Bali wird von den meisten
deutschen Flughäfen angeflogen. Meist Zwischenstop
irgendwo in Asien (Malaysia, Singapur...), reine Flugzeit
von Deutschland aus ca. 17-18 Stunden (ohne Zwischenstops).
Landschaft:
Tropenklima,
überall wachsen Ananas, Zitrusfrüchte, Mangos,
Papayas und so diverses anderes schräges Zeugs
(was aber oft ziemlich lecker ist), was Ihr mit Sicherheit
noch auf keinem europäischen Markt gesehen habt.
Zum Teil sehr zutrauliche Affen (die sind echt putzig,
auch wenn man das als Typ ja nicht sagen darf). Lebensstandard
ist niedrig, 3. Welt eben, verglichen mit dem restlichen
Indonesien geht’s den Balinesen aber noch recht
gut.
Surf:
Indonesien hat die besten Wellen, die auf diesem
Planeten laufen, soviel ist sicher!!!! Außerdem
ist Gott offensichtlich Goofy, weil er sonst nicht die
meisten Indo-Wellen als Lefts angelegt hätte. Bei
allen Riffen sind Booties absolut Pflicht. Wer frisch
angekommen ist, tut gut daran, sich erstmal an einem
der einzigen drei Beachbreaks warmzusurfen. Diese sind
Kuta, direkt anschließend nördlich davon
Legian und noch etwas weiter im Norden Canguu. Kuta
und Legian sind immer recht voll, etwas leerer ist es
in Canguu, dafür muss man aber auch mit dem Auto
hinfahren und es gibt teilweise sehr (VORSICHT!) unberechenbare
Strömungen. Obwohl Beachbreaks sind die Wellen
auch hier nix für Anfänger und auch für
Könner zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig.
Sie sind sehr schnell, man muss spät droppen, sie
brechen ziemlich hohl und haben mächtig Saft, wenn
man gespült wird.
Ich weiß, dass das hier jetzt wieder einige anders
sehen, aber ich würde niemandem raten, in Indo
mit dem Surfen anzufangen. Wer eingesurft ist, hat die
Auswahl unter etlichen Weltklassespots, so z.B. Uluwatu
& Padang Padang: beide Spots in Sichtweite voneinander
auf der Nusa Dua Halbinsel im Süden Balis. Selbst
für Leute, deren Level für Uluwatu nicht langt
ein lohnender Trip. Man hat von oben auf dem Felsen
einen prima Überblick und sieht eine Welle wie
aus dem Video: Uluwatu hat zwei Tubesections, dazwischen
ist es etwas flacher. Wer gut timen kann (und das können
hier alle, das Level ist das höchste was ich jemals
irgendwo gesehen habe), kann Uluwatu bestimmt 500m abreiten
und nimmt dabei noch zwei endlos lange Barrels mit.
Padang Padang ist rechts davon (wenn man vom Felsplateau
runtersieht). Bei Ebbe ragen die Spitzen des Riffs aus
dem Wasser raus. Wer seinen Bottomturn also zu tief
in der Welle macht, parkt dabei sein Brett auf dem Riff...(beide
Spots nur für absolutes Pros!). Wer in Uluwatu
vom Zusehen Blut geleckt hat, kann sein Glück in
Dreamland versuchen. Dreamland ist zwischen Padang Padang
und Kuta Reef und ein Rocky Point mit halbwegs ausreichend
Wasser unter den Finnen. Dreamland ist nicht ganz leicht
zu finden, es ist ein versteckter, ziemlich abseits
gelegener Strand. Um hinzukommen fährt man durch
eine verlassene, verfallende Feriensiedlung, die sich
der Urwald langsam zurückholt. Sehr flashig! Dreamland
bricht sehr hohl und supersauber. Rauspaddeln durch
einen kleinen Kanal in der Mitte des kleinen Strands
(ist leicht zu erkennen). Vorsicht: wer es nicht rechtzeitig
schafft, aus dem Kanal seitlich rauszupaddeln, wird
direkt in die Impact Zone gezogen und dort festgehalten!
