hostel in Bali etwa so viel kosten wie die Einfuhr eines Apfels nach Neuseeland. Aber zuerst würden wir gerne wissen, wie Du Deinen Traum vom Surfen umgesetzt hast.

Was hat Deine Leidenschaft für das Surfen ausgelöst?

Der Einstieg führte aus einer persönlichen schwierigen Zeit zu einer unfassbar positiven Sucht, die bis heute anhält. Alles begann scheinbar unspektakulär mit der Idee zweier Freundinnen, nach Marokko zu fliegen und dort surfen zu lernen. Es würde mir gut tun, dachten wir alle. Wir sollten Recht behalten. Es hat mein Leben von dem Moment des ersten TakeOffs komplett auf den Kopf gestellt. Ich habe dieses unfassbare Glücksgefühl gespürt und sofort verstanden: Genau so muss sich das alles anfühlen, genau so. Keine Kompromisse mehr!

Bist Du genauso viel gereist bevor Du mit dem Surfen begonnen hast?

Mit meiner Familie ging es jährlich mit dem Auto in die Heimat nach Griechenland. Als ich dann alt genug war, kamen die ersten eigenen Trips mit Freunden oder zu Verwandten, z.B. in die USA hinzu. Ausschlaggebend für die Art wie ich jetzt reise allerdings, alleine und ohne feste Route, war ein – Achtung – Backpacking-Trip durch Deutschland 2009. Damals noch nicht-surfend, wollte ich einfach mal losziehen und alleine durch die Gegend tuckern und sehen, was Deutschland eigentlich so drauf hat. Einmal rum, habe ich die geilsten, auch internationalen, Menschen kennengelernt, habe wahnsinnig viele neue horizonterweiternde Erfahrungen gemacht und hatte einfach verdammt viel Spaß – mein erstes kleines Abenteuer. Verrückt, dass das in Deutschland war!

2014 ging es dann los auf die große Surf-Weltreise, von der ich immer bis heute nicht wieder zurück gekehrt bin.

Damals habe ich gecheckt: Ohjaaaaa, alleine losziehen – wie geil ist das bitte? Ich war kurz vor Studium-Ende und hatte überlegt, wo es danach hingehen soll. Nach der Deutschland-Tour war klar: Australien – Reisen, Backpacken, Leute kennenlernen! Im Januar 2010 wurde daraus meine erste Welt-Umrundung mit 6 Monaten Australien und anschließender Weiterreise nach Auckland, Fiji, LA, New York, Frankfurt. Eine der geilsten Phasen meines Lebens! Danach bin ich auch europaweit immer wieder mal alleine losgezogen… mit dem Surfen gab es dann gar kein Halten mehr. Im November 2014 ging es dann los auf die große Surf-Weltreise, von der ich immer bis heute nicht wieder zurück gekehrt bin.

War es schwer für Dich Dein Leben in Deutschland aufzugeben und loszuziehen?

Absolut! Das Unverständnis und der Widerstand meiner Familie war immens, das Aufgeben meiner Band fiel mir unfassbar schwer; vor der Ansage an meinen Arbeitgeber war mir richtig schlecht und der Gedanke daran, dass ich nicht für meine Leute da sein kann, wenn sie mich brauchen, fiel schwer. Und das, obwohl ich damals bei Aufbruch noch nicht dachte, dass es ein “Leben in Deutschland aufgeben”-Kapitel wird. Ich dachte ja, dass ich nach einem Jahr wiederkehre.

Aber bereits nach 3 Monaten auf Surf-Weltreise habe ich gecheckt: Verdammt, das war es jetzt, Deutschland, adieu!

“Eine Lösung muss her, ohne Wellen will ich nicht mehr sein!” Das hat dann erstmal so richtig den Panik-Modus in Gang gesetzt! Wie geht es weiter? Wie finde ich einen Weg? Was soll ich tun? Doch plötzlich haben sich Optionen ergeben. Und nicht nur die eine in Neuseeland.

Ich hätte auch in Costa Rica oder Bali landen können.

Und ab dann ging alles Schritt für Schritt. Eine Entscheidung nach der nächsten. Und ich glaube auch, dass die wenigsten Auswander-Stories so aussehen, dass man direkt von Deutschland aus loszieht und alles aufgibt. Stattdessen höre ich sehr häufig davon, dass sich alles nach und nach ergeben hat. Ich bin auch sehr dankbar dafür, dass ich mich ab großem Surf-Aufbruch im November 2014 Schritt für Schritt daran gewöhnen konnte – ich weiß nicht, ob sonst alles so gekommen wäre, wie es schlussendlich ist.

Surf
Pana beim Chargen

Wie verdienst Du Deinen Lebensunterhalt/Reisebudget?

In den letzten 3 Jahren gab es ganz unterschiedliche Ansätze. Hart Sparen im Vorfeld hat mich das erste Jahr durchgebracht. Zwischendrin gegen Unterkunft arbeiten oder hier und da unter der Hand Teller waschen oder anderweitig aushelfen, hat auch geholfen. Dazu kamen ein paar Freelancing-Aufgaben durch Connections, die ich unterwegs kennengelernt habe und irgendwann auch der Surfinstructor-Schein. Gemacht in Neuseeland, dann Praktika in Hawaii und Costa Rica, um dann in Portugal und Neuseeland zu arbeiten. Dazu immer noch ein Mix aus den anderen Jobs. Gebloggt habe ich die ganze Zeit durchweg auf takeoffandtravel.de ebenso, wobei sich das nicht wirklich als Einnahmequelle aufzählen lässt, da es wirklich sehr minimal ist. Durch den Blog allerdings konnte ich dann im letzten Jahr auch meinen eigenen Surfunterricht anbieten – meine ersten TakeOffandSurf-Wochen. Geil wars.

Weltreise
So verbringen neuseeländische SozPäds ihre Freizeit

Ach ja und natürlich habe ich zwischendurch in Phasen in Deutschland in meinem alten Beruf ausgeholfen und bin dann ja auch wieder ins Sozialpädagogen-Business reingerutscht in Neuseeland – ich konnte das anständige Gehalt brauchen und ich konnte mich damit für eine Residency hier bewerben. Derzeit arbeite ich wieder als Sozialpädagogin an 4 Tagen die Woche hier in Neuseeland, nahe den Wellen und versuche mein hungriges Travel-Sparschwein erneut zu füllen. Nebenher geht es auf Roadies an die verschiedenen Küsten des Landes, was ich unfassbar liebe. Und gleichzeitig entwickeln sich schon wieder die nächsten Ideen in meinem Kopf. Es bleibt spannend.

War es schwer für Dich in Neuseeland Fuß zu fassen?

Am Anfang gar nicht! Die Kiwis sind easygoing und nehmen jeden auf. Mit der Zeit lernt man mehr darüber, was sie eigentlich meinen, wenn sie etwas sagen. Denn direkt sein fällt den Kiwis schwer. Man versucht hier Dinge lieber zu umschreiben oder es am besten gar nicht zu sagen. Etwas, das mit meinem deutsch-direkten und griechisch-aufbrausenden Background gewöhnungsbedürftig ist. Definitiv eine Challenge für mich. Ich versuche ein gesundes Mittelmaß zu finden und mich auch mal zurück zu halten, lasse mich aber definitiv nicht verbiegen und muss einfach klar sein – sonst kann ich nicht ich sein. Die Kiwis, die mich umgeben, finden das erfrischend und bereichernd. Wir lernen voneinander würde ich sagen. Ich muss manchmal die Klappe halten und sie müssen manchmal direkter sagen, was Sache ist. Eine Kombination die immer wieder für witzige Situationen sorgt.

Was ist der erste Unterschied, der Dir im Vergleich mit Deiner neuen Heimat auffällt, sobald Du wieder deutschen Boden betrittst?

Oh, mir fehlt das freundliche “Hello, how are you!” sofort. Das Stress-Level an der Supermarktkasse ist auch unfassbar – Kinners, wir haben doch Zeit! Ist das ein Rennen? Generell ist der Umgang mit Zeit und damit der produzierte Stress in Deutschland schon deutlich spürbarer für mich.

Zurück in NZ

Glaubst Du die Deutschen sind zu besorgt über ihre Sicherheit und daher eher vorsichtig auf Reisen bzw. bleiben am liebsten gleich zu Hause?