Das ist definitiv kein Spass, weil die Wellen extrem
viel Power haben und einen lange unter Wasser halten
können.
Im Norden Balis befindet sich noch Medewi. Bei günstigen
Bedingungen sind extrem lange Rides in zum Schluss leider
nur noch knietiefem Wasser möglich. Untergrund
ist zwar kein Riff, aber mit extrem scharfkantigen Muscheln
bewachsene zerklüftete Felsen. Booties sind Pflicht!!!
Es gibt noch viel viel mehr Spots, die hier alle aufzuzählen
würde komplett den Rahmen sprengen, besorgt Euch
einfach einen guten Surfguide oder fragt vor Ort rum.
läuft
am besten, wenn...
Regenzeit im Herbst beachten.
Ansonsten: während meiner ganzen Zeit in Indo (nicht
nur auf Bali) hatte ich keinen einzigen Tag ohne Wellen...
Bewertung
Beachbreaks spielen in der Liga mindestens zwei Klassen
über jeder Welle in Frankreich, Reefbreaks wie
Uluwatu bekommen 6 von 5 möglichen Sternen...
Gefahren
im Wasser
Im Wasser gibt’s kleinere
Haie (bis ca. 2m), und Reefcuts heilen beschissen. An
manchen Spots auch Strömungen, die nicht ganz ohne
sind. Die wahren „Dangers“ lauern aber an
Land: Malaria, dreckiges Trinkwasser, europäische
Weicheiermägen, die das exotische Essen nicht vertragen
und sich mit Extremdünschiss bedanken.
Wer Bali und damit die passable medizinische Versorgung
verlässt, sollte mit offenen Wunden, selbst kleinen,
vorsichtig sein. In den Tropen schwirrt ein Haufen Bakterien-
und Virenzeugs durch die Luft, die selbst aus winzigen
Schnitzern beeinduckende Entzündungen zaubern können.
Antibiotika in der Reiseapotheke ist da sehr praktisch.
Außerdem Kohletabletten und je nach Region Malariaprophylaxe
Locals
Obwohl’s auf Bali ungefähr 10x so voll
im Line-Up ist, wie bei meinen besonderen Lieblingen,
den Lanzarote-Locals, geht’s dort was Ärger
angeht, recht entspannt zu. Die Locals dort sind im
Gegenteil zu Lanzarote so gut, dass sie sich einfach
nehmen was sie wollen und das völlig ohne zu maulen.
Also: Ärger gibt’s im Line-Up eher selten,
dafür sneakt aber jeder wie er Bock hat ohne Rücksicht
auf Verluste.
Level
Level der Wellen ist recht
hoch. Sind sehr gewöhnungsbedürftig, da sie
alle sehr schnell und hohl brechen. Droppen kann man
sie erst sehr spät, d.h. man droppt praktisch ins
Senkrechte rein, weil sie so steil sind. Das ist sehr
gewöhnungsbedürftig, auch wenn man sich selbst
für gut hält. Wenn man allerdings dann mit
ihnen zurechtkommt, hat man den Spass seines Lebens!!
Man kann z.B. so schnelle Querfahrten machen, dass einem
die Augen vom Fahrtwind tränen, lasst Euch das
mal auf der Zunge zergehen...Das Level im Line-Up ist
leider auch dementsprechend. Die Einheimischen rocken,
dass alles zu spät ist. Ansonsten gibt’s
noch nen Haufen Australier und Brasilianer und die surfen
sowieso in einer anderen Liga. Das Level im Line-Up
ist das höchste, was ich jemals irgendwo gesehen
habe, Aerials scheinen zu den Basics zu gehören.
Macht Spass, den Jungs zuzusehen, mit so Leuten um Wellen
zu battlen weniger.
Boards
Nichts, was auch nur entfernt in Europa funktionieren
würde. Hatte selbst ein 6’6’’er
mit Boxrails und Roundtail. War nur 17’ 3/4’’
breit und auch ziemlich dünn. So oder so ähnlich
sehen dort alle Boards aus: Sehr schlank und mit Boxrails,
die an den steilen Wellen für den nötigen
Grip sorgen. Neopren könnt ihr bei durchschnittlich
knapp unter 30 Grad Wassertemperatur getrost zuhause
lassen. Wichtig ist ein Rashguard. Ihr befindet Euch
nicht weit vom Äquator und die Sonne ist hier extrem
stark. Daher auch vorsichtig sein, wenn Ihr den ganzen
Tag in der Sonne seid wg. Sonnenstich. Man sieht deswegen
selbst im Line-Up öfter Surfer mit Sonnenhut. Außerhalb
Kutas ist es schwierig an Dingrepair u.ä. zu kommen.
Daher immer ausreichend Wachs, Ducktape etc. dabeihaben.
Unterkunft
Meist wird man zu Beginn in
Kuta landen, weil hier der Flughafen ist (auch wenn
er Denpasar heißt). Hotels kann man für mindestens
20,- Euro die Nacht von Deutschland aus buchen. Besser
ist es, sich direkt vor Ort umzusehen. Einfache Unterkünfte
für 3,- Euro die Nacht inkl. Frühstück
sind in der Regel problemlos zu kriegen wenn man sich
nur etwas umsieht. Tip: die ersten 2 Nächte entspannt
von Deutschland aus buchen, dann vor Ort umsehen. Wer
auf dauerbesoffene Australier und sonnenverbrannte,
notgeile Engländerinnen steht, schaut sich in der
Poppies Lane (ebenfalls Kuta) um. Etwas entspannter
weil nicht ganz so laut und Ballermann-mäßig
geht’s in Legian zu, dem nächsten Strand
Richtung Norden (ca. 20min zu Fuß von Kuta Zentrum)
Verpflegung
Gesund! Sehr viel Fisch, Reis und Gemüse. Viel
Obst. Zu allem gibt’s „Java-Sauce“
– leckere Erdnusssauce. Erwähnenswert (weil
exotisch) ist ansonsten noch „Bali Kopee“
(oder in Abwandlung „Java-„ „Lombok-Kopee“
– je nachdem wo Ihr seid). Das ist einheimischer
Kaffee, grob gemahlen, der direkt in der Tasse überbrüht
wird. Das ganze gibt dann eine grau-braune dicke Suppe,
die sehr gewöhnungsbedürftig ist aber definitiv
wach macht!!! Wer zu schnell trinkt, hat leider den
kompletten Kaffeesatz im Mund. Wer`s wirklich nicht
anders will, bekommt zumindest in Kuta auch Schweinshaxen,
Weißbier und Rippchen mit Sauerkraut...
Kultur
Bali rockt! Wer’s bei
seinem Aufenthalt nur zum Strand und zurückgeschafft
hat, hat echt was verpasst. Bali ist im Gegenteil zum
moslemischen Rest Indonesiens sehr hinduistisch geprägt.
Überall stehen riesengroße, prächtige
Tempel herum, die absolut sehenswert sind. Im Norden
der Insel ist Lovina Beach, ein superschöner Strand
mit feinem pechschwarzen Lavasand. In der Mitte der
Insel ist Mount Agung, der höchste Vulkan und Sitz
der Götter. Man kann ihn besteigen, allerdings
nur mit Führer. Von oben grandiose Aussicht über
fast ganz Bali. Ansonsten gibt’s überall
Reisterassen, die – wenn man so was noch nie gesehen
hat – auch ganz schön flashig sind.
Party
Das Nachtleben spielt sich nur in Kuta in Süd
Bali und dort auf der Jalan Legian und ihren Nebenstraßen
ab. Das ist DIE Haupt-/Einkaufs-/und Feiermeile in Kuta.