Man kann ja nie alle über einen Kamm scheren, aber ich sehe diese Sicherheitsliebe in Deutschland mehr als sonst irgendwo auf der Welt! Ich kenn das ja von mir selbst! Ich war kein Stück anders. Die Angst davor arbeitslos zu sein und damit zugrunde zu gehen, ist immens. Einen Job für immer. Das ist hier in Neuseeland z.B. ganz anders: Heute bin ich Bauarbeiter, Morgen Kellner, Übermorgen studiere ich doch noch Recht. Ganz normal! Gehalt kommt alle 2 Wochen und Kündigungsfristen für Jobs und Wohnungen sind ebenso nur alle 2 Wochen. Wir in Deutschland machen uns das Leben ja teilweise schon auch “eng” durch 3 Monate Kündigungsfristen, wenn nicht noch länger!

Scheißegal, wie du dein Geld verdienst – Hauptsache, du kannst dir die Dinge leisten, die Spaß machen.

Auch eine sehr große Rolle spielt das “berufliche Ansehen” – in Deutschland so wichtig, hier in Neuseeland z.B. völlig egal. Wenn dich jemand fragt, was du so machst, dann will er wissen, dass du surfst, gerne Yoga machst und einen Bruder hast – was du beruflich machst kommt danach irgendwann. Scheißegal, wie du dein Geld verdienst – Hauptsache, du kannst dir die Dinge leisten, die Spaß machen. Ich wünschte wir Deutschen würden uns das abschauen! Das macht das Leben soviel lebenswerter.

Was war Dein größter Fail auf allen Deinen Reisen?

Immer wieder: Vergessen die Kreditkarte mit genügend Geld zu versorgen! 3 Mal stand ich komplett pleite da und musste ein paar Tage lang Notlösungen finden. Ein Scheiß Gefühl! Fehlende Weiterflugtickets für die USA und die Einfuhr eines Apfels nach Neuseeland [Anm.d.Red.: 400$ wegen Verstoßes gegen die biologische Sicherheit] sind aber auch die ultimativen Klassiker meiner Stories auf meinem Blog – meine Leser scheinen die Story allerdings zu lieben, also kann man mittlerweile immerhin darüber lachen.


Hast Du selbst das Gefühl ein Leben zu führen, welches sich vom Leben anderer Menschen unterscheidet?

Das ist eine schwierige Frage. Es kommt darauf an, mit welchen Menschen man sich vergleicht: Für die landlocked Menschen in Deutschland liegt der Unterschied natürlich darin, dass das Meer mittlerweile direkt vor meiner Haustür liegt. Das macht das Leben schon verdammt anders und mich als deutsch-griechische Surferin sehr glücklich. Wenn du mich wiederum mit Menschen in Neuseeland vergleichst, die in den selben Umständen leben, dann unterscheidet mich „nur“ mein Werdegang, mein Geschmack, meine Launen, mein Charakter – aber eben wie jeden anderen Menschen generell. Allgemein würde ich behaupten, dass ich einen Unterschied in meinem Denken feststelle, was mein Leben eventuell anders macht.

Ich fühle mich grundsätzlich frei – und das beginnt in meinem Kopf.

Trotz derzeitigem Job und Häuschen in Neuseeland weiß ich, dass ich jederzeit wieder woanders sein kann – ich muss nur dafür sparen und wieder losziehen. Ich fühl mich nicht in Strukturen oder in einem Land gefangen – ich fühle mich wie ein Welten-Bürger, der überall zuhause sein kann solange es dort Wellen gibt. Und ich bin gespannt, was das Leben noch bereit hält!

Planst Du irgendwann ganz nach Deutschland zurückkehren?

Im Moment kann ich mir das nur sehr schwer vorstellen – dafür ist die Liebe zum Meer zu stark! Aber man weiß nie, wohin der Weg führt und was noch alles passiert. Ich bin auf jeden Fall offen für alles, was noch kommt – Solange ich immer wieder Wellen catchen gehen kann.

Danke dass Du Dir Zeit für das Interview genommen hast.

© 2018 soul-surfers.de

Schreibe einen Kommentar