Berühmt waren der Sari Club, den`s ja leider nicht
mehr gibt und das ebenfalls abgebrannte Paddy`s. Ringsrum
gibt es aber noch einen Haufen weiterer Schuppen, in
denen es überall reichlich Jungle Juice zu trinken
gibt. Das scheint dort Nationalgetränk zu sein
und ist eine tödliche Mischung aus Arak und Fruchtsaft
um den Alkoholgehalt zu übertünchen. Mega
Kopfweh garantiert! Die Fullmoon Partys in Dreamland
sind legendär (siehe „Surf“)
Sicherheit
Die Polizei hat einen schlechten
Ruf, weil sie sich z.B. gerne an Straßenkreuzungen
stellt, und Leute mit irgendwelchen grotesken Anschuldigungen
aus dem Verkehr winkt. Was dann folgt ist für Ordnung
und Rechtsstaat verwöhnte Westeuropäer etwas
gewöhnungsbedürftig: Man verhandelt mit den
Polizisten über die Höhe des Schmiergelds,
das man zahlen muss, damit sie einen weiterfahren lassen.
Dabei sollte man keine Hemmungen vorm Feilschen haben,
da man sonst gnadenlos übern Tisch gezogen wird.
Feilschen ist übrigens ein wichtiges Ding in Indo.
Wer`s nicht macht, zahlt überall mindestens das
Doppelte als nötig. Wer sich von der Polizei ungerecht
behandelt fühlt oder Probleme mit Diebstahl oder
ähnlichem hatte: im Süden von Kuta Beach,
nahe des Hard Rock Cafe, gibt’s eine Tourism Police,
die nur für Touris zuständig ist. Balinesen
selbst können zwar unglaublich nervtötend
weil aufdringlich sein („Hey you want Pussy? I
have Pussy for you! Good Pussy!…), sind ansonsten
aber recht friedlich, auch im Line-Up.
sonstiges
Für unsere Verhältnisse ist Indo bitterarm
und daher spottbillig. Wobei billig relativ ist. Rein
„westliches“ Abendprogramm wie Party machen
und Alkohol trinken haben auch westliche Preise. Es
ist nicht ungewöhnlich, dass ein Bier fast genauso
viel kostet wie eine Übernachtung im Hotel mit
Frühstück. Der indonesische Durchschnittslohn
liegt bei $650,- im Jahr. Daran könnt ihr Euch
ausrechnen, wie billig alles sein muss, um davon zu
leben. Leider hat das die Einheimischen etwas verdorben.
In Touristen sehen sie ausschließlich Goldesel,
die gemolken werden müssen. Das ist zum einen ziemlich
schade, weil es schwierig ist, persönlichen Kontakt
zu Einheimischen zu kriegen (weil diese in einem immer
nur die wandelnde Brieftasche sehen), zum anderen kann
es auch ganz schön nervig sein, wenn sie ständig
versuchen, einem unnütze Scheisse zu überhöhten
Preisen anzudrehen. Einheimische Frauen prostituieren
sich für einen Burger von McDonalds (kein Witz)
und spekulieren darauf, dass man sie heiratet und mit
nach Hause nach Europa nimmt. Da tun sich echt Abgründe
auf...
Wer Bali verlässt, sollte „Lockware“
z.B. in Form von Surfwachs dabei haben. Einheimische
Surfer surfen teilweise schon seit einem Jahr mit dem
gleichen Wachs und sind auf Traveller angewiesen, die
ihnen hin und wieder mal was dalassen. Im Gegenzug wird
man sofort von allen Locals geliebt, auf Einheimischenpartys
mitgenommen, von der Familie bekocht und hat mit Sicherheit
mehr Spass und einen tieferen Einblick in die indonesische
Kultur und Lebensart, als in der Vorhölle Kuta.
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